ABHANDLUNGEN DER NATURHISTORISCHEN GESELLSCHAFT ZU NÜRNBERG XXI. BAND / VORGESCHICHTE IM ARBEITSGEBIET DER ANTHROPOLOGISCHEN SEKTION MIT VIELEN TEXTABBILDUNGEN, GRUNDRISSEN PROFILEN UND 99 TAFELN IM SELBSTVERLAG DER GESELLSCHAFT NÜRNBERG 1929 .Bsf INHALT Qrabungsberichte von K. Hörmann: 1917. Die Hallstatt- und die beginnende Latenezeit in der Umgebung von Nürn- berg. Mit 4 Tafeln S. 1-12. Tafel I-IV 1917. Die Hügel bei Igensdorf S. 13-64, Tafel V-XXIII Hügel 7971 im Heiligenholz bei Schönberg S. 64—74, Tafel XXlV-XXVIli 1922. Köschinger Forst bei Kasing, Bezirksamt Ingol- stadt S. 75— 120, Tafel XXIX-XL 1923. Die Petershöhle bei Velden in Mittelfranken (vorläufiger Bericht). Mit Anhang: Gerollte Knochen S. 121—154, Tafel XLI-XLVll 1925 Die dritte Hallstattstufe im Gebiet der Anthropologischen Sektion und die Nekropole in der Beckersloh S. 155—248, Tafel XLVlll-LIX 1926. Bronzezeitgräber in Mittelfranken S. 249-292, Tafel LX-LXXVIII 1929. Mesolithikum und Neolithikum in Mittel- franken? S. 293-352, Tafel LXXIX-XCIX Namen- und Sachregister 353 Abhandlungen der NATURHISTORISCHEN GESELLSCHAFT zu NÜRNBERG XXI. Band. Die Hallstatt- und die beginnende Latenezeit in der Umgebung von Nürnberg. Mit 4 Tafeln Von Konrad Hörmann. NÜRNBERG 1917. Akzidenzdruckerei Sebald Kommandite. Die Hallstatt= und die beginnende Latenezeit in der Umgebung von Nürnberg. Mit 4 Tafeln Von Konrad Hörmann. l_Jie Hallstattkultur war keine allgemein-europäische Erscheinung; sie erstreckte sich als Ganzes nur über Teile Mitteleuropas, etwa vom 45. bis zum 50. Breitengrad, von Frankreich einschließlich der Alpen bis West- ungarn. Im angrenzenden Norden dauerte währenddem die Bronzezeit fort und der Süden hatte eine andere Eisen-, die sog. Villanovakultur, welche sich lebhaft weiter zur vorklassischen, griechisch-etruskischen Periode ent- wickelte. An eine strenge Scheidung ist dabei hier und dort nicht zu denken. Aber auch innerhalb ihres eigentlichen Bereiches stellt die Hallstattkultur weder zeitlich noch geographisch eine Einheit dar. Von einer älteren und einer jüngeren Hälfte hat man früher schon gesprochen. Hoernes teilt den hallstättischen Kulturkreis in vier geographische Provinzen oder Unter- gruppen. Die Umgebung Nürnbergs, das Arbeitsgebiet der Anthropologischen Sektion der Naturhistorischen Gesellschaft, fällt in seine westliche Gruppe mit Süd- und Westdeutschland, der Nordschweiz und Ostfrankreich. Er nennt sie die Rhein-Rhonegruppe, während er die benachbarte Oberpfalz mit Nordböhmen, Nordmähren, Schlesien und Posen zur nordöstlichen oder Elbe-Odergruppe zählt*). Dieser Einteilung nach berühren sich also in unserem Arbeitsgebiet zwei regionale Gruppen der Hallstattzeit. Reinecke's Vorgeschichts-Chronologie befaßt sich mit der Zone nördlich der Alpen, beschränkt sich also in der Hauptsache auf Süd- und West- deutschland; er zieht aber natürlich auch die anderen Hallstattgebiete in seine Untersuchungen ein und daher gilt seine chronologische Teilung in vier Stufen A bis D mit 200, beziehungsweise je 150 Jahren Dauer der Hall- stattzeit im allgemeinen. Hoernes dagegen behandelt seine geographischen Provinzen nicht gleichmäßig; bei zweien behält er die alte Einteilung in eine ältere und eine jüngere Hälfte bei, einer, der südöstlichen, weist er drei Unterstufen zu und nur für die Rhein-Rhone-, also unsere Gruppe, hat er die vier Stufen der Reinecke'schen Aufstellung übernommen, nennt sie aber nicht nach ihm, sondern nach Schumacher, gibt auch etwas andere Jahrzahlen. Das erweckt den Anschein, als wäre dieser der Urheber der Stufenteilung, veröffentlicht und beschrieben aber hat sie Reinecke. Vom 6. Jahrhundert an brachte die von außen hereingetragene, als keltisch betrachtete Latenekultur große Teile des hallstätter Kjulturkreises zur Auf lösung ; Reinecke teilt sie bekanntlich gleichfalls in vier Zeitstufen, A bis D. *) Kultur der Urzeit III Eisenzeit, S. 66 (Sammlung Göschen). Die Hallstattzeit und die erste Latenestufe sind für die Vorgeschichte im Arbeitsgebiet der Anthropologischen Sektion Nürnberg von Wichtigkeit, denn die erstgenannte ist hier gut vertreten und mit der zweitgenannten schloß, bisher wenigstens , die Vorgeschichte unseres Gebietes. Die Reinecke'sche Stufenteilung ist in Bayern ganz einmütig und ohne Nach- prüfung zur Annahme gelangt. Widerspruch war auch gar nicht zu erwarten, denn die Formenfolge ist typologisch so wohl begründet, daß sich nicht daran rütteln läßt, sie bildet die wissenschaftliche Grundlage unserer Prä- historie. Nachdem die Stufeneinteilung nunmehr längere Zeit praktischer Nutzanwendung hinter sich hat, darf man sie wohl — soweit der enge Horizont eines räumlich nicht sehr ausgedehnten Arbeitsfeldes und die nur gele- gentliche Tätigkeit auf prähistorischem Gebiet dies erlauben — einer kri- tichen Betrachtung unterziehen. Reineckes Hallstattstufen sind im Nürnberger Arbeitsgebiet nicht alle nachweisbar. Wir haben Stufe A, sogar verhältnismäßig reichlich: Herolds- berg, Kirchehrenbach, Mühlanger und Altensittenbach mit seinem Urnen- friedhof in der Niederterrasse der Pegnitz. Auch am Unterlauf der Pegnitz hat es in nächster Flußnähe Urnenfriedhöfe dieser Stufe gegeben, min- destens die eine, früher für neolitisch gehaltene Station bei Mögeldorf*) gehört hierher und vielleicht stammen auch die kleinen Gefäßchen vom Racknitzgarten in Nürnberg**) aus einem längst zerstörten solchen Urnen- friedhof. Aber die Typen der hier aufgezählten Frühhallstatt-Lokalitäten sind nicht einheitlich. Die Hügelgräberkeramik hat mit wenig Ausnahmen Hallstattcharakter. Die Urnenfriedhöfe aber, Altensittenbach und der Rack- nitzgarten, fallen teilweise aus dem Hallstattschema heraus mit vereinzelten Formen der Lausitzer Keramik***}, welche auch in der Henfenfelder Jüngste Bronzezeit-Nekropole schon Vertreter hat. Sie stehen damit nicht vereinzelt in Nordbayern: in der Oberpfalz bei Labersricht (unver- öffentlicht), Dürn und Hatzenhof, in Unterfranken bei Ochsenfurt kommt dieselbe Keramik vor, welche außer in Böhmen in Norddeutschland ihr eigentliches Verbreitungsgebiet besitzt. Die Hallstattstufe B ist in den Reinecke'schen Typentafeln für Süd- westdeutschland, bezw. das Rheinland in den keramischen Formen klar festgelegt: sie steht entwicklungsgeschichtlich zwischen den Stufen von A und C so offensichtlich, daß sie auch theoretisch nicht besser konstruiert werden könnte, als sie dort die Funde bieten. Auffallend ist nur der Mangel an Metallgeräten. In unserem Arbeitsgebiet fehlt Stufe B vollständig. Reinecke bildet zwar ein Schwert mit Ortband von Günching aus der *) V. Forster, d. Besiedlung d. Nürnberger Landes in vorgesch. Zeit, Festschrift z. Geographen-Tag 1907, Abhandig. d. Naturh. Ges., 17. Bd., S. 156. **) L. Wunder, vorgesch. Denkmäler in der Umgegend von Nürnberg, Festschrift d. Naturh. Gesellsoh. 1901, Taf. 32 S. 239 (45). ***) V. Forster, 17 Bd., S. 154 unten. 5 Sammlung zu Neumarkt i. 0.*) ab, die sonstigen Beigaben im Hügel aber gestatten nur die Annahme, daß die Beisetzung zur Zeit der Hallstatt C-Stufe stattfand. Das Grab in der Bettelleite (7167)**) habe ich zwar trotz seiner von mir hervorgehobenen Hallstatt A-Keramik zeitlich an den Anfang der Stufe B gestellt, weil mir die Begräbnisform für A befremdlich schien; typologisch aber ist Stufe B bei uns nicht nachweisbar. Stufe C und D dagegen sind nicht nur vorhanden, sondern geradezu charakteristisch für unser Gebiet, ich brauche darauf nicht weiter einzu- gehen. Die folgende Zeit, Latene A, ist eine Neubildung Reineckes; sonst werden diese Formen größtenteils noch zur ausgehenden Hallstattzeit ge- rechnet, aber stilistisch hat Reinecke Recht, denn vieles daran ist gar nir- gends anderswo unterzubringen als in Latene. Bei uns ist sie vertreten, ja, Reinecke hatte bei Aufstellung dieser Stufe unseren Landesteil besonders im Auge; er sagt: ,,Das Gebiet dieser Gräber umfaßt den fränkischen Jura (und teilweise das vorgelagerte Keupergebiet)"***). Das braucht sich zwar nicht ausschließlich auf die Nürnberger Sammlung zu beziehen, aber immer- hin ist sie stark daran beteihgt. Bisher endete bei uns mit Latene A die Vorgeschichte und auch in Nordostbayern und Böhmen bricht zum mindesten mit der nächsten Stufe diese Gruppe scharf ab, die Siedlungsreihe beschließend f)- Zwei Fibeln von Latene B, aus der Beckersloh und von der Houbirg, konnten als Einzel- erscheinungen bisher unbeachtet bleiben. Es sind aber neuerdings in unserer Nachbarschaft mehr hinzugekommen, bezw. bekannt geworden, so aus der Oberpfalz, von Kirchehrenbach bei Forchheim, von der Tiefen- thaler Höhe bei Schwabthal und vom Staffelberg in der Dr. Roßbachsamm- lung und es besteht alle Aussicht, daß auch die übrigen Latenestufen für unser Gebiet, auf der Houbirg, noch erschlossen werden. Für die folgenden Ausführungen ist das aber nicht von Belang. Von den aufgezählten Reinecke'schen Stufen fehlt also Hallstatt B in unserem Arbeitsgebiet. Mit dieser Feststellung läßt sich aber nicht viel anfangen, da die Grabungen des kgl. Konservatoriums, bezw. anderer Ver- eine, über welche keine Berichte vorliegen, sie möglicherweise in unserer nächsten Nachbarschaft erschlossen haben können. In Unterfranken scheint Stufe B freilich auch zu fehlen, wie man nach Hocks Führer durch das Fränkische Luitpoldmuseum in Würzburg wohl annehmen darf und Reinecke sagt selbst, daß die Verbreitung dieser Stufe innerhalb Süddeutschlands keine einigermaßen gleichförmige ist, erklärt es aber aus der augenblicklich (1908) noch zu geringen Zahl der Funde ff)- Sollte jedoch die Stufe für *) Altertümer unserer heidn. Vorzeit V No. 999 und Text S. 315. **) Festschrift zum Anthrop. Tag 1913, S. 124. ***) Altertümer unserer heidn. Vorzeit V, S. 284: bei Reinecke eingeklammert, t) Dasselbe S. 334. tt) Altertümer V S. 320. Nordbayern wirklich auch weiterhin ausfallen, dann bekäme die Hallstatt- zeit bei uns ein anderes als das ihr durch das Reinecke'sche Schema gegebene Gesicht, sie würde wie ehedem und wie Hoernes für die beiden anderen mitteleuropäischen Gruppen es beibehält in die einfache Schichtung einer älteren und jüngeren Hallstattzeit zerfallen, welche so ungefähr mit Reineckes Stufe C beginnt. Die Hallstattstufe A müßte man dann auch hier zur jüngsten Bronzezeit rechnen, zu welcher sie, wie Reinecke*) selbst sagt, anderwärts z. B. im Römisch-germanischen Zentralmuseum in Mainz, typologisch und kulturell auch gerechnet wird. Auf welche Weise sich der hierdurch ent- stehende Hiatus von schematisch 150 Jahren erklären würde, ob man eine ansiedlungslose Zeit einzuschalten hätte, oder ob eine langsamere Entwick- lung zu chronologischen Schiebungen veranlassen müßte**), das würde dann Aufgabe zukünftiger Grabungs- und Forschungstätigkeit sein. Dies leichthin auszusprechende Ziel ist aber nur schwer erreichbar. Legt man die Reinecke'schen Typentafeln nebeneinander, so sieht man, daß die Formen — von hie und da importierten abgesehen — wie aus sich selbst heraus in neue hineinwachsen, sich entwickeln. Die Stufenteilung ist eben eine Zeit und Völker, Technik und Material berücksichtigende Stillehre, welche die Formenbildung zusammenfaßt und daraus bestimmte Zeitabschnitte folgert. Die formverändernde Wirkung der Zeit ist vier Stufen hindurch auf jeweils 150 Jahre angesetzt. Da aber nicht alle Gegenstände gleichviel Zeit ge- braucht haben werden, auch nicht eine Gegend wie die andere in gleicher Verkehrslage war und nicht alle Funde nur typologischen Hochperioden angehören können, so muß sich die Wirklichkeit bei dieser, wie bei jeder anderen schematischen Chronologie manchmal anders darstellen als es dem Schema nach sein sollte, oder anders gesagt, wenn man sich nur an das Schema hält, wird man die eben gestellte Aufgabe nicht lösen, der kompli- zierten Wirklichkeit nicht näher kommen können. Typologisch eindeutige Funde sind ohnehin selten in den schwer zu behandelnden Hügeln dieser Zeiten, auf welche wir bisher mangels Siedlungen angewiesen waren und welche oftmals eher Friedhöfe als Einzelgräber zu sein scheinen. Wie schwierig es ist an den Funden andere als die hergebrachten typologischen Erscheinungen abzulesen, möge der folgende Versuch beweisen. Zur Ver- fügung stehen die Keramik, die Metallgeräte und die Bestattungsweisen. Zuerst die Keramik; von Hallstatt A sagt Reinecke***), daß sie den wesentlichsten Anteil an der Grabausstattung hat; bei B ,, bildet sie den wesentlichsten Bestandteil des Formengutes". In C ,, pflegen die Gräber .... reichlich mit Tongeschirr ausgestattet zu sein". Aber in D: ,, Seltsamer Weise fehlt die Keramik nahezu ganz". Latene A ,, fehlt es zwar keines- *) Altertümer unserer heidn. Vorzeit V, S. 239. **) Reinecke warnt davor siedlungsgeschichtliche Tatsachen daraus zu folgern, aber eine Ursache muß doch vorhanden sein. ***) Altertümer unserer heidn. Vorzeit V. wegs an Keramik, aber die Gräber sind äußerst arm an Tongeschirr; mit den gleichen Worten ist von Latene B die Rede und in C „gehört Keramik zu den fast unbekannten. Dingen". Erst vom Ende der Lateneperiode, das außerhalb dieser Betrachtungen liegt, kehren sich die Verhältnisse wieder ins Gegenteil um. Aus dieser Zusammenstellung geht klar hervor, daß der Keramik nach einesteils die Hallstattstufen A bis C, anderenteils die Stufe D mit den drei Latenestufen zusammengehen. Die Töpferei ist selbstverständlich nicht während der letztgenannten Perioden aus der Mode gekommen oder auch nur vernachlässigt worden. Aber ihre Erzeugnisse sind eben plötzlich weg und das Warum ist aus den Gräbern anscheinend nicht ersichtlich.*) Das ist ganz interessant, ist aber nicht weiter verwertbar, denn die Wirkung wird durch die anderen Funde, die Metallgegenstände z. B., aufgehoben. Diese lassen nur den gleichmäßigen Fluß der Formen, von dem oben die Rede war, erkennen, und ein gelegentliches Neuauftauchen anderer: Hall- statt B bringt die Eisenschwerter, C hat Wagen, Eisenlanzen und (nach Reinecke S. 404) Hiebmesser, D setzt mit Dolchen ein, Latene A mit Kurzschwertern, die folgenden Stufen mit langen Schwertern usw. Nun zu den Bestattungsformen; sie wechseln häufig und ihre Be- trachtung wirkt ebenso verwirrend wie ihre Aufzählung: Hallstatt A hat Flachgräber mit Leichenbrand (bei uns auch Hügelgräber, vereinzelt auch Bestattung); Stufe B fast dasselbe; in Stufe C überwiegen Hügelgräber, in D sind sie typisch, Latene A hat Grabhügel, aber auch Flachgräber. Auch die Unterscheidungen von Leichenbrand und Bestattung führen angesichts des ständigen Nebeneinandergehens beider zu gar nichts. Nebenbei sind die Hügelbauten von einer unerschöpflichen Mannigfaltigkeit. Typologie und Schema sind die unerläßlichen wissenschaftlichen Hilfsmittel der Forschung, aber sie schließen andere, wenn es solche geben sollte, nicht aus. Die Schwierigkeit, unsere Einsicht einen Schritt vorwärts zu fördern, ist ohnehin groß genug, um den Versuch einer Einschaltung noch anderer Gesichtspunkte gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Der Lokalforscher ist berufen, die Steine zum Bau des Lehrgebäudes zusammenzutragen, aber es wird ihm sauer, denn häufig erkennt er vorlauter Steinen nichts vom Bau. Das Studium der Bestattungsweisen und ihrer Entwicklungsgeschichte kann man zwar auch, wie Kossinna es tut, als eine Aufgabe der typologischen Forschung bezeichnen, aber doch wohl nur, wenn es sich um die geistige Ver- arbeitung der Grabungsresultate handelt. Eine Ausgrabung läßt sich jedoch nicht nach typologischen, sondern man muß sie nach archäologischen Methoden ausführen. Das Begräbniswesen steht aber in engen Beziehungen zur Ethno- logie und sie verdient deshalb mit herangezogen zu werden. Tut man dies. *) ,,Ihr seltenes Vorkommen in Gräbern könnte auf rituelle Gründe zurückzuführen sein", sagt Schumacher Prähistor. Zeitschr. VI S. 257, ,,in La-Tene, wo auch verhältnis- mäßig wenige Scherben erhoben sind, ist es auffallend." 8 dann finden sich auch wichtige und neue Gesichtspunkte zur Würdigung unserer Hügelgräber. Beobachtungen dieser Art können natürHch nur während der Ausgrabung gemacht werden. Das archäologische Ziel wird erreicht durch das saubere Herausholen der Funde, Einmessen, Notieren, ihre tunlichste Wiederinstandsetzung und ihr ordentliches Auf- stellen. Das genügt vollständig für viele Begräbnisarten, die einfachen Urnengräber, Einzelbestattungen, Reihengräber, nicht aber für die kompli- zierten Hügelgräber mit ihren mannigfachen Problemen der Gleichzeitigkeit von Verbrennung und Bestattung, von Totenopfern und Nachbestattungen. Das ethnologische Ziel schließt das archäologische ein, stellt aber darüber hinaus die Forderung, daß soweit möglich die Vorgänge aufgedeckt und für immer festgehalten werden, welche während der Beisetzung statt- gefunden haben. Diese Gesichtspunkte sind für die Grabungen der Anthro- pologischen Sektion maßgebend; doch ist es am Platz hinzuzufügen, daß der Erfolg das erstrebte Ziel aus einer ganzen Reihe von Gründen niemals völlig erreichen kann. Die bisherigen Erfahrungen gestatten folgende allgemeine Feststel- lungen, über welche ich z. T. an anderer Stelle schon berichtet habe*). Den uralten Anschauungen über das Fortleben nach dem Tode gemäß verstand es sich von selbst, daß der Tode an Schmuck und Waffen ins Grab mitnahm, was er im Leben bei sich geführt hatte, dann eine Weg- zehrung, und wenn ihm dies zustand, auch seine Bedienung. Die Schmuck- und Waffenbeigaben können außer Betracht bleiben, denn darin sind sich alle Vorgeschichtsepochen so ziemlich gleich: auch von der hie und da mit- gegebenen Bedienung soll hier nicht weiter die Rede sein, sie kommt nur ausnahmsweise vor und der Beweis ist umständlich zu führen. Das augen- fälligste Merkmal ist aber die Wegzehrung. In der Bronzezeit wurde sie in einigen Gefäßen dem Toten um den Körper gesetzt, oder um die Urne, welche den Leichenbrand enthält. Diese vergleichsweise einfachen Vorgänge entwickelten sich während der Hallstattzeit zu einem umfangreichen System und gegen Ende dieses Zeitabschnittes lassen sich zwei ganz verschiedene geistige Strömungen erkennen, die unabhängig davon sind, ob die Toten verbrannt oder beerdigt wurden. An den beigegebenen Abbildungen, größten- teils Wiederabdrücke aus der Festschrift zum XL IV. Anthropologenkongreß, XX. Band der Abhandlungen der Naturhistorischen Gesellschaft 1913, läßt sich dies leichtlich nachweisen. Am Anfang der Hallstattzeit nahm nur die Zahl der Gefäße um die Leiche zu, s. Tafel I ; dem Toten zur rechten Hand legte man Stücke Fleisch von Schaf oder Schwein bei Tafel I No. 19. Im Grunde genommen blieb dies während der ganzen Hallstattzeit so, Tafel II No. 7, doch trat mit der Zeit mehr hinzu und die Trink- und Speisegaben wurden in Gruppen gesondert aufgestellt: rechts vom Leichnam wurde ein ganzes Büffet *) Korrespond.-Blatt d. D. G. f. AEU 42, 1911 S.34: die rituellen Beigaben in Hügel- Gräbern Nordbayerns. errichtet mit großen Tonkrügen und Schöpftassen für Getränke, daneben Schüsseln und Teller, wahrscheinlich für vegetabilische Beigaben, s. Tafel II und in der folgenden Veröffentlichung Igensdorf 7704- Ob das alles für den eigenen Gebrauch des Toten gedacht war, oder als Opfergabe für die Unterweltlichen zu denen die Reise ging, läßt sich nicht sagen. Umgeben von diesem Reichtum an Naturprodukten, der auf eine ackerbautreibende ansässige Bevölkerung hinweist, lag der Tote aufgebahrt, etwas höher, manchmal auch beträchtlich höher als die Gefäße. Verbrannte Tier-, wohl kaum Menschenknochen, am Hügelrand, weit von der Beisetzung entfernt, stellen vielleicht das Bauopfer für die Errichtung des Hügels dar, oder es sollte eine Art von Seelenwächter für den Toten sein. In Brandgräbern ist alles ähnlich, nur anscheinend einfacher, die Gefäße stehen in gleicher Ebene um den Leichenbrand herum, der viereckig aufgestreut oder auch in einer Urne gefaßt ist. Die Belege hierfür kommen in den nächstfolgenden Veröffentlichungen zur Abbildung. An Gefäßformen und Bronzen läßt sich typologisch feststellen, daß dieses Zeremoniell noch am Ende der Hallstatt- stufe D bestanden hat. Zur gleichen Zeit aber, also noch während der Hallstattzeit und in der ersten Latenezeit trifft man auf eine völlig andere Begräbnisform. Das Büffet mit den Schüsseln, Tellern, Tonkrügen und Schöpfbechern ist gänzlich verschwunden, s. Tafel III ein Brandgrab der jüngsten Hallstatt- zeit, sonst in der Regel Skelettgräber mit ebensolcher dürftigen Ausstattung an Wegzehrung, siehe Hagenreuth*) 7333 ; Tafel IV Skelettgrab der Latene A- Stufe. Die Fleischbeigabe fehlt manchmal und manchmal ist sie reichlich, besteht dann aber meist aus Wild: Reh, Hirsch, seltener aus Haustieren und hat keine bestimmte Lage zum Toten, sie liegt irgendwo im Hügel. Die Leute haben mehr vom Erträgnis der Jagd als dem des Feldes gelebt. Die beigegebene Keramik besteht meist nur aus Scherben, in denen weder ein Opfer, noch eine Wegzehrung enthalten gewesen sein kann, ihr Vorhandensein muß also einen ganz anderen Gedankengang aus- drücken. Wo sich Gefäße finden, stehen sie nicht in einer Gruppe neben oder unter dem Toten, sondern über ihm an beliebigen Stellen und anscheinend planlos hingesetzt oder hingeworfen.**) Bei Brandleichen ist es ebenso: an der tiefsten Stelle ist nur Leichenbrand, die Gefäße und Scherben sind weiter oben; die formlose, von der vorgeschilderten denkbar weit verschiedene Art der Lagerung eines solchen immer isolierten Gefäßes im Hügel ist ersichtlich aus Abb. 38 Seite 143 der Festschrift von 1913. Die noch ausstehenden Hügelbeschreibungen werden weitere Beweise hierfür bringen. *) Festschrift 191 3 S. 136 Hügel mit Bestattung in der Hagenreuth ohne Gefäße und nur ganz wenig Scherben: Grundriß und Profil sind deshalb als unnütz hier weggelassen. **) Schumacher Präh. Ztschr. VI S. 238: .,der so auffallende Mangel an Ton- geschirr in den Gräbern erklärt sich vielleicht durch die Mitgabe von (jetzt vergangenen) Holzgefäßen". Der wesentliche Unterschied liegt aber nicht nur im Mangel, sondern mehr noch in der völlig anderen Art die Gefäße im Hügel unterzubringen. 10 Gegenüber dem starren, gewaltigen Zeremoniell der orthodoxen Hall- stattzeit erscheint diese Art der Beisetzung formlos, zügellos, roh und dem- gemäß stehen sie zu ersterem im größten Gegensatz. Da die Beerdigungs- feier immer ein bedeutungsvoller religiöser Akt ist, so enthüllen die darin Ausdruck findenden geistigen Strömungen zwei nebeneinander hergehende grundverschiedene Religionen, deren eine aus der Bronzezeit abstammt, an Ort und Stelle in langer Seßhaftigkeit während der Hallstattzeit sich entwickelt hat und dann verschwindet, in unserem Gebiet fast oder über- haupt spurlos. Die andere tritt nach den auf unser Arbeitsgebiet beschränkten Wahrnehmungen in der jüngeren Hallstattzeit unvermittelt auf und setzt sich in die Latenezeit hinein fort, wo sie alleinherrschend wird. Mangels eigener Beobachtung kann ich sie bis jetzt nur bis Latene A belegen. Zur Feststellung der Merkmale beider Beisetzungsarten sind genaue topographische Feststellungen des Hügelinhalts unerläßlich. Solche wird zwar bei einer ernsthaften Grabung überhaupt Niemand unterlassen und tatsächlich begegnet man häufig genauen Angaben, z. B. 90, 60, 120 Zenti- meter unter der Oberfläche; aber wenn man versucht, sich danach einen ethnographisch verwertbaren Grundriß anzufertigen, so wird man erkennen, daß mit dieser Genauigkeit wenig anzufangen ist. Die Grundlagen solcher Be- obachtungen sind einwandfreie Grundrisse, Profile, Photographien, und sie müssen während der Grabung geschaffen werden, so lange die Topographie noch kontrollierbar ist, wie es z. B. bei neolitischen oder Urnen-Gräbern auch geschieht. Bei zerstörten Hügelgräbern, wie sie uns meist vorkommen, ist die genaue Feststellung besonders erschwert. Aus den Profilen und Grundrissen soll das Verhältnis der Leiche oder des Leichenbrandes zu den keramischen Beigaben und deren Gruppierung erkennbar sein. Hügel mit nur einem Toten, wie die von mir gewählten Beispiele, zeigen das typische rituelle Erfordernis, den Durchschnittsritus. Liegen in einem Hügel mehrere vollwertige, d. h. ebenbürtige Verstorbene, so hat entweder jeder eine ähnliche rituelle Ausstattung bei sich, wenn sie nach- einander bestattet wurden, oder sie sind gemeinsam beigesetzt worden, wie ich dies später bei dem noch unveröffentlichten Igensdorf 7361 nachzuweisen versuchen werde. Die dem Toten, allenfalls beigegebene Bedienung ist selbst nur Beigabe, kann also keinen Anspruch auf ebenbürtige Behandlung gehabt haben; das ist aus der Gruppierung der keramischen Beigaben ersichtlich. Wo Nachbestattungen vorliegen ist der Nachweis am Tatbestand und nicht bloß mit Worten zu erbringen, denn gerade die ,, Nachbestattung" ist ein Schlagwort, mit dem jeder Unfug möglich ist. Jeder, der eine Ausgrabung unternimmt, sollte bestrebt sein, die Durchschnittsriten zu kennen, wenn er nicht unter Umständen mehr Schaden als Nutzen anrichten will. Wie die gegebenen Beispiele zeigen, ist es möglich sie bildlich und graphisch darzustellen. Dies könntefür dieprähistorischeForschungso wichtigwerden, daß sich ein Befähigungsnachweis für A"u sgrabu n ge'n von der Kenntnis der Totejn'riten abh^ängig machen ließe. 11 Bei exakter ethnographischer Beobachtung läßt sich demnach mehr Erkenntnis aus den Hügeln herausholen,' als wenn man nur auf Typologie und Schema angewiesen ist; anderwärts, wo dies verabsäumt wurde, sucht man vergebens sich Rat zu erholen. Es herrschten auch nicht überall dieselben Begräbnisriten während der Hallstattzeit ; so scheinen sie in Hall- statt selbst ganz anders gewesen zu sein als bei uns, wo sie auch etwas variieren. Die gleichzeitigen Gräber Oberitaliens und des Kantons Tessin außer- halb des hallstättischen Kulturkreises enthalten zwar in den Bronzen typolo- gisch der Hallstatt D und Latene A Vergleichbares, sind aber ihrer anderen Anlage wegen nicht heranzuziehen. Für die Schweiz hat Viollier eine ausführliche und zusammenfassende Arbeit über die Totenriten verfaßt. Aber von dem, was uns hier interessiert, weiß er nichts zu berichten. Vielleicht liegt eine Erklärung in den Worten: ,,Die Tumuli mit Bestattung sind die wenigst zahlreichen und durch einen unglücklichen Zufall sind sie im allgemeinen mit viel ge- ringerer Sorgfalt studiert worden. Beobachtungen über Totengebräuche fehlen fast ganz." Meiner Erfahrung nach sind aber die Bestattungen in den großen Hügeln die günstigsten, allerdings auch die schwierigsten Studien- objekte. An anderen Orten stellt Viollier unter den Hallstatthügeln der Schweiz zwei Gruppen fest: die eine schließt sich an die süddeutschen Hügel an und hat Überfluß an Töpferwaren; die andere ist eng mit dem Eisen- zeitalter des französischen Jura verknüpft und gekennzeichnet durch ein fast völliges Fehlen von Gefäßen. Es scheint also dort ähnlich zu sein, wie bei uns. Damit sind wir wieder an der Stelle ange- langt, von der ich ausging, als ich Reineckes Be- schreibung der Keramik seiner Stufen zitierte. Die Typologie war nicht imstande eine Erklärung für diese plötzliche Änderung zu geben, bei der Ethno- logie aber klopft man nicht vergebens an. Wollte man die typologische und die ethnologische Ent- wicklung nebeneinander graphisch darstellen, so würde man folgende zwei Bilder erhalten: Es wurde oben darauf hingewiesen, daß die Schwierigkeit, die vorgeschichtlichen Denkmäler unserer engeren Heimat in das reine Hallstatt- *) Schema einzureihen, möglicherweise auch jetzt noch besteht, obwohl seit Reineckes Aufstellung geraume Zeit vergangen ist und viele neue Funde inzwischen an den Tag gekommen sind. Das ist eine Sache, die zunächst noch unsere Lokalforschung angeht ; die Feststellung aber, daß gewisse Beobachtungen für den typologischen Maßstab nicht greifbar sind. Hallst&tt JÖtonJI B C 1 D H tatene f^\ A B c 2 D Die Latenestufen B-D mit Fragezeichen, da sie mir noch nicht vorgel^ommen sind. 12 sondern nach einem anderen Instrument verlangen, hat auch Interesse für weitere Kreise und sollte deshalb nachgeprüft werden. Die Bestandteile einer Beisetzung wollen nicht zusammenhanglos als Gegenstände an sich und nur typologisch betrachtet sein, sondern insgesamt geben sie einer leitenden Idee Ausdruck, welche in dem Augenblick verloren geht und unkennbar wird, in welchem der Gegenstand den Zusammenhang mit seiner Bestimmung verliert. Denn hierher kam er nicht eines Selbstzweckes wegen, sondern als Mittel zu einem Zweck und dies zu erkennen liegt außer- halb des Rahmens der Typologie. Nach allgemeiner Annahme kamen mit Beginn der Latene die Kelten von Westen her und tilgten den alternden Glanz der Hallstattformen. Die Hallstattleute wanderten aus, oder verschwanden sonstwie. Die Bestattungs- weise zeigt jedoch, daß schon während der Hallstattzeit etwas sehr wesent- liches, eine neue Religion auftaucht, allem Anschein nach die keltische, denn diese ist in der folgenden Periode die herrschende und daß beide eine Zeitlang nebeneinander gehen. Um sie zu unterscheiden, habe ich schon bei der Aufstellung unserer Sammlung im Jahre 1912 die zwei Arten der Beisetzung in unseren Hallstatthügeln, wo dies nach den Fundberichten möglich war, auseinandergehalten, indem ich die einen mit ,, Beisetzung nach alter (H al Istatt-) Si t te", die anderen mit ,,B e ise tz u n g n a ch neuer (La t e n e-) Si t te" bezeichnete, wenn gleich dies ohne weitläufige Auseinandersetzung kaum verständlich ist. Es ist nötig, diese Beobachtung auch anderwärts einer Prüfung zu unter- ziehen und entsprechend verwertbare Grabungsberichte beizubringen. Die Aufforderung zu Beobachtungen nach dieser von mir ethnographisch ge- nannten Richtung (das Beiwort kann man natürlich auch weglassen) dürfte aber mit dem Vorgebrachten für die Grabhügelforschung begründet sein. Es ist von berufener Seite, von Generalkonservator Hager in seinen ,, Grund- sätzen" darauf hingewiesen worden, daß die Nachwelt und eine spätere Forschung mit wesentlich vervollkommneter Methode und geklärterer An- schauung arbeiten wird. Diese trostreiche Aussicht ist aber der Gegenwart keine Entschuldigung oder Entlastung für unvollkommene Methoden. Wenn hier wirklich ein Weg gegeben sein sollte, auf welchem sich unsere Kenntnis prähistorischer Vorgänge erweitern läßt, dann wird die Forschung es wahr- scheinlich nicht der Nachwelt überlassen ihn zu betreten. Abh. li. Nat. Ges. Nürnberff XXI. Bd. Tafel Bettelleite bei Holiistein, Bez. -Amt Sulzbach i. O. Grab II (7167) 0|2a 0,40 Q6a O.S>. \ ■1,2». _J 1 L_ ly = Schafkiiochen rechts neben dem Knie der Leiche 3rvi 2r?i "^^ HtotiKi.iiUsVöi'iJ' .fe <'>Tsfrt:iaivV-«iS.>;r.-*'>-- jj-,;, j-^j^^ j, %^,j2-p.' ,■ ESI Bra.^^td<.e Aufbahrung der frühen Hallsfattzeit Abh. d, Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel II. O b e r r e i n b a c h an der Zaiidt, Bez. -Amt Sulzbach i. O. No. 7317. '''2 ""'■■'-■■,-■>" '.T 6 = Scherbenlager bez. Gefäß g r u p p e. 7 = Schweinsrippe rechts neben der Leiche Autbahrung zur Zeit der Hallstaftstufe C. Abh. d. Nat Ges. Nütnherg XXI Bd., Tafel III. W e i d 1 :i c h bei Kalclireutli, Bez. -Amt Erlangen No. 7146. — A8o Q>v-Ad. "^ 3 (»^ 2. ("^ -t 1'*^ » Scherben ■ Eisen -■ • - Brandschiclit. Gefäßgruppen fehlen: Einzelffefäße und Scherben weit und regellos zerstreut. Brandgrab. Beisetzungsart vom Ende der Hallstattzeit. Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. BJ. Tafel IV. S t a d e 1 1 e i t e bei Haghot, Bez. Amt Sulzbach i. O. ^m Skelettknochen O Scherben A Bronzen //// Steine ::::;: Brandschicht. Beisetzungsart der Latenestufe A. Abhandlungen der NATURHISTORISCHEN GESELLSCHAFT . zu NÜRNBERG XXI. Band. ■ 2. Heft. Grabungsberichte der Anthropologischen Sektion mit Grundrissen, Querschnitten und Tafeln. Von Konrad Hörmann. NÜRNBERG 1917. Akridenzdruckerei Sebald Kommandite, Qrabungsberichte der Anthropologischen Sektion mit Grundrissen, Profilen und Tafein. Von Konrad Hörmann. DEN DRUCK DIESER ABHANDLUNG WÄHREND DES KRIEGES ERMÖGLICHTE DURCH EINE HOCHHERZIGE SPENDE HERR RICHARD G. WEIGMANN IN LAUF BEI NÜRNBERG. DIE VORSTANDSCHAFT DER NATURHISTORISCHEN GESELLSCHAFT Igensdorf, Bezirksamt Forchheim, Oberfranken. Hügelgruppe im Waldteil Kamtnerloh. Tafel V bis XXI. Literatur. Jahresbericht des Historischen Vereins von Oberfranken zu Bayreuth für das Jahr 1843/44 Seite 26. — Lehrei Rabe 1 - Weißenohe, Bericht über die Küchen- hoff'sche Ausgrabung im Jahresbericht 1882 des Historischen Vereins Bayreuth Archiv für Geschichte und Altertumskunde von Oberfranken XV. Band 2. Heft S. 325—330. — Professor Mehlis „archäologische Untersuchungen bei Gräfenberg" mit Skizze der Grab- hügelgruppe, Beiträge zur Anthropologie und Urgeschichte Bayerns Band VI 1884 Seite 144. — Protokolle der Anthropologischen Sektion und Mitteilungen 1908 Nr. 3. AI 1 gern ei n es. Grabungen. Von früiieren Grabungen werden erwähnt: solche des Freih. von Künßberg auf Ermreuth; Grabung des Kantor Höfler lu Schönbrunn bei Wunsiedel im Mai 1844; ,,Schatzgräbereien und Grabungen aus den 50er Jahren" des vorigen Jahrhunderts; Ausgrabung von fünf Hügeln für das Germanische Museum durch Professor Küchenhoffam 16. und 18. September 1882; Ausgrabung von drei Hügeln für die Anthro- pologische Sektion der Naturh. Gesellschaft Nürnberg durch Professor Mehlis vom 17.— 19. Sept. 1884. Geologischer Horizont: Opalinus'ton , unterster Braun-Jura; infolgedessen Lettenboden und bei Regen während der Grabung breiiger Lehm in den Hügeln. Das Terrain fällt von Süd nach Nord ein. Hügel bau: aus bodenständigem Material gebaut; die gelbbraune Farbe des Lehmes ist am Grund der Hügel manchmal mit blaugrauer Lehm- schicht durchsetzt. Blaugrauer Lehm auch um vermoderte Wurzeln herum, wie bei den Pfostenlöchern. Steinsetzung: nachlässige, wenig umfangreiche Überdeckung des Be- gräbnisses; alle Steine oberhalb der Grabessohle; keine erkennbaren architek- tonischen Absichten. Verwendet sind ausschließlich Weißjura-Findlinge, schalige Steine von mäßiger Größe. Irgendwo außen am Rand im Lehm einige Steine in einer Reihe, ohne Andeutung irgend eines Zweckes. Erd- oder Pfostenlöcher: bei jedem bisher, auch in den 3 von Mehlis geöffneten Hügeln, weit außen einige Löcher im Lehm, wie von ver- 1* 16 schwundenen Pfählen oder Stangen, kaum von Wurzeln. Das Einzeichnen der Erdlöcher in den Grundriß der Hügel läßt keine planmäßige Anordnung erkennen. Der Querschnitt der Löcher ist rund, oval oder viereckig mit ge- rundeten Ecken. Die senkrecht in den Boden gehenden Löcher sind be- deutend weiter als die wagrecht in den Löchern noch glattes, holz. (Die mitgenommenen geschrumpft und krumm ge- sind die Löcher Röhren mit brauner Oberfläche a, umgeben sehr zähen eisenfreien Lettenschicht b. et a b, 3 ~ 3 führenden. Manchmal fand sich langfaseriges Holz, kein Wurzel- Proben sind durch Austrocknung zogen). Bei günstiger Erhaltung harter, eisenschüssiger dunkel- von einer blaugrauen, schmalen, Der Hügellehm c begrenzt sie scharf mit eisenschüssiger Kruste, deren braune Farbe in diejenige des umgeben- den Hügellehms übergeht. Photographische Aufnahmen. Steinsetzungen, Scherben- und Gefäß- gruppen sind alle in unberührter Lage wiedergegeben, so, wie sie nach sorgsamer Aufdeckung und nach oberflächlichem Putzen zum Vorschein kamen. Neben den Scherben wird in der Regel die Erde scharf abgestochen, damit sie sich von der Umgebung kennbar abheben; namentlich bei Regenwetter ist das notwendig. Kein Gegenstand wurde entfernt, bevor er eingemessen und photographiert war. Dies gilt für alle Aufnahmen unserer Grabun gsberichte. Hügel 7361. Tafel V bis XI. Ausgrabung vom 29. April bis 4. Mai 1908. SSd &'-.andÄcntfVi+* Profil a . 2 so OM. i->. 7-". 8 ' We*r vor» 225-3i56rAa 17 iMM Brandschicht Stein überdeckun^ -■^ Knochen \ ^ Bronze ■ Eisen C J. « Scherbeil u Gefässe I Profil a. Der Hügel, von J. Wunder im Katasterblatt früher als Hügel XII be- zeichnet, bildete mit zwei kleineren Erhöhungen, welche als Hügel 7362 und 7363 abgegraben wurden, eine etwas abseits liegende Sondergruppe der großen kammerloher Nekropole. Er hatte nach jeder Richtung 18 Meter Durch- messer und eine Höhe von 1 V2 Meter. Oberfläche des Hügels bis tief hinab gestört; in der Mitte oben eine große Mulde, Steine waren ersichtlich heraus- und wieder hineingeworfen worden. Im Ostteil ein durch Stöckegraben ver- ursachtes tiefes Loch , möglicherweise den erwähnten Schatzgräbereien und Grabungen aus den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts zuzuschreiben. Daß aber schon viel früher Eingriffe gemacht wurden, erwies eine mittel- alterliche Scherbe bei 197" in Süd, 4,20 m von der Mitte und nur 20 cm über der Brandschicht. 18 Grab bau. Der Hügel bestand wie in der Kammerloh-Nekropole üb- lich, in der Hauptsache aus Lehmsand. Steinsetzung, von den Störungen ganz abgesehen, nachlässig und wenig ausgedehnt. Am Hügel r a n d Nord bei 8" vereinzelt drei Steine, siehe Tafel VI 4 und ,,St." im Profil bei Nord, vielleicht bedeutungslos, aber hier erwähnt, weil dergleichen auch bei den anderen Hügeln beobachtet wurde. Die untere Steinlage deckte die Scherben- gruppen des Hügelkerns: sie reichte an keiner Stelle unter die Brandschicht. Im oberen Hügel Steine gehäuft, .auch über den Leichen, aber Beobachtung beschränkt der Störungen wegen. Ausdehnung der Steinüberdeckung oben kleiner als unten. Erdlöcher. Im ganzen zehn an verschiedenen Stellen, fast alle an Ost- und Südseite außerhalb Brandschicht und Steinsetzung, zwischen 6% und 3V2 Meter von der Mitte. Die senkrechten Löcher meist oval, glatt, mit Durchmesser cvon 9 — 20 cm ; eines bildete eine Röhre 60 cm lang. Die wag- rechten schlechter erhalten, klein im Durchmesser, nicht glatt verlaufend, sondern etwas gekrümmt, wie von vermoderten Wurzeln herrührend (was sie wahrscheinlich auch waren). Tafel V 1,2 geben zwei senkrechte Pfostenlöcher wieder; das eine, viereckig mit gerundeten Ecken, reichte 110 cm tief von der photographierten Öffnung aus; das andere, rund, tiefer unten angeschnitten, ließ sich 30 cm nach unten verfolgen. B ran d schieb t. Etwas tiefer als der umgebende gewachsene Wald- boden eine mächtige Hauptbrandschicht, von Nordost nach Südwest beiläufig 11 Meter, von Ost nach West 8 Meter, ein bis drei Zentimeter stark. In allen Teilen ungestört. Bei Meter 3 Nord etwas nach oben versprengt, siehe Profil a. Nahe der Hügelmitte eine verkohlte Diele, siehe Grundriß, beide Profile und Tafel X 15, 160 cm lang, 23 cm breit, 3 cm dick; darunter die Scherben 35. Ein Scheiterhaufen, ganz-aus Kohle und verkohlten Stücken Holz bestehend, siehe Grundriß und Tafel V 3, zwischen Meter 5 und 6 Südwest, in und unter der Brandschicht, verbreitete bei der Aufdeckung intensiven Brand- geruch*); 1 Meter lang, 70 cm breit, 15 cm stark (in die Sammlung über- geführt, aufgestellt bei ,,Igensdorf 7361"). Im Haufen einige Scherben und wenige weißgebrannte Knochenstückchen, das unterste rechte Eck B fast nur Knochenbreccie, darunter ein Schädelstückchen, Mensch. Unter dem Scheiter- haufen dicke Scherben eines unvollständigen großen Gefäßes, durch starkes Feuer hart und rot gebrannt, siehe Scherben 5 Seite 19. Die Scherben lagen mehrfach über-, nicht nebeneinander, waren also schon zerbrochen unter den Holzstoß gelegt worden. Der Scheiterhaufen befand sich in einer Vertiefung, die zirka 10 cm unter die Brandschicht reichte. Kohlenüberstreute Flecke von geringer Ausdehnung in verschiedenen Teilen des Hügels in 1 Meter und 109 cm Tiefe unter 0-Meter. *) Wie schon einmal von der Hagenreuth (7333) berichtet, Abhandl. Bd. 20 (Fest- schrift z. Anthr. Kongreß) 1913 S. 138. „Dös bremst förmli durch d'Näsn" sagten die Arbeiter. 19 Keramik. Fast alles was zum Vorschein kam, war einförmig schwarz- tonige Ware, dickwandig und mit Resten von Graphitierung, ,, Eisengeschirr", wie die Arbeiter es zu nennen pflegen; wo im Folgenden nichts anderes an- gegeben ist, handelt es sich immer nur um Keramik dieser Art. Wenige und nur rohe Ornamente. Mit Ausnahme weniger Streuscherben wurden alle Scherben und Gefäße in der Brandschicht auf der Grabessohle liegend angetroffen; die Scherben ] — 3_ 6 nicht mit Steinen zugedeckt, alle anderen unter den Steinen in Gruppen. Vergleiche ausgiebig Grundriß und Profile! Scherben , 2, 3, 6 weit außen am Rand der Brandschicht, Nord, siehe Tafel VI 5 in situ; gaben zusammen und mit einigen Scherben von 14 (innerer Hügel oben), sowie mit Hülfe von Ergänzungen ein verhältnismäßig kleines Gefäß der dick- bauchigen Tonkesselform, s. 1—3, 6, 14 Tafel VIII unten rechts. Durchm. 25'; cm, Randd. 15 'i, Bodend. 8'4, Höhe 25; am Rücken paarweise vertiefte Kreise, umgeben von eingestochenen Punkten, wahrscheinlich vier Paare. Bei den gleichen Nummern auch einige Scherben anderer Gefäße. Scherben 5. Im Scheiterhaufen und darunter Scherben mehrerer Gefäße, die meisten zu einem groben, sehr dick- wandigen großen Gefäß gehörend; lagen nicht neben-, sondern fünffach über- einander; durchaus rötlich, wie durch- geglüht, mit stark gesprungener Ober- fläche; aufrechter Rand, breite Kragen- wulst mit Dellen, darunter eine ,,Mäuse- pfötchen" -Reihe. Scherbengruppe 7 unter der Stein- setzung in der Brandschicht s. die Abbildungen in situ Tafel X 14 und IX unten links; ergab beim Zusammensetzen der Scherben vier große, dickbauchige Ton- kessel mit konischem Hals *) und die dazugehörenden Weihebecher oder Schöpftassen Tafel VII Abb. 7. 7 b ; ergänzt ; Durchm. 47, Randd. 28, Bodendurchm. 14, Höhe 36 ; s. Ab- bildung. Scherbe von 5. *) Diese so häufig wiederkehrende Gefäßform der Hügelgräber hat in der Literatur keinen bestimmten Namen; sie wird als ,,Urne" ,,birnförmige Urne" ,, Urne mit konischem Hals" ,, weitbauchige Urne" ,, urnenartiges Gefäß" ,, eimerartiges Gefäß" ,, amphorenartiges Gefäß" ,,Vase" ,,Vase halstattien" genannt. Wenn daran festgehalten wird, daß Urne ein Gefäß zur Aufnahme der Asche oder Gebeine verbrannter Leichen ist, dann muß der Name, weil irreführend, abgelehnt werden. Die ,, Amphora" käme in der. Form am nächsten, hat aber Henkel; ebenso der Krug, diese Namen passen also auch nicht. Ich nenne sie im folgenden, bis ein besserer Name sich findet ,, Tonkessel", das soll soviel heißen wie ', kesseiförmiges Gefäß aus Ton mit konischem Hals." 20 7 c; ergänzt; Durchm. 41, Randd. 25, Bodend. 12, Höhe 35; s. Abbildung. 7 d; e in Größe und Form wie b und c ; nicht völlig wiederherstellbar, trotz massenhaft noch vorhandener Scherben; nicht abgebildet; zu e passend einige Scherben von 28. I Schöpftassen (Weiheschalen oder -becher) mit je 11 — 12 cm Durchm., ^ ; Randdurchm. lO'-j, Höhe 5 — 5U. Becher h nicht wiederherstellbar \ und nicht abgebildet, i zumeist aus Scherben von 28. Außerdem gaben Scherben von 7 mit solchen von 26 eine Schale, s. Tafel VII Abb. 8 26/7; ferner das Fragment einer roten, z. T. graphitierten Schale; am Hals ein Graphitband, s. nebenstehend. Abseits außerhalb der Steinüberdeckung: 7 a vereinzelter kleiner Teller im Boden unter der Scherbenstück von 7. Brandschicht West, darüber ein Stein ; Durchm. 17, Bodendurchm. 10, Höhe 2 (4, s. Tafel VI II, Abb. 12. Scherben- und Gefäß gruppe 8, 22—28 in der Brandschicht, meist gut erhaltene Schalen. Neben Gruppe 7 wurde zuerst die Schale 8 allein aufgedeckt, s. Tafel X 14 in situ; nach deren Weg- nahme und erst später kamen daneben die anderen zum Vorschein 22 — 28, s. Tafel XI 16 in situ und insgesamt wiederhergestellt Tafel VII Abb. 8. 8 Schale 26 cm Durchm., 10^4 Bodend. 5 hoch. 22 Schale 27 cm Durchm. 8 Bodend., 5 hoch. 23, 26 zwei Schalen zu je 18 cm Durchm., 9 Bodend., 3 '2 bezw. 5 cm hoch. 24, 26/7 zwei Schalen zu je 25 — 26 cm Durchm., 1 1 und 10 Bodend., je 5 hoch. Wie bei 7 schon erwähnt, paßten Scherben von 28 zu zwei Gefäßen der Gruppe 7. Ferner Scherben einer nicht wiederherstellbaren rotbraunen Schale 28, nicht abgebildet; Scherbchen 28 mit Teil eines Relief- ornamentes, s. Tafel VI II Abb. 12. Eine größere Anzahl Scherben blieben übrig. Scherben 21 größeres Bruchstück einer Schüssel wie 31 oder 34 b und einige kleinere, gefunden im zerstörten oberen Teil des Hügels, 50 cm unter dem Nullpunkt. Scherben- und Gefäßgruppe 29 bis 32 siehe Tafel XI 17 in situ, gab Schüsseln und Teller; wiederhergestellt Tafel VII Abb. 9. — Durch die Schüssel 30 zog sich ein auffälliger Streifen Kohlen der Brandschicht, auch auf der Abbildung erkennbar. Der Stufenteller 29 mit dem Sonnenornament nahm einen untergeordneten, keinen hervor- ragenden Platz ein, s. die Abbildung. 29 Stufenschale, innen grauschwarz, außen braunschwarz wie die meisten der aufgezählten Geschirre, mit Resten von Graphitierung; roh eingeritztes Sonnenornament. Durchm. 29, Bodendurchm. 11, Höhe S'i. 30 Schale mit Scherben von 39 ; Durchm. 28, Bodendurchm. lOU, Höhe6'/2. 31 Schüssel mit Scherben von 26 ergänzt; Durchm. 20, Bodendurchm. 7, Höhe 7. 32 Teller; beim Umzug in den Neubau abhanden gekommen. Scherben- bez. Gefäßgruppe 34 lag etwas über der Brand- schicht, siehe Tafel X 15 unten links in situ. Bei der Wiederherstellung 21 ergaben sich drei Schüsseln, die aufeinander gestanden haben mußten, denn die Scherben lagen über- bez. ineinander, wiederhergestellt Tafel VIII Abb. 10. Schale 34a Durchm.25, Bodendurchm. 10, Höhe 614; Schale 34b Durchm. 22, Bodendurchm. 10, Höhe S'i; Schüssel 34c, stark ergänzt, dünnwandig, mit rostbraunem, feingeglättetem Überzug und Spuren von Graphit; Durch- messer 24, Randdurchm. 21';., Bodendurchm. S'j, Höhe 11. Dabei ein Scherbchen 34 d, Tafel VIII Abb. 12, rotbraun, mit vertieftem, weiß einge- lassenem Wolfszahnornament. Unter der Diele in der Brand- schicht: Scherben 36 a -c und andere; solche eines großen rohen Gefäßes mit breitem Wulstornament a, semmelfarben, stark gebrannt, bez. durchgeglüht, mit rissiger Oberfläche, Scherbengruppe 36 bis 41, Mitte des Hügels; lagen um das Feld mit den weißgebrannten Knochen in der Brandschicht, insgesamt sechs Gefäße; wiederhergestellt, siehe Tafel VIII Abb. 11; leider wurde kein Situsbild aufgenommen, weil schon Dämmerung eingetreten war. 36 22 Schale mit Scherben von 22 und verstreuten Scherben aus 50 cm Tiefe, ergänzt; Durchm. 27!i, Bodendurchm. 12, Höhe A}^. 36 hohe Schale, etwas ergänzt; Durchm. 26^2, Bodendurchm. 10, Höhe9y2- 37 a große Schüssel; Durchm. 32, Bodendurchm. 12",, Höhe 9. 37b Schale; Durchm. 27, Boden gewölbt Durch- messer 12, Höhe 5. 37 c flache Schale, sehr morsch und rissig (im Feuer gelegen?) Durchm. 25, Bodendurchm. 11, Höhe 4 Vi. 39 Schale mit kleinem Henkel; Durchm. 23, Boden gewölbt Durchm. 8, Höhe 6. 41 verschiedene Scherben unter dem Knochenfeld. Aus den Streuscherben des ganzen Hügels ließ sich mit Hülfe von Ergänzungen ein helltoniges Gefäß zusammensetzen, nicht weiß-, sondern eher rotgelbe Keramik, wie das Fragment mit dem Ochsenkopf- ornament der Beckersloh in der gewöhnlichen Form dieses Geschirres, aber größer als sonst und ohne Lackornament, s. Tafel VIII Abb. 12 v.Sch. Durchm. 24, Randdurohm. 22, Bodendurchm. 5%. Höhe IOV2. Damit wurden die meisten der verstreut gefundenen Scherben aufge- arbeitet. Größere Stücke eines sehr flachen, innen roten Tellers mit Graphitüberzug, bei 30 cm Durchm., 2V2 cm hoch, aus oberen Teilen des Hügels, blieben übrig. Speisebeigaben. Knochenrückstände von Speisebeigaben fanden sich an zwei Stellen: 12 bei der Scherbengruppe 7 (abhanden gekommen) und 22 38 der Oberarmknochen eines kleinen Schafes, Heidschnucke, auf dem Feld mit den weißgebrannten Knochen. Metallfunde. Wenig und unscheinbar, s. Tafel VI Abb. 6. Bronzen: Grüne Patina an einer menschlichen Elle läßt auf Bronzearmringe, an einem Schädelbruchstück auf sonstigen Bronzeschmuck schließen; doch fand sich nichts davon vor. Einige Bronzeplättchen Nr. 4, mit Knochen 105 cm tief in gestörter Umgebung nötigen zu der Annahme, daß ein Gürtelblech vorhanden war; Ornamente sind nicht daran ersichtlich. Ein Ringchen 17 mit massiver Kugel 52 cm tief, z. T. von Eisenrost überzogen. Ein Vogel- kopf-Fibelfragment 18, an gestörter Stelle 56 cm tief; Kopf und Nadelhalter fehlen; Bügel hohl; Verzierung: eingeschnittene Halbkreislinien; hinter der kurzen Spiralrolle eine Sehne übergelegt; die Achse ein stark oxydierter Eisen- stift, an dessen einem Ende eine Kugel, das andere Ende fehlt; die Nadel nach hinten verbogen und vom Rost in dieser Lage festgehalten. Eine Griff- angel 20, wie ähnliche zuweilen Ringen aufsitzen, 154 cm tief zwischen den Scherbengruppen gefunden, von einem anderen, nicht erhaltenen Gegenstand abgebrochen; ein halbkugehges Bronzeplättchen 4, in der Mitte durchlocht. — Eisen: Zwei massive kleine Geschirringe 14 bei dem Schädel und den Knochen 13 in 60, bezw. 62 cm Tiefe; ein Stückchen gewundener Eisenstift; Teile von Klapperblechen, wie die der Geschirrteile des Gaisheimer Fürstengrabes (siehe v. Forster, Festschrift 1913 Abhandlungen 20. Band, Tafel 32 Nr. 31a und Textseite 111). Alles bei 14 neben einer der Leichen, beiläufig 60 cm tief. — In der Brandschicht zwischen Scherben Eisenrost mehrfach, aber nur ein Stückchen Eisen, vielleicht ein Messerrest. Unter dem Feld mit den weiß- gebrannten Knochen eine Messerklinge 42, von der II cm bei 1 V2 cm Breite erhalten sind. Leichen. Bestattungen: Im Westteil des Hügels zwischen 50 bis 60 cm tief Reste von 3 Leichen. Oberkörper von 13, Schädel und obere Teile der Arme und des Rumpfes beisammen liegend, siehe Tafel IX 13 und Tafel X 14, übrige Gliedmaßen fehlten oder waren durch Stöckegraben verstreut bis in 1 Meter Tiefe, siehe die Knochenreste der Leichen im Grundriß. Schädel 15 und 16 nahe beisammen in einer Ebene mit 14, in situ siehe Tafel IX 13. Südlich von Schädel 16 viele stark zertrümmerte Knochen verstreut, siehe Grundriß. — Leichenbrand: Im Scheiterhaufen A, s. Text S. 18 und Tafel V3, wenige weißgebrannte Knochen; dagegen bestand das untere rechte Eckchen B fast nur aus Knochenbreccie, darunter ein Stückchen eines menschlichen Schädels. In der Brandschicht Hügelmitte ein viereckiges Feld mit weiß- gebrannten Knochen, von Gefäßen umstanden. Darauf liegend 38 ein linker Oberarmknochen vom Schaf, darunter 42 der Messerrest. Typologie und Zeitstellung. Die Gefäße samt ihren Ornamenten, mit Ausnahme des Streuscherben- Gefäßes V. Seh. alles dunkeltonige Ware, gehören der Hallstattstufe C an. 23 Keramik mit plastischem Schmuck, wie bei dem Scherbchen 28 Tafel VIII unten kommt sonst in dieser Stufe bei uns nicht vor, findet sich aber nach Reinecke häufig von Niederösterreich bis Westungarn. ') Unter den Scherben sind die Randbruchstücke 35 b und 41b (Seite 21 im Text) der Stufe D, also einer jüngeren Zeit, zuzuweisen. Das Gürtelblech, von dem sich Reste vorfanden, ist typisch für Stufe C und die Eisensachen gehören auch dahin. Die Fibel ist stark beschädigt, es fehlt der wichtige Teil mit dem Tierkopf, aber etwas anderes als eine Vogelkopffibel ist es nicht. Es ist eine Form, die ein Hauptverhreitungsgebiet im Fränkischen Jura in unserer Nähe besitzt und zwar in den aneinandergrenzenden Teilen der drei Kreise Oberfranken, Mittelfranken, Oberpfalz; das andere liegt beim kleinen Gleichberg in Thüringen (Beltz, Latenefibeln S. 675). Vogelkopffibeln sind in ansehnlicher Zahl im genannten Juragebiet gefunden worden. Unsere Sammlung enthält mehrere und zwar aus Hügelgräbern von Hall- statt C bis Latene A; eine aus der gleichen Nekropole Kammerloh von Mehlis 1884 ausgegrabene, je eine vom benachbarten Walkersbrunn und von Streitberg, zwei aus der Beckersloh, eine von Haghof b/Sulzbach i. O. 7374 24, eine von Unterrieden bei Altdorf. Verschiedene sind im Germanischen Museum, ,,Drachenförmige Fibeln" nennt sie der Katalog: die von Küchenhoff 1882 ausgegrabene Vogelkopffibel 5821 (V 1705) aus der Kammerloh -), eine andere V 524 von Peuthenthal bei Sulzbach i. O., eine von Parsberg i. O., V. 156 und eine vom Gleichberg V. 1635. Mit der Samm- lung Ziegler sind 1915 weitere zwei hinzugekommen 3). Die von Mehlis aus der Frankenlohe bei Thalmässing beschriebene und abgebildete scheint verschollen*). Die Dr. Scheidemandel-Sammlung enthält gleichfalls 6 — 8 Stück aus der Oberpfalz. Drei andere, ausgegraben mit schönem Latene A-Flaschengefäß durch Pfarrer Herm. Erhard nahe Dechsendorf bei Erlangen (also außerhalb des Jura) und andere aus der Oberpfalz und Oberbayern befinden sich in der Münchener Staatssammlung, s. Reinecke Altert, uh. Vorzeit V. Nr- 322 — 325 und Beiträge z. Anthr. u. Urgesch. Bay. 9. Bd. S. 76 und Tafel IX 4 — 6. Eine im Museum Mainz befindliche, in den Altert, uns. heidn. Vorzeit 11. Bd. 4. Heft Taf. II 6 abgebildete Vogelkopffibel von ,,Kerschbach i. O." stammt wahrscheinlich von Kersbach beim Rothenberg in Mittel- franken, vielleicht aus der Gemmingschen Sammlung ; ein Kersch- oder Kersbach gibt es nicht in der Oberpfalz. — Die Aufzählung von Vogelkopffibeln unseres Ge- bietes macht keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Fibeln dieser Art bilden also ein häufiges Leitmotiv unserer Hügelgräber. Ihre Zeitstellung ist typologisch festgelegt, sie gehören nach Reinecke, dem auch Beiz folgt, der Latene A an und das stimmt mit unserem oben erwähnten Nr. 7374 24 und den von Erhard bei Dechsendorf gefundenen Fibeln. Aber 1) Altert, uh. Vorzeit V S. 407. 2) Katalog d. vorgeschich. Denkmäler d. Germ. Museums S. 92 in Übereinstimmung mit Mehlis Beitr. z. A. U. Bay. VI S. 145. 3) Abgebildet Altert, u. heidn. Vorzeit V Tafel 50, 890 a und b; sie befanden sich damals aber noch nicht, wie angegeben, im Germanischen Museum. 4) Mehlis, Grabhügel und Verschanzungen bei Thalmässing, Arch. f. Anthropologie 15. Bd. 1884 S. 306 Taf VI 11 12. Die damaligen Untersuchungen vom 7.— 12. Sept. 1882 geschahen auf Kosten des Germanischen Museums, wie er S. 298 erwähnt, es sollten also die Funde dort sein; sie sind aber nicht mehr ausfindig zu machen. 24 ebenso sicher ist das gar nicht seltene Vorkommen mit Grabausstattungen von Hallstatt D und C. Der zeitliche Widerspruch ist nicht zu überbrücken; wie in so vielen anderen Fällen bliebe also auch hier nur der Ausweg offen, eine Nachbestattung anzunehmen. Die Bestände unserer Samm- lung lassen es mir jedoch längst schon angezeigt erscheinen, an eine unter- schiedlich lange Dauer der Hallstatt C und ihrer Gebräuche zu denken, so daß die altertümlichen Formen des neunten und achten Jahrhunderts in unserer Gegend noch im sechsten anzutreffen sind. Auch die Scherbchen 35b und 41b aus tiefster Stelle unter der Brandschicht weisen auf diese späte Zeit hin. Mit Recht sagt Götze ,,jede Gegend hat ihre eigene Entwicklung und will für sich betrachtet sein." Die einzelnen Arbeitsgebiete dürfen aber von sich aus keine kulturellen Ausnahmezustände konstruieren ; das letzte Wort darüber bleibt daher den Autori- täten überlassen, welche die großen Fundmaterialien der verschiedenen Hall- stattzonen zu überschauen vermögen und bearbeiten. Ethnographie und Ritus. Vergleichsmaterial. Die ritusgemäße Grabausstattung leite ich ab aus folgenden meiner bisher veröffentlichten Ausgrabungen: Hallstatt A.B Bestattung: Bettelleite 7167 Festschrift 1913 Abh. Bd. XX S. 121. Hailstatt C Bestattung: Oberreinbach 7317 ebenda S. 125; Igensdorf 7704 S. 40 dieser Berichte. Leichenbrand: Igensdorf 7362 S. 30 dieser Berichte. Hallstatt D Bestattung: Hagenreuth 7333 Festschrift 1913 Abh. XX S. 136. Leichenbrand: Weidlach 7146 ebenda; Heiligenholz 7971 S. 64 dieser Berichte. Latene A Bestattung: Stadelleite 7374 Festschrift 1913 Abh. Bd. XX S. 129. Weitere Belege vorhanden, aber noch nicht veröffentlicht. Die groben Züge herausgegriffen läßt sich sagen, daß infolge der Bestattungsvorgänge die Hallstatt-Toten bis zu G ihre keramische Ausstattung um , bei oder unter sich haben, diejenigen der beiden anderen Stufen über sich, wie dies schon in der vorausgegangenen Arbeit S. 8 uf. dargelegt ist. Der Vergleich ergibt für den Hügel 7361 ein Begräbnis ausschließ- lich nach dem Ritus der Hallstattstufe C. Die Grabessohle bildete eine ebene, dem Waldboden entsprechend nach Norden leicht einfallende Fläche. Sie trug eine zusammenhängende, un- gestörte Brandschicht von beiläufig 88 qm Ausdehnung, Rückstand eines ungeheuren Feuers, welches gebrannt hat, ehe mit der Beisetzung begonnen worden war; man denkt unwillkürlich an die Totenfeier für Patroklos im 25 23. Gesang der Ilias, welche aber einer älteren Zeit angehört. In der Brand- schicht fanden sich ein Scheiterhaufen, Leichenbrand und alle Gefäße. Die weißgebrannten Menschenknochen im Scheiterhaufen beweisen, daß ein Leich- nam darin verbrannt wurde; die in der Mitte des Platzes im Viereck auf- gestreuten mögen die übrigen Reste dieses nämlichen verbrannten Toten sein. Was um sie herum und in engster Verbindung damit sich vorfand, die Funde 36— 42, war eine in sich abgeschlossene Beisetzung nach dem in dieser Stufe hierfür üblichen Ritus, das heißt: das Viereck mit den weißgebrannten Knochen bestreute Feld, der darunter liegende Eisengegen- stand, die herumgestellten Gefäße und als Beweis der Fleischbeigabe ein Oberarmknochen vom Schaf auf dem Knochenfeld. Das ist eine häufige Form der Beisetzung und demgemäß ist den vermeintlichen Ansprüchen der Seele des Toten, wie man sieht, so genau Rechnung getragen, daß man seinen an- gehörigen Hinterbliebenen noch jetzt das Zeugnis für pietätvolle Beobachtung der Gebräuche ausstellen könnte. Der Scheiterhaufen pflegt sonst zu fehlen, daß er hier vorhanden war, ist ungewöhnlich in unseren Hügeln ; doch sind solche auch anderwärts schon beobachtet ^). Welche Bedeutung der Diele in der Brandschicht zukommt, ist un- geklärt; zufällig, zusammen mit anderem Brennholz, kann sie nicht hinge- kommen sein, denn unter ihr waren absichtlich gelegte Scherbchen eines Ge- fäßes, von dem weiter nichts als diese Trümmer sich im Hügel vorfanden. Das übrige Geschirr in der Brandschicht hielt weiten Abstand von der Beisetzung und den dazugehörenden Gefäßen der Mitte; seine Aufstellung entsprach dem gleichen Ritus in einer Form, wie er für bestattete Leichen üblich war. In der mächtigen Scherbengruppe 7 findet sich das ,, Büffet" wieder, welches aus vier großen Tonkesseln und der entsprechenden Anzahl Weiheschalen bezw. Schöpfbechern bestand'''); seitwärts anschließend die Schüssel-, Schalen-, Tellergruppen, welche vermutlich Speisen enthielten und auch ein Tierknochen 12 als Rest der Fleischbeigabe wurde bei der Aufdeckung konstatiert. Nur die Bestattung würde fehlen, wenn die drei Leichen nicht da wären. Da sie aber vorhanden waren, so kann sich die Ausstattung wohl nur auf sie beziehen. Der Hügel bedeckte eine bedeutende Grundfläche und diese weit über das Bedürfnis für eine einzelne Brandleiche hinausgehende Größe lag im Plan 1) Olshausen Ztschr. f. Ethnologie 24 1892 S. 130; 40 1908 S. 100; der unsrige läßt sich danach jedenfalls als ,,Bustum" bezeichnen, als Leichenbrandstätte. In weiterem Sinn wird aber auch der über der Leichenasche aufgeworfene Grabhügel mit dem gleichen Wort benannt, dieser Sinn kann hier aber nicht unterlegt werden. 2) Tongefäße dieser Größe und Form gelten norddeutschen Forschern als Behälter für Flüssigkeiten, kleine henkellose Tassen finden sich zusammen damit bis in späte slavische Zeit und werden als Schöpf tassen bezeichnet, wie die ,, Mischgefäße" und Schalen mittels deren im Süden die Trankopfer dargebracht wurden; demgemäß darf gleicher Zweck auch für unsere derartigen Geschirre in Anspruch genommen werden. 26 seiner Errichtung. Beweis: die durchgehende, völHg ungestörte Brandschicht von 88 qm; das wird verständHch, wenn er die Bestimmung hatte, vier Leichen aufzunehmen. Leider gibt es aber keine Anhaltspunkte in welcher Weise die Aufbahrung der Toten oberhalb der Gefäße vor sich ging, wenn die Leichenfeier eine gleichzeitige war. Sie lagen unter oder zwischen Steinen auf dem Lehm und das muß vor den Störungen des Hügels schon so gewesen sein; als man sie da niederlegte war demnach die untere Beisetzung bereits mit Steinen zugedeckt, der Lehm aufgeworfen und daraus geht hervor, daß der Hauptteil der Ceremonie vorüber war. Der Gefäßzahl und -aufstellung nach sind die Leichen also wohl in die Totenfeier mit einzubeziehen; aber es spielt ein Vorgang mit, der, so lange wir seine Ursache nicht kennen, dahin ausgelegt werden kann, als hätten sie nicht vollen Anteil an der Bei- setzung gehabt. Die gleichen Vorkommnisse fanden sich in früher geöffneten Hügeln, im Gstäudi 7507, bei Alfalter 7506, bei Münzinghof 7518, in Hügel 11, III, V, VI, VIII, X, XIII, XV der Beckersloh usw. Manchmal werden regel- rechte Steinbetten angegeben, auf denen die Toten oben liegen und sie er- scheinen auch in Zeichnungen, jedoch nicht nach der Natur sondern nach dem Gedächtnis; da hierbei leicht Selbsttäuschungen unterlaufen, ist es besser davon abzusehen. Man könnte versucht sein, die Pfostenlöcher in eine Verbindung mit dem Aufbau zu bringen; aber in den Hügelbau lassen sie sich nicht hineinkomponieren, ohne den vorgefundenen Verhältnissen Zwang anzutun. An ein Gerüst, auf welchem die Toten lagen, ist nicht wohl zu denken, dafür waren die Löcher zu weit von der Mitte entfernt, die Stützpunkte würden eine Weite bis zu zehn Metern gehabt haben. Eher ist eine Einfriedigung des Grabes mit Holzpfählen anzunehmen, die auch bei den nachfolgenden Hügeln der Kammerloh wahrscheinlicher als ein Holzgerüst ist. Nach Reinecke sind die Pfostenlöcher charakteristisch für die Späthallstattzeit. Wollte man daran festhalten, daß die Toten als Nachbestattungen in den Hügel gelangt sind, so müßte sich der Vorgang entweder dreimal wiederholt haben, oder sie wurden selbdritt auf einmal begraben; in jedem Fall würde der Nachweis ritueller Bestattung fehlen. Wenn auch in späterer Zeit, von Stufe D an, neben dem anderen ein Ritus üblich war, bei dem Gefäßbeigaben unter Umständen kaum mehr eine Rolle spielten, so konnten die Toten doch niemals formlos der Erde übergeben werden, denn erst durch das rituelle Begräbnis fanden sie Ruhe. Was unsere drei Toten im Leben an Schmuck bei sich trugen, Eisenteile, Gürtelblech, Vogelkopffibel warf die Störung durcheinander; sie ist aber auch möglicherweise schuld daran, daß die keramischen Beigaben ober den Leichen abhanden kamen und der Be- weis für die Nachbestattung fehlt. Wenn nun auch die Sache in dieser Hinsicht nicht geklärt ist, so gibt es doch einen unmittelbaren Beweis dafür, daß der Hügel in einem Zuge errichtet war: die aus den verschiedenen Teilen des Hügels oben sowohl wie unten vereinzelt aufgelesenen Streuscherben erwiesen sich als zusammen- 27 gehörend, denn sie ergaben in der Wiederherstellung das Gefäß Tafel VI II Abb. 12 V. Seh.; sodann ergänzten sich Scherben der Nummern 1, 2, 3, 6 der beim „Bauopfer" am Rande der Brandschicht verwendeten Gefäße nicht nur unter sich, sondern auch mit solchen aus dem oberen Teil des inneren Hügels von 14 gleichfalls zu einem einzigen Gefäß '). Ebenso 36/22. Durch Störungen hätten die Scherben nicht nachträglich in dem bei Regenwetter zähen, bei Trockenheit steinharten Lehm verworfen werden können, wenn der große Hügel nicht auf einmal errichtet worden wäre. Das Streuscherbengefäß V. Seh. beweist zugleich auch das absichtliche Zerbrechen von Gefäßen aus rituellen Gründen bei Totenfeiern, ein Brauch, der früher schon erwähnt wurde Festschrift 1913 S. 135. Weitere Beispiele finden sich aus Schweizer gleichalterigen Hügeln bei Viollier, als weitverbreitete Sitte erscheint es bei den Griechen und einer gütigen Mitteilung Prof. Schweinfurts zufolge auch schon in Grabanlagen der 1. und II. ägyptischen Dynastie (Grab des Menes bei Tuch, Negada, ausgegraben von de Morgan, vgl. dessen Origines des Egyptiens); s. auch S. 72 Anm. 1), Es bleibt freilich noch eine andere Annahme möglich, welche die Gleich- zeitigkeit der vier Bestattungen erklären würde: die verbrannte Leiche könnte eine hervorragende Person gewesen sein, der zu Ehren man drei Menschen opferte. In dieser Weise hilft sich Viollier über die gleiche Schwierigkeit: ,,Es scheint jedoch, daß hie und da der Tote, zu dessen Ehren man den Tumulus errichtete, verbrannt wurde und daß die beerdigten Leichname solche des Gefolges sind, wahrscheinlich Geopferte" ^). Das kommt zuweilen vor; einem zweifellosen Menschenopfer begegnen wir z. B. nebenan bei Igensdorf 7704, doch ist es als solches hinlänglich gekennzeichnet. Die Brandleiche im Hügel 7361 läßt aber weder in den umgrenzenden Gefäßen, noch durch ihren Mangel an Schmuck oder Waffen — ein einziges Messer führte sie bei sich — den Schluß zu, als hätte es sich um eine hervorragende Person gehandelt. Der Ausstattung nach war es ein Alltagsmensch; auch der geringe Umfang des Scheiterhaufens deutet nicht darauf hin, daß man viele Umstände gemacht hätte. Jedem Toten Menschen, noch dazu in größerer Zahl, mitzugeben, war aber ganz unmöglich; ,,nur ein an Wahn- 1) Es darf hier darauf hingewiesen werden, daß nach Ausgrabungen jede Scherbe einzeln bei uns mit Ölfarbe nummeriert wird. Bei der Zusammensetzung werden die Scherben, mitunter von den verschiedenen Fundstellen des Hügels, unzähligemale an- einander gehalten und zusammenprobiert ; dabei kommen sie unfehlbar durcheinander. Bis zur Fertigstellung vergehen manchmal Jahre, da nur nebenbei, wenn die sonstigen Arbeiten es gestatten, Zeit dafür übrig ist. Vom fertigen Gefäß weiß nach einiger Zeit niemand mehr mit Sicherheit zu sagen, aus welchem Scherbenhaufen die einzelnen Scherben stammen, wenn sie nicht gezeichnet sind. Die Maßregel ist freilich zeitraubend und schon manchmal bekrittelt worden, aber wie sich hier zeigt, überwiegt der Nutzen den Nachteil. 2) Essai sur les rites funeraires en Suisse S. 48 unten. — Eine sehr ausführlich beschriebene Ausgrabung eines Brandgrabes, darüber vier geopferte (?) Leichen auf einem Steinbett und die Abbildung dazu (mit einer Latene B-Fibel und Hallstatt C-Armspangen 2012 und 2013) s. Bulletin de la Soc. Vaudoise des Sciences nat., Lausanne 1906, Vol. XLII Nr. 156 S. 170 und Tafel V, VL 28 sinn grenzender Aberglaube", sagt L. Wunder mit Recht, ,, könnte ein Volk veranlassen, sich selbst so gewaltsam zu dezimieren". Diese, freilich die Anschauungen der Jetztzeit unterschiebende Erwägung findet es zusagender^ vier gleichberechtigte Tote eher, als ein unbewiesenes, dreifaches Menschen- opfer für einen Toten anzunehmen. Gemeinschaftlichkeit aber bleibt immer, denn selbst wenn man auf Nachbestattung b.estehen wollte, läge bei dieser immer noch unter Umständen ein dreifaches Begräbn is vor; auch von Forster in seiner Arbeit über die Beckersloher Grabungen äußert sich ver- mutungsweise dahin, ,,daß gemeinschaftliche Bestattungen von mehreren Ver- storbenen stattgefunden haben". Eine solche Häufung ist nun allerdings nach unseren Begriffen von Beerdigungen auch nicht ganz regelrecht; es möge deshalb unter Beifügung einiger Ergänzungen zu wiederholen gestattet sein, was ich in einer Be- sprechung dieses Hügels im Korrespondenzblatt *) allgemein über mehrfache, gleichzeitige Bestattungen angeführt habe: ,,Vier Beerdigungen auf einmal sind bei einer vermutlich nicht sehr zahlreichen Bevölkerung keine selbstverständliche Sache. Da sich derartige Fälle bei uns öfter ereignet zu haben scheinen, so müssen sie ihre Erklärung in den damaligen Verhältnissen finden. Man versetze sich daher in Gedanken in die Lage jener Leute bei eintretendem Todesfall. ,, War .jemand gestorben, so begannen die Vorbereitungen für die Bei- setzung. Die Leiche konnte verbrannt oder bestattet werden; was für Gründe die eine oder die andere Art bestimmten, wissen wir nicht. Hoernes nennt die Verbrennung die unter Umständen zeitraubendere, die Beerdigung die raschere Prozedur ^). Das ist aber für die in Rede stehende Zeit der wohlgebauten Hügel nicht zutreffend ; für letztere waren die Schwierigkeiten der Beerdigung nicht gering und erforderten viel Zeit. Unsere Landleute, die bei den Ausgrabungen mithelfen und den Bau solcher Hügel zu sehen Gelegenheit haben, behaupten, daß man auch heutzutage unter gewöhn- lichen ländlichen Verhältnissen derartige Bauten während der Wintermonate, wenn die Erde gefroren und die Welt mit Schnee bedeckt ist, und selbst während des Frühjahrtauwetters nicht ausführen könne, man müsse die gute Jahreszeit abwarten. Das muß für damals gleichfalls als Bedingung angenommen werden. Die Leute von damals hatten aber noch den Eigen- sinn, nicht die nächstbesten Steine und nicht den nächstanstehenden Sand zu verwenden, sondern sie holten beides häufig voS weither. 1) Korr. d. D. Ges. für AEU 42 1911 S. 37. 2) Hoernes, Die Hallstattperiode. Archiv f. Anthropologie 1905 N. F. III. Bd. S. 250. Naue dagegen betont mit Recht die Schwierigkeiten: ,,die oft großen Grabhügel mit kunstreich aufgeführten Steinbauten und Steinkränzen, woran viele Menschen wochenlang arbeiten mußten (man vergegenwärtige sich das stete Herbeischaffen des Materials: Lehm und Steine, welche oft von weither geholt worden sind), können nicht für jedermann er- richtet worden sein", S. 175, d. Hügelgräber. 29 ,,Es konnte daher schon eine Weile dauern, bis das Material beisammen war, denn auf Vorrat dürften sie es kaum zusammengetragen haben.-,' ,,Dann konnte man mit der Beisetzung beginnen und das Totenfest an- setzen. Die homerischen Begräbnisfeiern, etwas älteren Datums, haben tage- lange Wettkämpfe und Spiele mit Preisverteilungen. Es waren große Feste für zahlreiche Teilnehmer. Ohne Totenfeiern ging es sicherlich auch in unseren Gegenden nicht ab. Hierzu aber bedurfte es der Vorräte an Lebens- mitteln und Getränken, die erst hergestellt werden mußten. Was die Männer von damals getrunken haben, weiß ich nicht; meiner Überzeugung nach war es kein Wasser. Man mußte also, ehe man die Totenfeier ansetzte, sich ver- gewissern, daß die Vorräte zur Feier und für die Wegzehrung des Toten reichten. Es konnte sein, daß man den Herbst abwarten mußte, bis die neue Ernte herein war; ja es konnten Mißernten dazwischen fallen^) und die Be- stattung verzögern. Dann blieb nichts übrig als zu warten, bis die Gelegen- heit gegeben war. Trat inzwischen noch ein oder der andere Todesfall ein, so mußte sich das Leichenbegängnis zu einer gemeinsamen Feier gestalten. In China, wo heute noch über dem Grab ein Hügel gewölbt wird, findet das Begräbnis vielfach erst nach Jahren statt-), sei es, daß das Geld nicht ge- nügt, oder sei es, daß man warten will, bis beide Eltern gestorben sind, um sie gemeinsam zu begraben. Der Sarg bleibt im Hause stehen; er wird mit Kalk verschmiert und mit Tuch gedichtet, damit man die Verwesung nicht merkt. Auch bei uns gibt es manchenorts in der Gegenwart noch Verhält- nisse, welche die Beerdigung verzögern, z. B. bei den Gebirgsbewohnern des Teschener Kreises: ,,da die Wege zu diesen zerstreuten Gebirgswirtschaften im Winter meistens des vielen Schnees wegen unwandelbar sind, so finden dann weder Taufen noch Begräbnisse statt, die Leichen werden auf dem Boden im Stroh aufbewahrt, bis die Witterung ihre Beerdigung gestattet".') Das war auch in anderen Gebirgsgegenden der Fall, man hob den Sarg mit dem Toten unterm Dach auf, bis der Schnee weg war (Deutsche Gaue Band XVIII 1917 S. 20). Vielleicht erklären sich einzelne Fälle von anscheinender Zer- stückelung der Leiche aus solchen Verzögerungen der Beerdigung. Die Glieder mochten manchmal infolge der vorgeschrittenen Verwesung den Zu- sammenhang verloren haben, Leichenteile konnten durch Tiere verschleppt sein und ganz fehlen, bis es zur Bestattung kam. 1) Reibmayr, Zur Entwickelungsgeschichte der indogermanischen Rasse: Es dürfte keine Rasse geben, wo die Peitsche der Not zuzeiten so stark fühlbar geworden ist, wie bei der indogermanischen, besonders durch Mißernten, die ja bei der primitiven Art des Ackerbaues sehr häufig sein mußten." Arch. f. Rassen- und Gesellsch. -Biologie 1910, Vll, S. 352. 2) Stenz, Beiträge z. Volkskunde Südschantungs, Veröffentl. d. städt. Mus. f. Völkerkunde zu Leipzig I 1907 S. 98. — In Deutsch -Neuguinea vergehen zwischen Tod und Begräbnis manchmal 2 Jahre. Bald ist ein blutiger Streit mit Nachbardörfern im Weg, der nicht erlaubt ein Fest zu feiern, oder die Ernte ist nicht reif oder es war Miß- ernte, so daß keine Vorräte da sind, oder man wartet ab, bis die Schweine fett sind und dergl. Mündfiche Mitteilung von Prof. Birö Lajos-Budapest, Kgl. Ethnogr. Museum. 3) Zeitschr. f. österr. Volkskde 18 1912 S. 185. 2 30 „Es kann noch andere Veranlassung zu gleichzeitigen Bestattungen ge- geben haben. Darüber sich in Vermutungen zu ergehen oder nach Bei- spielen zu suchen ist unnütz; mir kommt es hier auch nur darauf an, die Schwierigkeiten und Folgen der damaligen Bestattung zu betonen." Man braucht die an sich untergeordnete Bedeutung der „praktischen Rücksichten", wie Zehetmaier in seiner Arbeit über die Leichenbergung bei den Griechen es nennt, nicht zu überschätzen, aber außer Acht lassen kann man sie auch nicht. Ergebnis. Außer der Vogelkopffibel, einigen Scherbchen und den späthallstattzeit- lichen Pfostenlöchern hat sich weder unter typologischen noch ethnologischen Gesichtspunkten in dem Hügel etwas anderes als Hallstatt C ermitteln lassen. Man kann die früheren Störungen teilweise dafür verantwortlich machen und von einer beschränkten Beobachtungsmöglichkeit in dem wichtigen oberen Hügelteil sprechen, wo die Bestattungen waren. Die Störungen haben aber nur Sachen fortgenommen, gewiß die Fibel nicht hinzugetan. Sie muß also doch, ebenso wie die Scherbchen, wohl schon von früher her darin gewesen sein. Da sich verschiedenalterige Bronzen zusammen mit anders gearteter Keramik und schwankenden Grabgebräuchen in anderen Hügeln der Kammer- loh und auch sonst finden, so kann man nicht jedesmal den Zufall einer Nachbestattung zu Hilfe nehmen, sondern die Erklärung ist eher in der oben angedeuteten Richtung einer allmälig abbröckelnden, örtlich unterschiedlich langen, nicht schematisch scharf begrenzten Dauer der Hallstatt C- Kultur zu suchen, neben welcher zunächst oasenhaft diejenige der andersgearteten Hallstatt D und schließlich der Latene heranwächst. Bedauerlich ist, daß die ungenügende Erklärung für einen ritusgemäßen Zusammenhang des Toten- lagers im oberen mit den Ausstattungen im unteren Teil des Hügels eine bessere Einsicht in die Vorgänge bei Errichtung dieses Grabdenkmales ver- hindert. Vielleicht bringen spätere Grabungen Klarheit; wahrscheinlicher kann aber auch sie erst aus einer zusammenfassenden Betrachtung der Be- stattungsgebräuche des gesamten Hallstattgebietes und aus ethnologischen Vergleichen mit angrenzenden gleichzeitigen Kulturgebieten gewonnen werden. Während also der typologische Befund für die Hügelerrichtung ver- schiedene Auslegungen und nur eine innerhalb weiter Grenzen schwankende Zeitschätzung zuläßt, ergibt sich auf ethnologischer Grundlage ein Ritus aus der Mitte bis zum Ende der Hallstattstufe C und es wäre gut, wenn die Typologie ein Mittel fände, sich auch ihrerseits mit diesem Resultat abzufinden. 7362. Ausgrabung vom 5. Mai 1908. Tafel XI 1 bis XIV. Eine unscheinbare Bodenerhöhung, 22 Meter von der Mitte des großen Hügels 7361 nach Nordost, erwies sich als ein Grab. Oberflächenform un- 31 kenntlich als Hügel, offenbar vom Stöckegraben zerstört. Höhe beiläufig 60 Zentimeter. 3.15 e 3.^5° 360« 2S' ° MS9 i\S9 Z2S° ZoS° i8o° -iiSo ^jv ScV>cvbar» '///f/ S**ioto<3iw \3v.xv-\AscUict>V St einsät ZU ng ähnlich dem vorbeschriebenen; auch hier, 3,20 m weit außen am Nordrand vier Steine nebeneinander im Lehm, s. Tafel XII 20. Steinbau über der Grabessohle ganz unregelmäßig, nachlässig, s. Tafel XI 1 18, stellenweise außer der unteren auch eine geringfügige obere Steinlage; s. Tafel XII 19. Erdlöcher. Drei Hohlräume in Pfahlform zwischen Nord und Süd in Ost, 30 bis 60 cm tief; einer in Südwest, alle außerhalb der Steinsetzung, 2 bis 2V2 Meter von der Mitte entfernt. Brandschicht. Der natürlichen, leichten Bodenerhebung folgend und die Grabessohle bedeckend eine unberührte Brandschicht, etwa 27 qm groß, beiläufig 70 cm unter dem Nullmeter, eine größere Fläche einnehmend als die 2* 32 ^^^^M^ \. " WW^ ^%^ 0'^ /* -^ f W^ V /y.^ 75« 1 Steinsetzung. In Südwest ein kleiner Fleck eingestreuter Kohlen 35 cm unter dem Nullmeter. Leichen reste. Keinerlei Skelettreste; gegen die Mitte zu in der Brandschicht ein annähernd viereckiges Feld, überstreut mit weißgebrannten Knochen, die Überreste einer verbrannten Leiche; von zwei Gruppen Ge- fäßen umstellt, s. Tafel XIII 21, 22. Keramik. Einige Scherben lagen schon vor der Grabung offen zu Tage. Wenige Streuscherben, darunter Rand- stück eines Stufentellers mit Teil eines Sonnen- ornaments in eingepreßten Rädchenstrichen, s. Tafel XIV oben rechts. 1 bezw. 9 vor der Steinsetzung, s. Tafel XII 18, stark durchglühte, wie in Brand gelegene Scherben, dickwandig, semmelfarben mit starkem Wulstornament siehe neben- stehend. 2 außerhalb der Steinsetzung Scherben, s. Tafel XII 19 in situ; ergaben den großen Topf 2 Tafel XIV Abb. 23; dünnwandiger Ton mit rotbraunem Überzug; unter dem Rand Spuren eines zentimeterbreiten Graphitstriches und auch sonst teilweise graphitiert. Ornamen- tiert mit dreimal je 2 und einmal 3 Dellen. Durchm. 27 cm; Randdurchm. 24 '2 cm; Bodendurchm. 12Vi cm; Höhe 15. Das Feld mit weißgebrannten Knochen umstanden 2 Gruppen Gefäße, s. die Abbildungen Tafel XI II in situ. Westgruppe; die wiederhergestellten- Gefäße Tafel XIV Abb. 24. 3 Schüssel, dunkelfarben, mit Graphitüberzug innen. Durchmesser 30 cm, Bodendurchm. 12 ^ cm; Höhe 7I/2 cm. 4 Schüssel, dunkelfarben, stark ergänzt. Durchm. 23J,-2 cm; Bodendurchm. 15 cm; Höhe 6 cm. 5 Schüssel, dunkelfarben, ergänzt. Randdurchm. 19 cm; Bodendurchm. 12 Vs cm; Höhe 5 cm. 6 Schüssel, dunkelfarben; Randdurchm. 22 cm,' Bodendurchm. 11 cm; Höhe 4 Vi cm. 7, 8 wenige Scherben. 15 Scherben zweier Gefäße; ein größeres, dunkelfarben, graphitiert, nicht wiederherstellbar; 15a Tasse; dunkelfarbig; ergänzt. Durchm. 12 'o cm; Höhe 5y2 cm. 16 viele Scherben dunkelfarbener Ware, nichts davon wiederherstellbar; einige paßten zu der Schale 14 der nächsten Gruppe. Ostgruppe; die wiederhergestellten Gefäße Tafel XIV Abb. 25. 11 Scherben zweier Gefäße ineinander: großer Topf, stark ergänzt; fein" tonig mit dunkelbraunem Überzug; Durchm. 26 cm; Randdurchm. 23% cm; Höhe 11 cm. — -IIa Napf, dunkelfarben; Durchm. 11 cm; Höhe 4 cm. 12 Topf mit Henkel, rötlich-semmelfarben von feinem Ton in Farbe und Form wie Fig. 15 Hügel III Beckersloh (Festschrift 1901 Tafel 28) jedoch ohne Ornament und ohne Ansatz zur ansa lunata; Durchm. 17%; Randdurchm. 15 cm; Höhe 8 cm. 33 13 Schöpftasse, dunkelfarben, außen Spuren von Graphit: Durchm. 13 cm Höhe 6 1/2 cm. 14 Schale, dunkelfarben, innen Reste einer Graphitierung, Boden omphalos- artig gewölbt ; ergänzt, hierzu paßten einige Scherben der vorigen Gruppe von 16. Durchm. 21 !4 crn; Bodendurchm. 8V2 cm; Höhe 5'i> cm. 17 Henkeltasse (Henkel abgebrochen) sog. weißgelbe Ware') mit Orna- ment in schwarzbrauner Lackfarbe (nur noch teilweise sichtbar). Durchm. 12 '/^ cm, Randdurchm. 11 cm, Höhe 7 cm. Nachdem die Scherben dieser Gefäße weggenommen waren und die Brandschicht entfernt wurde, kam unterhalb des Platzes der Tasse 17, also unterhalb der Brandschicht, das folgende Gefäß zum Vorschein: 18 großer Topf; dünnwandiger Ton mit rotbraunem Überzug; am Rücken ornamentiert mit viermal je einer von eingestochenen Punkten umgebenen Delle, zwischen denen je vier geritzte Striche. Durchm. 29, Randd. 27, Bodend. 10, Höhe 14 cm. Sonstige Funde; nichts; auch kein unverbrannter Tierknochen. Zeitstellung. Die Keramik dieses Hügels ist der Art nach ebenso einförmig wie die- jenige des vorbeschriebenen, etwas mannigfaltiger aber in der Farbe; große, dickbauchige Tonkessel sind nicht darunter. Sie gehört der reinen Hallstattstufe C an, denn die sogen, weißtonigen Gefäße wie Tasse 17 sind bisher nur dieser Stufe zugeschrieben. Sonstige Funde waren nicht vor- handen; diesem zufälligen Umstand ist es zu danken, daß der Hügel chrono- logisch zu Zweideutigkeiten keinen Anlaß gibt. Ethnographie und Ritus. Ebenso eindeutig wie die Typologie ist der Befund in ethnogra- phischer Beziehung. Etwas angegriffen zwar, aber im wesentlichen unbe- schädigt enthielt der Hügel die Reste einer einzigen verbrannten Leiche, aufgestreut in annähernd viereckigem Feld neben der Mitte der Brand- schicht. Der sonst immer vorhandene Tierknochen als Rückstand irgend einer Naturalbeigabe von Schwein- oder Schaffleisch fehlte; dieser Ausfall tut nichts zur. Sache, denn der Tote wird zuweilen auch Fleisch ohne Knochen mit ins Grab bekommen haben. Das ,, Bauopfer" bei 2, die kleine Weihegabe bei 9 lassen den Hügelinhalt als ein abgeschlossenes Begräb- nis erkennen. Die vier Steine in einer Reihe am Rand dürfen auch hier erwähnt werden, obwohl sie vielleicht ohne oder nur von lokaler Bedeutung sind. Der Hügel kann als typisch für einen Ritus der Feuerbestattungen Mitte der Hallstattstufe C betrachtet werden und gilt als Beleg für ') V. Merhart Gräber mit bemalter Keramik, Beitr. z. A. Urg. Bayerns 19. Bd. beschreibt S. 47 unter 29 eine Henkeltasse von Igensdorf aus unserer Sammlung; wahr- scheinlich ist diese gemeint, obwohl er schraffierte Dreiecke angibt. Ich finde jedoch keine Schraffur daran. 34 den auf S. 9 der vorausgegangenen Abhandlung beschriebenen einen Typus der Brandgräber dieser Zeit. Auffallend ist der Mangel an großen Tonbehältern für Flüssigkeiten, der sich bei Brandgräbern öfter wiederholt, also vielleicht kein Zufall ist. Wahrscheinlich dienten die großen Töpfe 11 und 18 diesem Zweck; im Innern von 11 lag der kleine Napf 11a und über 18 stand die Weiheschale 17. Topf 18 muß ehemals zugedeckt gewesen sein, sonst hätten die Scherben von 17 darinnen gelegen. Die Töpfe sind durch die Schöpftassen als Flüssig- keitsbehälter gekennzeichnet; es ist also auch hier eine Unterscheidung zwischen Speisegefäßen und Flüssigkeitsbehältern zu erbringen. Da das ,, Bau- opfer" 2 gleichfalls in einem solchen Topf dargebracht wurde, so wäre auch dies als eine Trankspende zu deuten. 7363. Ausgrabung am 5. Mai 1908. Tafel XV Abb. 26, 27. Eine Bodenunebenheit mit oben aufliegenden Scherben und Steinen unweit des Hügels 7362 barg gleichfalls einige prähistorische Funde. Die Untersuchung förderte eine kleine Steinsetzung zu Tage, ganz unregelmäßig, s. Tafel XV 26, und Brandflecke, keine Brandschicht. Man könnte an den Rest eines zerstörten Hügels denken ; aber die Zerstörung müßte doch mit zu viel Vorsicht gearbeitet haben, und so ist es vielleicht der Wahrheit näher kommend, anzunehmen, daß sich hier vor, während oder nach einer der Beisetzungsfeiern ringsum irgend eine Sonderzeremonie abgespielt hat. Es ließ sich mit Hilfe von Ergänzungen die große Schüssel der Abb. 27 Tafel XV wiederherstellen; dunkelfarben, ohne Ornament, Durchm. 36 cm; Bodendurchm. 11 cm; 11 cm hoch. Eine Anzahl Randstückchen sind in Abbildung hier wiedergegeben. Das wichtigste darunter ist 17, wovon vier Scherbchen vorhanden sind. Der Ton trägt rötlich-semmelfarbenen Überzug und ein Ornament in schwarzem Lack, welches fast genau dem des merkwürdigen Gefäßfragmentes von Beckersloh Hügel 111, 15 mit dem Ochsenkopfornament entspricht; ob auch bei diesem hier eine ähnliche Guirlande vorhanden war, läßt sich leider nicht sagen. Als weitere Übereinstimmung ist auch daran der Randansatz einer ver- 35 kümmerten ansa lunata-Form vorhanden. Die Beckersloh ist in der Luft- linie 15 Kilometer von der Kammerloh entfernt. Auch die Reste dieser Fundstelle gehören in die Hallstattstufe C, dem Schema nach und mit Vorbehalt; denn das Beckersloher völlig gleichgeartete Gefäß ist mit einer Paukenfibel der jüngsten Hallstattzeit, also Stufe D, vergesellschaftet und man kann daher das Igensdorfer Fragment und damit auch die Fundstelle, wenn man v/ill, in gleich späte Zeit setzen. Hügel 7364. Ausgrabung vom 6. bis 8. Mai 1908. Tafel XV bis XVI 1. Rund 100 Meter vom großen Hügel 7361 nach Ost am Weg zwischen den Waldteilen Kammerloh und Beckenholz war in diesem eine flache weitgedehnte Erhöhung des Bodens; nach lange vergeblicher Unter- suchung (IV2 Tage mit 8 Arbeitern) erwies sie sich schließlich als Grabstelle, die äußerste der Nekropole Igensdorf gegen Ost. Der Eigentümer, Oekonom und Gutsbesitzer Konrad Meisel in Igens- dorf überließ das Grabungsergebnis schenkungsweise der Naturhistorischen Ge- sellschaft; hierfür und für seine verständnisvolle und hingebungsvolle Mitarbeit an den Grabungen sei ihm auch hier Dank gesagt. Durchmesser beiläufig 15 Meter, Höhe etwa 1 Meter. Boden lehmiger Sand; Steine wenig, kleine und große wahllos verwen- det, über der Grabessohle liegend. Weit außen in Ost und Süd, 7 und 8 Meter von der Beisetzung entfernt vier Erd-, bez. vermutliche Pfahllöcher. 36 K •v\aiakSSbrcrr . iiiiiiiiii'ri r" '-■H'' — |~-r'.-iH'ii ^ TTS .. •/ . >,. ■ .•, ..,^ '7'^ vLinta -das /'Ö ' <3 A"* -i? S^t> 7 <7 Wjkl d bo dCrtS v^J-T^ Brandschicht; stark, kräftig sich vom sonstigen Boden abhebend, aber keinen geschlossenen Brandplatz, sondern einen bandartigen Streifen auf der Grabessohle bildend, s. Grundriß. Diese um 50 cm tiefer als der umgebende jetzige Waldboden. Keramik. Mit einer Ausnahme ist alles dunkelfarbige, zwischen schwarzgrau und braungrau wechselnde Ware, außen fast ganz ohne Gra- phit und mit wenig Ornamenten. Die wiederhergestellten Gefäße s. Tafel XVII. Einige Streuscherben; darunter zwei eines außergewöhnlich dickwandigen Gefäßes mit Wulst, ornamentiert mit Fingereindrüclten. Nördliche Scherbengruppe; in situ s. Tafel XV Abb. 28 und Tafel XVI Abb. 30. 3 dünnwandiger Topf, Außenseite geglättet. Ornament: 5 mal je ein mit eingestochenen Punkten umgebener vertiefter Kreis. Durchm. 24 cm, Bodend. 8 cm., Randd. 20 cm; Höhe 12 cm; s. Abbildung 32. 4 Scherben einer großen, dickwandigen Schale, nicht wiederherstellbar. 5 Scherben, welche mit solchen von 4 drei große Tonkessel und eine Schöpftasse ergaben: a Tonkessel, klotzig-dickwandig mit konischem Hals; Durchm. 33 cm, Randd. 21 cm, Bodend. 11 'i cm; Höhe 22 cm; s, Abbildung 32. — b Schöpftasse mit Omphalos 18 mm Durchm.; Durchm. 10 cm, Höhe 5 cm; s. Abbildung 32. — c Tonkessel aus dickwandig grobem Ton, mit steilem, auswärts gewendetem, 5 cm hohem Halskragen. Durchm. 33 'i cm, Randd. 22'o cm, Bodend. 9'2 cm Höhe 31 cm; s. Abbildung 32. — d Tonkessel aus dickwandig grobem Ton mit konischem Hals, Durchm. 32 li, Randd. 21 cm, Boden- durchm. 1 1 cm; Höhe 32 cm; s. Abbildung 32. 6 mit einigen Scherben von 7 Tonkessel aus dickwandigem geglätteten Ton, mit konischem, abgesetzten Hals, leicht graphitiert. Primitiv eingeritzte Orna- mente sechsmal je ein viergeteiltes Sonnenrad abwechselnd mit je einem schraffierten Dreieck. Durchm. 28, Randd. 19, Bodend. 11; Höhe 26; s. Abbildung 32. 7 ergab zwei Gefäße; a Schale, sogen, weißgelbe Keramik, mit etwas nach außen gerichteten schmalem Steilrand, Ton innen grauschwarz, mit semmelfarbenem etwas ins Rötliche spielenden Überfang wie 736212. Boden ergänzt; Durchm. 17 'i, Randd. 16; Höhe 9'i cm; s. Abbildung 32. — b Schüssel, stark ergänzt mit Scherben der Fundstelle der Bronzespiralen und des Scherbchens 8 Taf. XV Abb. 29, unvollständig; außen geglättet. Wolfszahnornament mit eingestanzten Punktlinien; Durchm. 22 ' ., Bodend. 15, Höhe 8 ' o ; s. Abbildung 32. Südliche Scherbengruppe; in situ s. Tafel XVI Abb. 31. 13 Schüssel aus dickwandigem Ton, innen graphitiert, etwas ergänzt. Durchm. 32, Bodend. 11, Höhe 10; s. Abbildung 33. 37 14 ergab drei Gefäße in- oder übereinander: a Schüsselurne mit 2^-2 cm liohem Steilrand, ursprünglich vielleicht mit rötlich-semmelfarbenem Überzug, im Feuer stark und durchaus gerissen, dunkelfarbig angeschmaucht. Durchm. 21 '/^ Randd. 20, Bodend. 8 '/^; darin Erde mit kalzinierten Knochen, zugedeckt mit dem Stück einer flachen Schüssel, s. Abbildung 33. — b Schüssel aus dickwandigem. Ton, innen graphitiert ; ergänzt. Boden aufwärts gewölbt. Rand nach innen ab- gesetzt, 8 mm breit. Durchm. 23 '/j. Bodend. 10, Höhe 6, s. Abbildung 33. — c dickwandige grobe Schüssel, Oberfläche des Tones von Sprüngen und Rissen durchzogen; ergänzt und unvollständig. Durchm, 26, Bodend. 13; Höhe 10; s. Ab- bildung 33. 15 Schüssel, ursprünglich vielleicht semmelfarben, jetzt bräunlich, Ton- überzug gesprungen und gerissen ; unvollständig. S. Abbildung 33. Durchm. 25, Bodend. 9, Höhe ? Darin Erde mit kalzinierten Knochen, u. a. ein Stückchen Menschenschädel. Leichen. Skelettreste keine. Wenn auch der Hügel sicher durch öftere Waldrodung gestört war, so ist doch nicht gut anzunehmen, daß er jemals Leichenbestattung enthielt, denn es fanden sich nicht einmal Splitter von Knochen; wohl aber Knochen weißgebrannt; sie lagen nicht, wie bei 7362, verstreut über ein viereckiges Feld, sondern füllten zusammen mit Erde die zwei Gefäße, von denen eines mit dem Teil einer Schüssel zugedeckt war 14a, 15.- Also anscheinend die Beisetzung einer oder zweier Brandleichen. Metallbeigaben; s. Tafel XV Abb. 29, mehrere Ringbruchstücke 10 und 11, das eine 30, das andere 42 cm über der Brandschicht; sie gehören mindestens zwei Ringen von 3V2, bezw. 3% cm lichter Weite an, sind aber beide unvollständig. Die Bronze ist durch Oxydation in einen Körper von mehlartiger Beschaffenheit verwandelt, den eine äußere Rinde von gelblichgrüner Patina zusammenhält. Dereine besitzt eine walzenförmige Anschwellung. — Ein Stückchen Bronzedraht 11, 17 mm lang, könnte die abgebrochene Nadel einer Fibel sein. — Ferner 8 und 12, sieben kleine Bruchstücke von Bronzespiralen im Durchmesser von rund 5 mm, zusam- men 10 cm lang, aber nicht aneinanderpassend; ein Teil, von kleinerem Durchmesser, windet sich rechtsläufig, der andere von stärkerem nach links. Zu ihrer Herstellung ist Bronze und Eisen in bemerkenswerter Technik ver- wendet; der Kern oder die Seele besteht aus einem Eisen- draht a in Form einer Schraube, jaröäSS in die Windungen ist ein Bronze- draht eingehämmert 1). — Ein i_^^^^i_ 11 mm großer, flacher Bronze- knopf 9 mit Bruchstellen an beiden Seiten ist anscheinend aus einem Ring oder zwischen den Spiralen herausgebrochen. — Schließlich noch ein kleines Stückchen hochgewölbten Bronzebleches 12, dem ein ver- drücktes Hohlkügelchen von Bronze aufsitzt. Die Bronzen sind alle stark ^-) Ingenieur O. Hartmann hatte die Güte, Versuche zur Herstellungsolcher Gewinde _ = zu machen. Sie kommen nicht zu stände, wenn der Eisendraht viereckigen oder runden b^^ Querschnitt hat; ist er aber seitlich ausgehämmert, so daß er diesen Querschnitt ,^?> zeigt, dann werden die Umdrehungen genau wie bei dem alten Original. 38 beschädigt, machen aber nicht den Eindruck, als wären sie im Feuer gelegen. Die interessanten, jedoch recht unscheinbaren- und schwer zu deutenden Reste lagen mit Ausnahme des 12 cm höher, im Sande steckenden Ring- bruchstückes 11 auf einem Stein, 98 bezw. 95 cm unter dem Nullpunkt, das sind 42 bezw. 45 cm über der Brandschicht, alle in nächster Nähe bei- sammen. Bei den Bronzespiralen lag noch das Tonscherbchen 8 mit ein- gepreßten Kreisen, der dritte Fund dieser Art (die beiden andern s. Fest- schrift 1913 S. 124). Typologie und Zeitstellung. Wie bei den meisten unserer Hügelgräber der Stufe C ist auch bei diesem die Frage nach der Zeit nicht einfach mit einer Jahrzahl, sondern nur nach verschiedenen Wenn und Aber zu beantworten. Der Gesamtcharakter der Keramik ist der der Hallstattstufe C; er zeigt aber verschiedene Schattierungen, auf welche hier nur hingewiesen werden soll. Bei den großen Tonkesseln ist der konische Hals in der Regel wie bei 6 scharf vom Rücken abgesetzt und auch der obere Rand scharf ausladend. Die Absicht zu solcher Formengebung ist bei 5 a vorhanden, aus irgend welchen Gründen aber nicht bestimmt ausgesprochen. Bei 5 c und d da- gegen beschränken sich die Artmerkmale auf den bauchigen Teil; was den Halsteil anbelangt sind sie in unserer Sammlung alleinstehend. Bei 5d ist die äußere Linie weich und fließend, rundlich, nicht in scharf getrennten Absätzen nach oben steigend. Noch etwas fremdartiger ist die Gestaltung bei 5 c: der Hals kommt senkrecht aus dem Topf heraus und verbreitert sich dann nach auswärts, ähnlich wie das im Kleinen bei den Schalen der weißgeiben Keramik der Fall ist, z. B. hier bei 7a. Man könnte Anklänge an ältere Formen darin vermuten, wie sie Rademach er 's zweite Hallstatt- stufe vom Niederrhein führt*). Die dortigen Gefäße stehen jedoch, wie Re i necke betont hat, unseren Hallstatt C-Formen sehr nahe und fallen auch nach Rademacher zeitlich größtenteils damit zusammen; seine zweite Stufe reicht ihm zufolge bis zum Jahre 700, also soweit wie bei uns Stufe C; außerdem fehlen unseren Gefäßen die Andeutung von Riefelung und über- haupt alle Feinheiten des Profils der Stufe B, sowie größtenteils selbst die Graphitierung. Einen Tonkessel mit ähnlichem Halsrand wie 5d bildet Lang ab'); zu 5 c fand sich nach langem Suchen in der Literatur eine ähnliche Form in der Schweiz ^), mit anderen Tonkesseln der Hallstattform und einer eisernen 1) Rademacher, Chronologie der niederrheinischen Hallstattzeit Mannus IV S. 187 u. f. 2) Jos. Lang, aus Frankens Urzeit, Würzburg 1905 Taf. V 83 und Seite 20, dort fälschlich unter die Bronzezeitgefäße gerechnet. 3) Anzeiger für Schweizer Altertumskunde Band 15 1913 pl. XXV Tumulus de Gruningen Zürich; Nachbestattung S. 281. ft 39 Schlangenfibel zusammen. Die letztere, in Bronze auch bei uns häufig vor- kommend, bezeichnet die jüngere Hälfte der Stufe C und die Stufe D. Die helltonigen Gefäße gelten dagegen als Vertreter der älteren Hälfte, den Be- ginn von C; unsere Nr. 7a sollte also in dieser Vergesellschaftung fehlen, ebenso wie die gleiche Schale des Hügels 7361, v. Seh. Tafel VIII Abb. 12, wenn die Keramik dieser Art ausschließlich einen Leitwert des älteren Zeitabschnittes darstellen würde. Die Absonderlichkeiten der Tonkessel 5 a c d fallen aus dem Hallstatt- stil heraus, es spricht sich auch keine fertige andere Stilform darin aus, wohl aber die Hinneigung zu einer solchen und zwar zu Latene. Sie rund- weg als Entwicklungserscheinungen zu bezeichnen geht jedoch nicht an, denn nach allgemeiner Annahme hat bei uns im Südteil des Hallstatt- gebietes eine Entwicklung von Hallstattformen nach solchen der Latene nicht stattgefunden; die letztere trat mit einer neuen Formensprache unver- mittelt auf den Plan. Ist aber die Entwicklung ausgeschaltet und trotzdem eine Verwandtschaft vorhanden, so kann es sich nur um eine durch Neben- einanderleben entstandene Anpassung handeln. Keramik dieser Art wäre dann freilich noch jünger, als wenn eine Stufe der Entwicklung zwischen- geschaltet wäre, die sich in der Späthallstattzeit, in Stufe D, abgespielt hätte. Es erübrigt sich, weiter darauf einzugehen, aber Anlaß zu einer solchen Hypothese finde ich in unserer Sammlung sowohl wie anderwärts und sie kann sich auch auf die übrigen Ergebnisse unserer Grabungs- berichte stützen. Die Bronzereste sind zu dürftig, um die Gegenstände, denen sie ange- hörten, erkennen zu lassen. Das Ringbruchstück mit dem Knoten und die gelbgrüne Patina überhaupt deuten auf jüngste Hallstattzeit, wenn nicht auf Latene. Die Anwendung von Bronze und Eisen an einem und demselben Gegenstand ist kein ausschließliches Merkmal dieser Zeit, sondern kommt auch früher vor. Die Funde vereinigen also Eigenarten verschiedener Stufen; bei den Bronzen überwiegen die Merkmale jüngerer Zeit. Die Keramik läßt in Nebensachen, wie die spärliche Graphitanwendung und die Sonderheiten an den Tonkesseln eine Beeinflussung durch jüngere Stilgebräuche vermuten, verharrt aber im wesentlichen noch in der altertümlichen Stilrichtung der Hallstattstufe C (,,VoIk mit alten Hallstattsitten"). Man kommt also auf typologischem Weg zur selben Seite 30 ausgesprochenen Hypothese eines Hereinragens alter Formen in neuere Zeiten. Die Hügelerrichtung fiele demnach wenn nicht in die Latene-, so in die Späthallstattzeit mit ihren untersten Grenzen um 550 v. Chr., also in eine Zeit, zu welcher bereits eine andere Religionsübung und eine andere Stilart in den Nachbarschaften auzutreffen sind. Ethnographie und Ritus. Der Hügel enthielt keinerlei Skeletteile, sondern Leichenbrand, möglicher- weise von zwei Leichen; Gewißheit darüber besteht nicht, denn es könnte 40 sein, daß die weißgebrannten Knochen von nur einem Toten herrührten, aber in zwei Gefäße gefaßt waren. Der Vergleich mit dem Typus 7362 ergibt teilweise Übereinstimmung, aber auch merkbare Unterschiede. Übereinstimmungen: eine beträchtliche Anzahl von Gefäßen; gruppenweise Aufstellung in einer Ebene am Grunde des Hügels; gleichartige Überdeckung durch die Steinlage. Unterschiede: dort die weißgebrannten Knochenreste in vier- eckigem Feld auf die Brandschicht verstreut, hier in zwei Urnen gefaßt, deren eine zugedeckt und in anderen Schüsseln stehend; dort die Metallbei- gabe unter dem Feld mit den Knochenresten, niedergelegt also gleich bei Beginn der Zeremonie, hier oben liegend auf den die Gefäße überdeckenden Steinen, also dahin gelangt erst am Ende der Zeremonie als der Hügel geschlossen wurde, wie dies üblich bei den Leichenfeiern der Stufe D. Dort, wie bei den anderen Hügeln der Kammerloh, die große geschlossene Brandschicht nur wenig tiefer als der umgebende Waldboden, hier in breitem, band- förmigen Streifen reichlich 50 cm tiefer. Ähnliche Übereinstimmungen und Unterschiede finden sich wieder in den nachfolgenden Berichten über die Hügel im Eichenloh; ihre Würdigung kann also mit diesen zusammen geschehen. Obwohl ein Hügel der Kammer- loher Nekropole hat er doch nur geringen Anteil an deren rituellen Ge- bräuchen. Der Gemeinschaft mit den Eichenloher Gräbern zufolge könnte man geneigt sein, die Insassen der dortigen Bevölkerung beizuzählen und das wäre vielleicht auch eine Erklärung für die hinausgeschobene Lage des Begräbnisses am Ostrand der übrigen Hügel. Hügel 7704. Ausgrabung vom 10. bis 13. Mai 1912. Mit Tafel XVIII bis XXI. Ungefähr in der Mitte zwischen den Hügeln 7361 und 7364 befand sich eine Unebenheit des Waldbodens, auf deren Oberfläche schon während der Grabung von 1908 vereinzelte Scherben P. 18 aufgelesen worden waren. Wahrscheinlich war früher Hügelgestalt vorhanden, irgend einmal hat aber eine Abtragung stattgefunden. Die Aussichten waren demgemäß recht un- günstig; doch zeigte sich bald, daß der Hügehnhalt von keinerlei tieferen Eingriffen betroffen worden war. Grab bau. Eine Lage Steine vorhanden, die Beisetzung nachlässig überdeckend, die Grabessohle nicht erreichend; durch vorausgegangene Störungen wahrscheinlich dezimiert, Tafel XVI II 34. Weit außerhalb, in drei Meter Abstand, ähnlich wie bei Hügel 7361 und 7362, eine Reihe nebeneinander liegender Steine, s. die gleiche Abbildung. Grabessohle nur wenig tiefer als der umgebende Waldboden. Erdlöcher. Pfostenlöcher von länglich rechteckigem Querschnitt 16x12 cm, mit gerundeten Ecken, Wände vollständig glatt, jeweils 60 bis 41 80 cm tief in den Boden hinein zu verfolgen, 4 Stück; drei davon an der Südseite in Abständen von je 150 cm eine Linie bildend, im Mittel 220 cm vom Meßbrett entfernt. Weniger gut als solche erkennbare Pfostenlöcher an der Nord- und Ostseite blieben unvermessen. Brandschichten. Starke, zwei bis drei cm dicke Brandschicht I auf der Grabessohle, der natürlichen Bodenerhebung folgend von Nord nach Süd etwas ansteigend; ohne Inhalt. Acht cm. darüber bei II eine etwas schwächere, auf den Teil beschränkt, in welchem die Beerdigten ruhten; ebenfalls etwas ansteigend. Darin ein Teil der Gefäße und ein Bronzering- fragmentchen. Bei III Kohlen über den fast wagrecht geebneten Boden gestreut, bei 135" sich mit II vereinigend; darin der große .Scherben- haufen und die Leichen; Brandschicht I und einige Stellen von II dünn durchsetzt mit kleinen, völlig weißgebrannten Knochenstückchen. Alle drei Lagen, bzw. Schichten völlig ungestört. 1,50 ^ O.SO O O, S^O 'l.-VM O, X -\ 1| 1 1 1 1_ 02f OSO, NW Levi?i?r der TönscKerbcn b'^Lf, »6,lS,20,2l C \ / SO. B •——■"■; . ,.,..%-.-.♦'••• "ßra nd schieb t 77oi+ < ^°" "j!^. 770 « V^' A und B sind Baumstümpfe I — III drei Brandschichten übereinander; 14a und b Unterkiefer vom Schaf; 6, 16,18,20, 21 das Scher- benlager mit den großen Tonkesseln und Schöpf- tassen ; rechts die Leichen 14 und 15 Leichen. Zwei Leichen nebeneinander, 14, 15, schlecht erhalten; Schädel zerdrückt, aber deutlich erkennbar die Gesichter einander zugekehrt, s. Ab- 42 bildung Tafel XIX 38. Leiche 14 besser erhalten, gestreckte Rücken- lage. Von Leiche 15 außer dem zerdrückten Schädel nur die linken Extremitäten und Stücke des rechten Ober- und Unterschenkelknochens erhalten; machte den Eindruck als hätte sie Seitenlage, liegend auf dem rechten Arm. Die Füße beider Leichen fehlten; an ihrer Stelle gehäuft größere Stückchen gebrannter Knochen von bräunlicher Farbe. — Leichenbrand. Die erwähnten weißgebrannten Knochen in Brandschicht I und 111 sind vielleicht tierischer Abkunft, aber die bedeckte Urne 26 b Tafel XX Abb. 40 unter den Oberschenkeln von 15 enthielt weißgebrannte Knochen in größerer Zahl, einigen Schädelstückchen nach 'zu schließen, möglicherweise von einem Menschen. Metallfunde. Bei den Knochen der kleineren Leiche in Kohlen- chicht III fanden sich Reste eines Bronzebleches, nicht ebenliegend, sondern bogenförmig gekrümmt 15 a; in Brandschicht II, nahe dem Gefäß 14 c das Fragment eines Bronzeringchens 25. Sonst keine Metallbeigaben. Keramik. Viele Scherben und Gefäße, fast durchweg einfache, dunkeltonige Ware, anscheinend zumeist graphitiert gewesen, aber nicht viel mehr davon zu sehen; wenige Ornamente. Rechts der Leiche neben Kopf und Schulter umfangreiches Scherbenlager, bezw. Gefäße in Haufen, nicht auf ebenem, sondern nach der Mitte etwas eingesunkenem mit Kohle geschwän- gertem Boden liegend, wie in einer Mulde, an den Rändern höher. Zur Seite und unter den Leichen Einzelgefäße in Scherben; vergleiche Tafel XIX 37, 38 und XX 39 in situ, Grundriß und Profil. Streuscherben, nicht viele, verschiedenen Gefäßen angehörend. Einige offen obenauf liegende 1908 während der Grabung 7362 aufgelesen P. 18; dazu passend Streuscherben während der Grabung außerhalb der Stein- deckung und zwischen dieser gefunden, hochglänzend graphitiert, ergaben zu- sammen das Fragment der Schale P. 18, Durchm. 17V2 cm, Tafel XX Abb. 41 ; zentimeterdicke Scherben eines großen Tonkessel-Gefäßes mit rundlich-S- förmigem Profil, hellbrauner Überzug, nach unten gerauht und gefurcht fanden sich sowohl als Streuscherben, dann bei 17, mit dem Schafunter- kiefer bei 14b und bei 20 mitten im großen Scherbenhaufen. Der große Scherbenhaufen ergab folgende Gefäße: einen Satz 3 bis d von vier großen Tonkesseln mit konischem Hals und einigen Weiheschalen bezw. Henkeltassen. a bei 18. dunkeltonig, nicht graphitiert: am Rüol^en vier Gruppen zu je ### Punkten, mattglänzend schwarz; Durchm. 42, Bodend. 13, Höhe 35. Im Innern der Scherben auf dem Gefäßboden stand Henkeltasse 28; s. Tafel XX 39 und XXI. b bei 21, dunkeltonig außen, innen mit dem semmelfarbenen Ton der sog. weißgelben Keramik überzogen und teilweise schwärzlich geschmaucht ; vom Boden bis zur größten Ausladung gerauht, obere Hälfte glatt mit Resten von Graphitierung ; am Rücken drei Gruppen zu je vier vertieften Kreisen ; Durchm. 37, Bodend. 10, Randd. 25, Höhe i33; s. Tafel XXI. c bei 20, dunkeltonig; vom Boden bis zur Mitte gerauht, obere Hälfte glatt und graphitiert. Durchm. 37, Bodend. 10, Randd. 21, Höhe 34; s. Tafel XXI. 43 d bei 20, unvollständig ; vom Boden bis zur Mitte ge- rauht, obere Hälfte glatt, in Metopengliederung ornamen- tiert in feinen Rasterlinien, s. nebenstehend. e Scherben von 18— 21: Schüssel, starkwandig, dunkeltonig, innen graphi tiert; Durchm. 26, Bodendurchm. 14'/2, Höhe 752 ; s. Tafel XXI. f dsgl.: große Schale, sehr dickwandig, dunkeltonig, innen graphitiert, er- gänzt; Durchm. 31, Bodend. 14, Höhe 9; s. Tafel XXI. g dsgl.: flacher Teller, dickwandig, brauntonig, stark geschmaucht, Boden hochgewölbt, Durchm. 23V2, Bodend. 9, Höhe 4';; s. Tafel XXI. h dsgl.: Teil einer Schale, dickwandig, dunkeltonig, innen graphitiert, Boden hochgewölbt; Durchm. ca. 20, Bodend. 8, Höhe 4; s. Tafel XXI. i dsgl.: halber Teller, dunkeltonig, innen graphitiert gewesen, ergänzt; Durchm. 24, Bodend. 10, Höhe 5; s. Tafel XXI. k dsgl.: Henkeltasse (Weiheschale), Henkel abgebrochen, dünnwandig, außen und innen graphitiert, mit Omphalos, ergänzt; Durchm- 13 VL». Bodend. 4'/2, Höhe 5 c; s. Tafel XXI. I dsgl. : Teil eines Tellers, dunkeltonig, innen graphitiert, mit ein- gestempeltem, einfachen Sonnenornament, s. obige Textabb. rechts; Durchm. 25, Bodend. 14, Höhe 5. 6a halbe Schale, brauntonig, Durchm. 17, Bodend. 9 > 2. Höhe 5; s. Tafel XXI. 6 b Schale, sehr dickwandig, dunkeltonig, innen graphitiert gewesen, Boden hochgewölbt; Durchm. 22, Bodend. 13, Höhe S'/a ; s. Tafel XXI. Schüssel, nicht wiederherstell- mik, d.h. semmelfarbener Überzug, Rücken Ornament von schwarzen 6 c Scherben einer bar, sogen, weißgelbe Kera- zerfressen und löcherig; am Lacktupfen. 16 Scherben mehrerer 28 Henkelt asse Gefäße, nicht wiederherstellbar. (Weiheschale), stand unter den Scherben und auf dem Gefäßboden des a bei 18 in situ Tafel XX Abb. 39; außen und innen graphitiert gewesen, mit Omphalos; Durchm. 12, Bodend. 4, Höhe 5; s. Tafel XXI. 29 H e n ke Itasse (Weiheschale), innen und außen graphitiert gewesen, Henkel mit drei Rillen; in situ Tafel XX Abb. 39; Durchm. 13, Boden abgeblättert, Höhe 6; s. Tafel XXI. Außerdem viele Scherben, teils zu den aufgezählten Gefäßen gehörend, aber nicht unterzubringen, teils anderen Gefäßen angehörend, deren Form nicht feststellbar ist. Gefäße neben dem Unterkörper der Leichen: 14c Schüssel, neben dem rechten Bein von 14; außen graphitiert ge- wesen; Durchm. 27 '/j, Randd. 21, Bodend. 10, Höhe 13V2; Tafel XX 40. 22 Schüssel neben 15, nur teilweise wiederherstellbar, dickwandig, mit rötlichbraunem Tonüberzug, der graphitiert war; am Halsansatz eine bezw. zwei gefurchte Linien, s. Tafel XX 42, Durchm. 26 i^, Randd. 21 i'o, Höhe 6— 7 und verschiedene andere Scherben. 13 ein Topfboden in Brandschicht 1. Gefäße unter den Leichen in situ Tafel XX 39. 44 19 Teller zwischen den beiden Schädeln, s. Abb 37 und 39 in situ, dickwandig, innen graphitiert, Durchm. 22, Bodend. 9, Höhe 6; Tafel XX 40. 23 Schale unter dem Gesäß von 14 ; außen braungrau, innen graphitiert gewesen: Durchm. 27, Bodend. 9, Höhe 6 'i, Boden hoohgewölbt; Abb. 40. 26 zwei Gefäße unter den Oberschenkeln von 15, ineinanderstehend, in situ Abbildung 39, rekonstruiert Profil S. 41 ; wiederhergestellt Abbildung 40. a hohe Schüssel, dickwandig, innen und außen braungrau; Durchm. 26, Bodend. 7 '2, Höhe 10J4, Boden hochgewölbt. — b großer Topf, dunkeltonig, rissige Oberfläche ; Durchm. 28';, Randdurchm. 20, Bodend. 9, Höhe 18; darinnen weißgebrannte Knochen. 27 S ch ü SS e 1 fragment mit einigen Scherben von 18 — 21 unter der Achsel von 15, dunkeltonig; Durchm. 23—25, Randd. 21—23, Höhe 11; Tafel XX 40. Zeitstellung und Typologie. Unter den wenigen Bronzeresten befinden sich Teile eines Zierbleches. Es lag in der Nähe des Ellenbogens der seitlichen Leiche, bogenförmig ge- krümmt, umschloß also einen Körperteil ; am Arm kann es nicht getragen worden sein, denn dieser lag frei darüber; es umfaßte also wahrscheinlich den Leib und ist der Rest eines Gürtelbleches. Damit ist Hallstattstufe C gegeben. Dem entspricht auch die Keramik. Ornamente sind nur spärlich daran ver- treten. Eines der großen dickbauchigen Gefäße von 18 trägt ein nach Form und Technik nicht gerade häufiges Ornament: in Metopengliederung hängende Streifen, alternierend mit Wolfszahnzacken, beide Muster in Rasterlinien er- stellt. Dieselbe Technik wird sich bei 13 Hügel 6908 und besonders an einem Gefäßfragment von 5 bei 6909 in der Eichenloh wiederfinden. Graphi- tierung ist nicht durchweg vorhanden; Graphit-Hochglanz hat nur das Gefäß- fragment P18, dessen andere zugehörige Scherben z.T. freiliegend auf der Oberfläche des Hügels gefunden wurden. Es zeichnet sich durch das ver- mutlich eingepreßte Ornament und durch die Reliefwülste am Hals aus. Die Typologie versetzt uns in die Zeit von 850 bis 700 v. Chr. Ethnographie und Ritus. Auch bei diesem Begräbnis hat vor Beginn der Zeremonie ein großes Feuer auf der Grabessohle gelodert und erst nach dem Erlöschen der Glut kann die Beisetzung stattgefunden haben. Ein ,, Bauopfer" in Gefäßdarbietung wurde nicht angetroffen. Diejenige Partie der unteren Brandschicht, über welcher die Leichen ruhten, war mit kleinen, weißgebrannten Knochenteilchen gemischt, ,, gesalzen" könnte man es nennen. Dieses Bestreuen muß eine Handlung für sich nach dem Erlöschen des Brandes gewesen sein, denn wenn ein Körper im Feuer verzehrt worden wäre, so hätten die Reste gehäuft ge- legen; sie sind also erst nach dem Brand über die Fläche verteilt worden. Menschenreste braucht man nicht anzunehmen, wahrscheinlich waren es Tier- reste, denn nicht überall, wo weißgebrannte Knochenteile sich finden, ist auf eine Menschenleiche zu schließen. Nach dem Erlöschen der Glut wurde die mit Knochenteilchen ,, gesalzene" Kohlenschicht gleichmäßig mit Erde bedeckt und darüber brannte nochmals 45 ein Feuer, Brandschicht II. Letztere war entweder sehr ungleichmäßig oder absichtlich nur an einigen Stellen mit Knochenteilchen bestreut und es standen einige Gefäße darin, unter den Leichen. Eines, 23, unter dem Gesäß der Hauptleiche, zwei andere in einander, 26 etwas unterhalb des Gesäßes der zweiten Leiche, 27 unter den Schultern und 19 zwischen den beiden Köpfen; sie kamen erst nach Abheben der Leichen zum Vorschein, s. Tafel XX Abb. 39. Die Füße der Körper fehlten; an ihrer Stelle lagen, wie oben erwähnt, braun-, d. h, nicht ganz durchgebrannte Knochenteilchen. Sie sind also durch kein so intensives Feuer gegangen, wie die völlig weiß-, d. h. ganz durchgebrannten, mit denen die Brandschichten ,, gesalzen" waren. Sie können gleichfalls nicht wohl von einer Menschenleiche herrühren und selbst ein Tieropfer leuchtet an dieser Stelle nicht recht ein. Ich halte sie denn auch für ganz etwas anderes, nämlich für die verbrannten Füße der Leichen, weil sie gar so auffällig um die distalen Enden der Tibien verteilt waren. Es würde dies zur Voraussetzung haben, daß die Toten längere Zeit im Hause unbeerdigt gelegen hatten. In dieser Zwischenzeit fielen die Füße ab und wurden einstweilen verbrannt, die Überreste aber aufgehoben, um sie bei der Bestattung den Leichen hinzuzufügen'). In gleicher Ebene mit den Leichen, also ihnen zur Seite, lagen die Scherben, bezw. Gefäße 14 c und 22, auch die Schafunterkiefer 14 a, b. Die rechte Tibia der Leiche 14 lag bei der Auffindung über dem Gefäß 14c, was allenfalls den Eindruck erwecken könnte, als wäre dies gleichfalls unter dem Toten gestanden ; der Knochen ist aber von dem hindurchgewachsenen Baumstamm B offenbar neuzeitlich hinaufgeschoben; bei der Aufdeckung war dies ersichtlich. Die ausgedehnte Scherbengruppe rechts der Leichen bestand in der Hauptsache aus den bekannten großen dickbauchigen Tonkesseln und den dazu gehörenden Schöpftassen oder Weiheschalen, deren einige unversehrt in den großen Gefäßen standen. Hier hatte der Standplatz nicht die geneigte Fläche des natürlichen Bodens, wie die Grabessohle, sondern man hatte Erde angeworfen, um den Gefäßen einen sichereren Stand zu geben. Wie es scheint, mußten auch sie auf geweihtem Boden stehen und deshalb waren hier nochmals Kohlen mit Knochenteilchen aufgestreut worden, bevor man die Gefäße niedersetzte. Den Pfostenlöchern ist auch bei diesem Hügel keinerlei Bedeutung für die Aufbahrung beizumessen, sie waren zu weit außen, so daß die Spann- weite 7 Meter betragen hätte. Wenn man sie als die Andeutung einer Um- friedung betrachtet, werden sie eher verständlich. Besonderes Interesse verdienen die beiden Leichen. Die auf dem Rücken liegende war den kräftigen Extremitäten- und Schädelknochen, sowie dem Unterkiefer und den stark abgekauten Zähnen nach eine erwachsene Person in reiferen Jahren, aller Wahrscheinlichkeit nach ein Mann. Es war ein 1) Über Teilverbrennung s. Olshausen Ztschr. f. Ethn. 24 S. 164 uf und meine Aus- führungen S. 29 unten. 3 46 Langschädel mit schmalem Gesicht, kräftiger Stirnnasenwulst (Glabella) und tiefliegender Nasenwurzel, s. Tafel XVII I Abb. 36, wie die meisten Hallstattzeit-Schädel unserer Sammlung. Das Gesicht war dem Gefährten zugewendet. Von diesem, der zweiten Leiche, waren weniger Skeletteile erhalten geblieben. Es war eine kleinere Person, den nicht abgenützten Zähnen des abgerutschten Unterkiefers nach eine jugendliche Person von 12—14 Jahren, aller Wahrscheinlichkeit nach ein Mädchen; dafür spricht auch das Gürtelblech, dessen Reste den Leib umschlossen. Sie lag seitlich, auf dem rechten Arm, Gesicht und Körper der erwachsenen Person an- geschmiegt. Dem unzweideutigen Befund nach kann hier von ,, Nachbestattung" nicht die Rede sein. Die Beisetzung der beiden geschah gleichzeitig und zwar erscheint 14, der auf dem Rücken liegende Tote, als die Hauptperson, die Ursache der Veranstaltung und auch die Todesursache des Mädchens. Denn hier handelt es sich mit jenem Grad von Wahrscheinlichkeit, den ein Geschehnis haben kann, dessen Augenzeugen längst verstummt sind, um nichts anderes, als um ein Menschenopfer. Nicht genug damit enthielt aber auch die bedeckte Urne unter diesem geopferten Wesen weißgebrannte Knochen, vermutlich die Reste eines Tier- opfers; aber die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, daß auch Mensch in Betracht kommen kann. Von Gelenkköpfen, Zähnen oder sonst bestimm- baren Teilen ist leider nichts erhalten. In die Gedankenwelt des Vor- geschichtsmenschen ist uns der Einblick versagt; war es ein Mensch, so bleibt die Deutung dieses Fundes ein Rätsel. Die Freilegung des Begräbnisses war am 1 1 . Mai beendet ; Sonntag den 12. Mai konnte daher eine größere Anzahl Mitglieder der Anthropologischen Sektion und der Naturhistorischen Gesellschaft das Ausgrabungsresultat be- sichtigen und es war Gelegenheit zu einem Vortrag an Ort und Stelle ge- geben. Den ganzen Tag über kamen Ausflügler und Scharen von Bauers- leuten aus der Umgebung, denen das offensichtliche ,,Gebahren der Heiden" reichlichen Stoff zur Unterhaltung bot. Ein Vergleich mit dem in der Luftlinie 32 Kilometer entfernten Grab 7317 bei Oberreinbach, Festschrift von 1913 S. 125 läßt die Gleichartigkeit der Aufbahrung und damit die gemeinsamen Grundzüge des Ritus einer gut be- stimmbaren Zeit erkennen, der Hallstattstufe C, 850 — 700 v. Chr. Ich leite aus den übereinstimmenden Zügen beider die Berechtigung ab, für die genannte Epoche unserer heimischen Hallstattgräber den Ritus in dieser Form als bindend zu erklären. Seine Merkmale sind auf S. 8 und 9 der voraus- gegangenen Abhandlung dargelegt, es genügt deshalb, darauf zu verweisen. Die Anordnung der Gefäße weicht in Einzelheiten von der Oberrein- bacher Bestattung ab ; bei jener standen keine Gefäße unter den Leichen. Es kann dies nebensächlich sein oder noch innerhalb des offen zu lassenden 47 .Spielraums fallen ; immerhin darf darauf hingewiesen werden, daß sich hier einzelne Züge des Althallstattbegräbnisses 7167 der Bettelleite wiederfinden, siehe Festschrift 1913 S. 121. Man vergleiche Grundriß und Profil von dort mit 7704; abgesehen von dem „Büffet" des letzteren ist die Verteilung der Gefäße bei und unter den Leichen gleicher Art: hier und dort Gefäße unter Hals und Schulter, unter dem Körper und greifbar zur linken Hand, ebenso wie die Tierknochen. Das sind vielleicht zufällige Gleichungen, können aber auch Anzeichen sein, daß der Hallstatt C-Ritus sich aus Althallstattgebräuchen entwickelt hat. Im Gegensatz dazu würde beispielsweise ein Vergleich zwischen Oberreinbach und der Bettelleite zwecklos sein und keine Ähnlichkeit ergeben, ein Zusammenhang stellt sich erst ein auf dem Umweg über Igensdorf 7704. Das kann man aber so deuten, daß das dem Althallstattritus entfremdete Oberreinbach ihm auch zeitlich weiter entrückt ist, wohingegen das zwischen beiden Riten vermittelnde 7704 ihm näher steht und daher zeitlich vor Ober- reinbach zu setzen ist. Einem Teil des Zeremoniells zufolge stellt sich dem- gemäß die ältere Hälfte der Hallstattstufe C bis zu ihrer Mitte als ethnographisches Ergebnis dieses Hügels heraus. Die Totenfeiern können sich nur im Einklang mit den religiösen Bräuchen abgespielt haben, wenn auch jeder Hügel noch so viel individuelles Gepräge und Sonderzüge aufweist; Varianten sind um so selbstverständlicher, je um- fangreicher und weitschweifiger das Zeremoniell ist. Warum sollten sie daneben nicht auch entwicklungsgeschichtliche Bewegungen widerspiegeln? Aus Mangel an Beobachtungs- und Vergleichsreihen läßt sich diese Frage weder bejahen noch verneinen, aber als eine — wie v. Luschan es nennt - ,, Arbeits- hypothese" dar<' sie immerhin aufgestellt und in Betracht gezogen werden. Unterrässelbach Waldteil Eichenloh bei Igensdorf. Frühere Grabungen; am 9. und 13. August 1883. Ausgrabung eines Hügels durch den Historischen Verein zu Bayreuth. Dort befinden sich auch die Funde. — 5. und 6. Okt. 1888 durch die anthropologische Sektion, Dr. Baumüller und J. Wunder. Literatur: Dr. Schmidt, Grabungsbericht; Lehrer Räbel dsgl., beide im Jahresbericht für das Jahr 1883 im Archiv für Geschichte und Altertumskunde von Oberfranken XV. Bd. 3. Heft S. 270 uf. Nr. 7375. Einzelfund W m Latene A-Ring Vom Anger vor dem '^^^ H Geschenk von Konrad Eichenloh. - ^ft ^B Meisel. 3* 48 Einen Kilonneter südöstlich von Igensdorf, in einer, der Kammerloh entgegengesetzten Richtung, liegt eine andere zur Gemeinde Unterrüsselbach gehörende Nekropole im Waldteil Eichenloh. Nach den Vermessungen J. Wunders zählt sie 21 Hügel (nach Dr. Schmidt 10—11, nach Räbel 13, nach neuerer Untersuchung 28), von denen im Jahre 1905 einige holzfrei ge- worden waren. Der Kgl. Postexpeditor Joh. Friedrich, damals in Igens- dorf, erwirkte vom Besitzer Ökonom Stadelmann in Unterrüsselbach für die Naturhistorische Gesellschaft die Erlaubnis zur Ausgrabung und Justin Wunder führte sie vom 17. bis 19. April 1905 aus. Es war seine letzte Grabung für die Anthropologische Sektion, denn bald darauf verließ er Nürn- berg, um in Odessa eine Ultramarinfabrik einzurichten und zu. leiten. Da auch seinen Sohn und ebenso eifrigen Prähistoriker Ludwig Wunder die Lehrtätigkeit zur selben Zeit der Heimat entführte, so bildete die Grabung den Abschluß eines langen, für die Geschichte der Anthropologischen Sektion als ,, Epoche Wunder" wichtigen Zeitraumes. Einige Worte über den Prä- historiker Justin Wunder dürften daher erwünscht sein. Chemiker Justin Wunder war einer der Mitbegründer der Anthro- pologischen Sektion im Jahre 1882. Die Arbeiten im Feld wurden in den Erstlingsjahren voll regen Eifers zumeist gemeinsam unternommen und durch- geführt; als aber im Lauf der Jahre einer der Mitarbeiter nach dem andern, Dr. Hagen, Einstein, Prof. Spieß, Dr. Baumüller, den Spaten aus der Hand legten und selber in den Hügel gingen, blieben ihm und seinen heranwachsenden Söhnen die Grabungen der Sektion mehr und mehr allein überlassen, obgleich Mitglieder immerzu zur Teilnahme sich einfanden. Er hatte bald erkannt, daß das anfänglich ausschließlich auf Funde, womöglich Bronzen, gerichtete Bestreben den Zielen der Forschung abträglich war: nicht der Funde wegen, sondern um den sonstigen Rätseln der vorgeschichtlichen Hinterlassenschaften in den Hügeln nachzuspüren, sollte gegraben werden. Als Mittel hierfür galten ihm exakte Messungen und Erstellung genauer Fundberichte, nach denen es, wenn nötig, möglich sein sollte, den Hügelinhalt jederzeit wieder so aufzustellen, wie er an Ort und Stelle verteilt war. Jede Vernachlässigung dieser Prinzipien erschienen ihm, wie Ludwig Wunder es auch einmal in einem Vortrag ausführte, als Gräberschändung und Leichenraub. Nach mannigfachen Versuchen war er zur Überzeugung gelangt, daß die Ausgrabung unserer komplizierten Hügelgräber am erfolgreichsten nach dem System Cohausen — Abgraben von außen nach der Mitte in konzentrischen Kreisen — sich bewerkstelligen ließ, wußte es aber, unterstützt von seinem Sohn, erheblich zu verbessern, indem er ein Winkelmaßbrett mit einer Kreis- einteilung von 360 " hinzufügte, welches an der höchsten Stelle des Hügels nach dem Kompaß orientiert wurde und von wo aus mit dem Bandmaß nach allen Seiten die Längenmaße abgenommen werden konnten, siehe den Ab- schnitt ,,Die Methoden der Grabung" von Ldg. Wunder in der Festschrift von 1901 S. 248. Im Großen und Ganzen hat sich das System bewährt; es 49 hatte aber den Nachteil, daß zur Abnahme des Tiefenmaßes die Hügelober- fläche benötigt war, die selbstverständlich mit fortschreitender Arbeit ver- schwindet. Das Situsbild konnte daher erst zu Hause nach dem Grund- riß und den bei aller Fülle doch manchmal unzureichenden Maßen gewonnen werden. Allenfallsige Zweifel ließen sich also nicht gleich an Ort und Stelle an Hand des Befundes beheben. Seither haben wir das Bandmaß durch eine feste, zusammenlegbare Stange ersetzt, welche bei jeder Messung mit der Wasserwage in die Ebene des Winkelbrettes, des Nullmeters, gebracht wird; jede hieran abgenommene Tiefenmessung zeigt somit den direkten Höhen- unterschied zwischen der Lagerung des Gegenstandes und dem Nullmeter an und macht unabhängig von der Hügeloberfläche, welche daher auch schichten- weise abgetragen werden kann. Doch bedingt beinahe jeder Hügel Modifi- kationen der Grabungsmethode. Dieses unser verbessertes Grabungssystem samt der vorgedruckten Hilfsformulare hat auch das Kgl. Generalkonservatorium sich zu eigen gemacht und es würde dem Dahingegangenen sicher eine große Genugtuung sein, wenn er hätte erleben dürfen, daß seine ,,Cohausensche Methode" zu solchen Ehren gelangt ist. Der beendeten Grabung folgte zu Hause die mühselige Bearbeitung des gewonnenen Materiales, das Reinigen der oft umfangreichen Scherbenmassen und ihre Wiederherstellung zu Gefäßen, eine Arbeit, an der die gesamte Familie teilnahm; dann die Anfertigung des Protokolles mit Profilen und Grundrissen, mit den Zeichnungen der Gefäße und ihrer abgerollten Ornamente. Den Abschluß bildeten Vorträge in der Muttergesellschaft, welche die Funde entgegennahmt und in der Sektion, wobei es oft zu lebhaftem und anregendem Meinungsaustausch kam, bei dem Wunder, wenn es galt, seinen Mann zu stehen wußte. Als Pfleger der prähistorischen Sammlung hatte er die Funde auch aufzustellen. Das war in dem raumbeschränkten alten Haus der Schild- gasse manchmal schwieriger noch als das Zusammensetzen der Gefäße und hielt dauernd in Aufregung. Denn war wirklich ein Platz gefunden, dann stach der dem Pfleger einer anderen Abteilung so lange in die Augen, bis es zu Auseinandersetzungen kam und nicht selten mußte Wunder mit den Töpfen, die bei Vielen so gar nichts Naturhistorisches an sich hatten, wandern, bis er endlich in einem kellerartigen Gewölbe im Hinterhause landete, das zwar nur ein Hohn auf einen Sammlungsraum war, das ihm aber vollkommen feuersicher schien. Es wäre zur Not auch bombensicher gewesen, wenn man sich damals schon und in der glücklichen Friedenszeit Schutz vor feindlichen Fliegern hätte denken können. In langen Jahren hat J. Wunder der Naturhistorischen Gesellschaft eine umfangreiche prähistorische Sammlung in selbstlosester Aufopferung er- arbeitet, was um so höher einzuschätzen ist, als die kleinlichen Verhältnisse von früher jeder werktätigen Arbeit abhold waren und Gesellschaft wie Sektion stets mit finanziellen Schwierigkeiten rechnen mußten; sich regen bringt zwar Segen, kostet aber immer auch einiges Geld. 50 Von 1896 bis 1897 leitete J. Wunder als Obmann die Geschäfte der Anthropologischen Sektion, wofür seine mit der Prähistorie verwachsene mar- kante Persönlichkeit wohl geeignet war, doch bildete es mehr eine Last für ihn als ein Vergnügen. Seine ganze Arbeitskraft gehörte der Tätigkeit im Feld und jahraus, jahrein durchzog er, das Urbild eines Lokalforschers, in freien Stunden die Gegend, inventarisierte Hügelgruppen und Verschanzungen, suchte neue zu finden und fruchtbringende Beziehungen mit den Besitzern anzuknüpfen, die ihm bei seinem liebenswürdig-bescheidenen Wesen gerne Entgegenkommen bewiesen. Mehr als in der Stadt haben seine Verbindungen auf dem Lande die prähistorischen Bestrebungen volkstümlich gemacht. Sektion und Gesellschaft waren ihm gleicherweise zu Dank verpflichtet und ernannten ihn daher auch zum Ehrenmitglied; sein Andenken ist für immer mit unserer prähistorischen Sammlung eng verknüpft. ^ Veröffentlicht hat er wenig und nur in den Abhandlungen der Naturhistorischen Gesellschaft (XI. Band). Mit seinem Wegzug von Nürnberg endete auch seine Tätigkeit auf dem Gebiete der Vorgeschichte. Als Fabrikdirektor in Niederösterreich beschloß er 1910 sein arbeitsreiches Leben im Alter von 73 Jahren. Hügel XII; 6908. Ausgrabungvom 17. bis 19. April 1905. Mit Tafel XXI 1. Auszug aus Wunders Protokoll. ,,Die Hügel der Eichenloh haben fast alle in der Mitte oben Vertiefungen; das kommt meistens daher, daß die Besitzer Steine zum Wegebau heraus- holen, wobei dann freilich auch manchmal Scherben und Bronzen mit heraus- kommen. Nur in seltenen Fällen wurde ein Hügel der Bronzen wegen an- gegraben, so Hügel XVII von einem früheren Bahnexpeditor. Auch unser Hügel XII hatte oben eine Vertiefung vom Steinherausholen. Man mußte daher das Winkelbrett, damit es auf die höchste Höhe des Hügels kam, etwas außerhalb der Mitte setzen, die ungefähr bei 240" war, 180 cm von der Mitte des Winkelbretts." Grab bau. ,,Der Durchmesser des Hügels betrug ungefähr 12,3 m, die Höhe über der Bodenfläche ungefähr 1 m. Auf der südwestlichen Seite von 196" bis 238", 7,5 bis 8,2 m von der Brettmitte, 1,4 unter dem höchsten Punkt waren Steine, teils nach dem Umfange gestellt, teils liegend, wie ein Steinkranz; er setzte sich aber nicht weiter fort." Nach dem Wunder 'sehen Profil lagen die wenigen Steine in und unter der Grabessohle Brandschicht. ,,Bei 148", 6,2 m vom Brett, 0,4 m tief unter der Oberfläche war ein Brandplatz mit Holzkohlen, etwa 0,5 m breit allseitig von Lehm umgeben." An anderen Stellen Kohle in kleinen Stückchen. Eine durchgehende Brandschicht war nicht vorhanden, insbesondere nicht in der etwa 0,5 m unter der Oberfläche des umgebenden Waldbodens liegenden Grabessohle. 51 Leichen. Menschliche Skelettreste fanden sich im Südwestteil des Hügels; sie tragen die Nummern 2, 6, 11, 12 und lagen in verschiedenen Tiefen zwischen 30 bis 80 Centim. unter der Hügeloberfläche. „Es wurde über den Knochen sorgfältig abgedeckt, aber nur durcheinander geworfene Knochen gefunden." Den spärlichen Resten nach kann es sich um nur eine bestattete Leiche gehandelt haben. Kalzinierte Knochen gibt Wunder an bei 4 mit Kohlenteilchen 110 cm unter der Oberfläche des Hügels, bei 8/9 und 13 zusammen mit Scherben, bezw. mit Gefäßen. Er pflegte die kalzinierten Knochen, wenn sie vereinzelt vorkamen, gleichfalls zu numerieren und auf- zubewahren. Es sind aber trotz der vier Fundstellen nur etliche 4 oder 5 Stückchen insgesamt vorhanden. Metall- und sonstige Funde: keine. 16 ;i8 * MiHc d Mcssbreitcs &908 0906 5kflctt eingezeichnet nacl\ dea KnocViennieif^en des ProtoKolIcs Keramik. Die Scherbenfunde Nr. 1, 3, 7, 10, weit verstreut, sind nur vereinzelte kleine Streuscherben und bleiben somit außer Betracht. Keramisches Material, welches als Bestandteil der Aufbahrung zu betrachten ist, bilden die No. 5, 8/9, 11 — 19. Sie sind im folgenden 'nach dem Protokoll und mit ergänzender Beschreibung nach dem vorhandenen Material aufgezählt. 52 " Nr. Grad Tiefe unter der Oberfläche Entfernung 5 234 0,3 2,8 m Einziges Bruch- stück eines großen Gefäßes, fast 1 cm dick- wandig, dunkel- farbig mit ge- rauhter Ober- fläche, nicht graphitiert, hart und scharf ge- brannt, mit Re- liefornament am Hals s. nebenste- hend. Einige un- bedeutende an- dere Scherbohen. 8/9 236 — 243 1,0 2,8 — 2,95 m Scherben mit einem kleinen kalzinierten Knochen; das wiederhergestellte Gefäß siehe Tafel XXII Abb. 44, stark ergänzt. Dickwandig, dunkeltonig, außen graphitiert, rundlicher Stand ohne abgesetzten Boden. Durchm. 25 cm, Randdurchm. 21 cm, Höhe 13 cm; etwa achtmal je 2 Teilen dicht unter dem Steilrand. Ein dabei gefundener kleiner Henkel hat wohl dazu gehört. — Einige Scherben, welche zu Nr. 13 passen. 2,75 m Sechs Scherbchen, eines mit viel Glimmer; ein anderes mit eingepreßten, weißeingelassenen Punkt- reihen wie V. Seh. Tafel XIV Abb. 23. 2,5 m Scherben verschiedener Gefäße, im ganzen wenig, ein hellfarbiger, ein dunkeltoniger und ein desgl. mit eingepreßten weißeingelassenen Punktreihen wie 11; dazu einige Scherben passend zu 13 und 19. ,05 1,05 m Scherben mit einem kleinen kalzinierten Knochen; aus den Scherben konnte eine Schale, die zu ^ 3 ergänzt ist, wiederhergestellt werden s. Tafel XXII Abb. 44; dunkeltonig, innen graphitiert; Durchm. 17'/2 cm, Höhe 5 cm. Da2u paßten Scherben von 8/9. Einige Scherben einer großen dunkelfarbigen Schale mit Rasterlinien-Ornament; einige Scherben passend zu 12. 14 265 0,9 2,6 m Scherben von drei roten Gefäßen: eine Fußschale mit lebhaft rotem Ton überfangen , starkwandig, Fuß massiv, 5V2 cm hoch , Standfläche 8 cm Durchm. etwas nach oben gewölbt ; Gesamthöhe 972 cm, Schalendurchm. 15 cm, nicht ornamentiert, s. Tafel XXll Abb. 44. — Topf von gleicher Farbe mit Omphalos, Durchm. 14 bezw. 16 cm, Höhe 8 cm, s. ebenda, — einige Scherbchen einer kleinen roten, dünnwandigen Tasse, s. auch 19 e. 11 12 13 260 246 243 0,8 0,8 53 Tiefe unter Nr. 15 Grad 249 der Oberfläche 0,9 m 16-19 von 212 0,85 bis bis 281 1,3 m Entfernung 2,3 m 1,3 bis 1,7 m Schöpftasse aus rotem Ton, außen etwas gra- phitiert, graphit-gestrichener Rand? Durchm. 10 cm, Randd. 9 cm, Bodend. 3 cm, Höhe 5V2 cm Tafel XXII Abb. 44. Scherben verschiedener Gefäße, die roten lagen obenauf, die schwarzen darunter, nicht wiederher- stellbar : a) eine große rote Stufenschüssel, Bodend: 9 cm, dickwandig, mit Graphit ornamentiert. Zeich- nung nach J. Wunder; s. Text-Abb. bei 5. b) großes Gefäß mit konischem Hals (Tonkessel) s. Tafel XXII Abb. 44, Zeichnung nach J. Wunder. c) halbe Schüssel mit viel Ergänzung, rötlich- braun, dickwandig, innen und außen graphi- tiert ; innenseitig Rasterlinien erkennbar ; s. Tafel XXII Abb. 44. d) dunkeltonige Scherben von drei oder viererlei Gefäßen, nichts davon wiederherstellbar. Da- zu passend einige Scherben von 12. e) Scherben eines kleinen, dünnwandigen roten Täßchens, nicht wiederherstellbar. Ungeachtet der verhältnismäßig wenigen Kohlen und Brandflecken nimmt Wunder an, daß außer der Leichenbestattung auch Leichenbrand stattgefunden habe. ,,Die sehr vielen Gefäße und Urnen in der Tiefe im Bereiche des Leichenbrandes lassen darauf schließen, daß sehr viele Leichen verbrannt worden sind. Trotzdem sind nur ganz wenige kalzinierte Knöchelchen übrig geblieben". Die an vier weit auseinander liegenden Stellen gefundenen weiß- gebrannten Knöchelchen erlauben jedoch keinen so weitgehenden Schluß; man kann daraus nicht einmal auf eine verbrannte Leiche mit Sicherheit schließen. Es könnte sich möglicherweise auch um Reste verbrannter Fleischstücke von Tieren handeln, um so eher, als irgendwelche Fleischbeigaben in Knochenresten nicht gefunden wurden. Mit Sicherheit handelt es sich also um nur eine Bestattung, aber es kann sein, daß auch eine Brandleiche beigesetzt war.- Nach der W u n d er 'sehen Auffassung gehören die Leichenbrände einer früheren Zeit, die Skeletteile einer Nachbestattung an. Da leider keinerlei Situsbild existiert und bei dem früheren Grabungsverfahren auch keines genommen werden konnte, so kommt es nur darauf an, ob man Gefäße und Leiche als zusammengehörig oder als einander fremd betrachtet. Merkmale der Aufbahrung und Ausstattung der Leiche, wie sie nach den gegebenen Maßen der Knochenreste von mir in das Wunder' sehe Profil eingezeichnet werden konnten, scheinen mir eine Nachbestattung 54 vollständig auszuschließen. Die tieferen Skeletteile lagen nicht erheblich höher als die Gefäße; was weiter oben lag, war bei einer früheren Zerstörung des Hügels dahin gelangt. Alles spricht dafür, daß die Leiche wie üblich über Gefäßen und neben Gefäßgruppen, welche zum Leichenbegängnis ge- hörten, beigesetzt worden ist. Es müßte doch ein eigentümlicher Zufall ge- wesen sein, wenn eine spätere Nachbestattung in dem 13 Meter großen, sonst leeren Hügel gerade die Ruhestätte eines vorausgegangenen Toten so belegt und ihre Gefäße so unter die seinen gemischt hätte, daß alles zusammen als ein Begräbnis erscheint. Hügel XIV; 6909. Den nächsten, nahezu holzfreien Hügel überließ der Besitzer Herr Fahrer von Unterrüsselbach in dankenswerter Weise zur Ausgrabung. ,,Es war von drei auf der südwestlichen Seite der Gruppe nebeneinander gelegenen Hügeln der mittelste. Eine geometrische Markung auf dem Hügel mußte geschont werden. Auch dieser Hügel hatte ein angegrabenes Loch und die herausgenommenen Steine lagen noch neben daran". Grab bau. ,,Der Hügel hatte ca. 9 m Durchmesser und im Westen 0,55 m Höhe. Er wurde wieder nach Cohausen abgegraben in vertikalen Abstichen von außen nach innen und die Lage der Funde nach der Ent- fernung von der Mitte, dem Winkel mit der Nordrichtung und der Tiefe unter der Hügeloberfläche bestimmt." Steine verzeichnet Wunder im Proto- koll und gibt sie auch im Grundriß an, s. diesen. Es ist daraus ersichtlich, daß es sich nicht um einen richtigen Steinbau handeln kann. Die Zerstörung wird hieran nicht die alleinige Ursache gewesen sein, es waren eben von An- fang an nur hingewälzte oder hineingepflanzte Steine, nicht aber die sonst übliche Steinsetzung vorhanden. Die Grabessohle lag ca. 35 cm unter dem gewachsenen Boden und es steckten nach dem Wunder 'sehen Profil einzelne Steine darin. Brandschicht. Hierüber sagt W u n d e r : ,,Die Brandschichten waren nicht so stark wie in Hügel XII". Da dort nur einzelne Brandflecke angetroffen wurden, so ist auch hier das Vorhandensein einer durchgehenden Brandschicht zu verneinen. Leichen. Ausdrücklich betont Wunder, daß nur wenige Knochen zerstreut im Hügel gefunden wurden; kalzinierte Knochen fehlten vollständig, es kann sich also in diesem Hügel sicherlich nur um Bestattung gehandelt haben. Metall- und andere Funde. Bei 260«, 50 cm von der Mitte, 75 cm tief eine Armspange von Bronze 8, massiv, mit schöner, ins Dunkelgrüne fallender Patina, geöffnet, mit kräftig -klobigen Enden, 6V2 x5 cm lichter Weite, an der Außenseite ge- 55 riefelt mit abwechselnd breiten und schmalen stark erhobenen Wülsten. Die Innenseite ist glatt. Von sonstigen Funden nichts. 3WJ Joo° Crundrii,!? A- nach Just Wunder 290? 270'? West • 8 jkelftt ein^pzeichnet nach finfm 7v\a>»-kstfi Knochenmafi (l?s PcotoKollei oücl 120° <90° ,80° <7o bQoc^ Profil zwischen 212 u 25° Keramik. Große Stücke dickwandiger, bauchiger Gefäße (Tonkessel), viele Scherben fast bei jeder Fundnummer, trotzdem Wiederherstellungen nur zum kleinen Teil möglich, da das meiste durch vorausgegangene Grabungen oder Rodungen zerstört und vertragen war. Einige kleine Unstimmigkeiten in den Scherbennummern mögen daher rühren, daß Wunder selbst nicht mehr Gelegenheit hatte zur Ordnung und Durchsicht des Materiales. 56 Nr. Grad Tiefe unter der Oberfläche 0,7 m Entfernung von der Mitte 1,4 m 144 0,7 m 1,4 m Scherben; — ' großes, schwarzes Gefäß mit konischem Hals, Tonkessel, runde Eindrücke am Rücken; dickwandig, rauh, ohne Zeichen von Graphit; große Stücke vorhanden, aber Form unklar; s. Tafel XXII Abb. 45 nach der Zeichnung Wunders; hiervon Scherben auch bei 3 '. — ^ Henkeltopf (Henkel abgebrochen und fehlend) ; rotbraun, stark ergänzt. Durchm. 14, Rand- durchm. IG'., cm, Bodendurchm. SU cm, Höhe 9 cm, s. Tafel XXII Abb. 45. 41 0,75 m 1,3 m Scherben verschiedener Gefäße: — 1 schwarzer, dickbauchiger Ton kes sei mit abge- schrägtem Konushals; Form unkenntlich, [nicht abgebildet. — ^schwarze, innen graphitierte Schüssel, oben und am Bauch 29 cm weit; dazu passend auch Scherben von 3. " .^^g?-- Textabb. nach der Zeichnung Wunders. - -'• Seh üsse I ; untere Hälfte fehlt, Oberteil stark ergänzt; dunkeltonig, ohne Graphit. Am Rand sattelförmiger Ansatz in Form einer verkümmerten Ansa lunata, Wolfszahn-Ornament mit Schach- brettmuster und Strichreihen in Rädchen-Punk- tierung gefüllt; an der Spitze unten jeweils fünf kleine eingestochene Tupfen. Durchm. 23 cm, s. Tafel XXII Abb. 45. — 5 Fragment einer kleinen, schwarzgraphitierten Schöpf- -jteiii-jjpii^^ t a s s e ; Räd- chen-punk- 'Sj^s^-ein pi toi- a r t i g e s Gefäß, schwarz- grau, dick- wandig, nach un- ten ge- rauhte Ober- fläche, ge- gen den Hals zu glatt; ...-;;;;;;::;;:;:■;;■; .:>\ &^^^ ^^^>y . f^- wm ^^^w / \ / <\ / obere Weite 33 cm, Bauchweite 44 cm, s. Zeich- nung. — --* eine Anzahl unbedeutender Scherbchen. — ä große Schale oder Seh üs se 1 mit abgesetztem Rand, zur Hälfte wiederhergestellt ; rotbraun, stark - wandig, innen gra- phitiert, Durchm. 30 cm, Bodend. 1 1 cm, Höhe 6 'i cm; mit Sonnenornament in Rasterlinien (wenig sichtbar), s. Textabb. nach Zeich- nung Wunder's. :^^<^. 125 0,8 m 0,9 m Gqoq „Scherben eines großen bemalten Konushals-Gefäßes, Tonkessel. Die Bemalung ist weiß, größtenteils abgescheuert und scheint Ölfarbe gewesen zu sein"; Tafel XXII Abb. 45 Mitte nach der Zeichnung Wunders. Daneben links dasselbe Ge- fäß, zum Teil wiederhergestellt; das Ornament ist hier nicht sichtbar, wohl aber auf Scherben, die nicht unterzubringen waren. Graphitiert. Durchm. 45 cm, Randd. 31 V^ cm, Bodend. 13 cm, Höhe 40 cm. 58 Bemerkungen. Wunder hebt hervor, daß von menschlichen Resten nur wenige Knochen gefunden wurden, sagt dann aber weiterhin: ,,Die vielen Gefäße, mehr als 22, lassen vermuten, daß auch viele Bestattungen stattgefunden haben, die Knochen sind eben durch Verwitterung zerstört". Diese Bemerkung wird verständlich, wenn man den Standpunkt Wunders über die Bedeutung der nordbayerischen Hügelgräber würdigt. Die Erfahrung, daß in einem Hügel zuweilen eine größere Anzahl Skelette und Leichenbrand gefunden wurden, die zeitlich nicht zusammen gehören (Mühlanger, Labersricht) hatten Just, und L. Wunder zu der Überzeugung geführt, ,,daß jeder Hügel als ein ganzer Friedhof zu betrachten sei, der eine lange Zeit hindurch mit Leichen beschickt worden sein müsse. Später habe ich die Vermutung geäußert, daß gerade durch die langandauernde Beschickung mit Leichen die Hügel aus kleinen Anfängen emporgewachsen seien" '). Was an diesen Annahmen richtig ist, darf indessen nicht verallgemeinert werden und deshalb ist die Bezeichnung eines Hügels als Friedhof schlechtweg irreführend. Die mehrmalige Beschickung zu verschiedenen Zeiten und die dadurch bedingte Vergrößerung läßt hie und da den Vergleich mit einem Friedhof symbolisch zu ; weiter geht die Ähnlich- keit aber nicht. Der oben erwähnten Vermutung Wunders, daß in Hügel 6909 auch viele Bestattungen stattgefunden haben, liegt eine Verallgemeinerung und der Sinn zu Grunde, den man hinter dem Namen Friedhof sucht; deshalb ver- mutet er mehr Leichen als er in dem Hügel angetroffen hat, um so mehr, als er nach der früheren Vermessungs- und Grabungsweise den Hügelinhalt an Ort und Stelle nicht frei überblicken konnte. Offensichtlich ist durch frühere Zer- störungen manches verloren gegangen; das beweisen die fehlenden Knochen und das lückenhafte Scherbenmaterial. Viele Gefäße dem Toten mitzu- geben war Hallstattsitte; an der Wunder'schen Zahl von über 22 Gefäßen sind jedoch die Streuscherben, die er unstatthafter Weise als ganze Gefäße zählt, abzurechnen. Die große Anzahl verringert sich daher ganz bedeutend und braucht zu ihrer Erklärung keine Mehrzahl von Bestattungen. Der Bronzering zeigt die Formen einer älteren Stufe; er gehört, wie auch Wunder richtig sagt, der älteren Hallstattzeit an, entspricht vielleicht zeitlich der bei uns in Gefäßformen nicht vertretenen Stufe B (vergleiche die plätenicer Ringtypen bei Pic, die Urnengräber Böhmens Tafel XXXI 9, 10, 15; XXXIl 8, 12, welche zeitlich leider recht unbestimmt gelassen sind). Den von Wunder gezeichneten Grundriß habe ich durch ein Skelett nach seinen Knochenmaßen ergänzt; danach hätte der Ring am linken Arm der Leiche gelegen. Die Aufbahrung über und mit Gefäßen, zur rechten Hand Gefäß- gruppen mit Tonkesseln und Schöpftassen, entspricht unserer Hallstattstufe C. Der Ring läßt diese Bestattungsform älter erscheinen, so daß sie etwa ins 1) Ldg. Wunder, Studien im vorgesch. Bayern; Ztschr. f. Ethnol. 1903 S. 143. 59 9. Jahrh. v. Chr., an das Ende von B oder den Anfang von C gerückt werden müßte, wenn man für die Datierung die Zeit annehmen wollte, zu welcher der Ring gefertigt sein kann. Hügel 7759. Ausgrabung vom 16. und 17. März 1912. Mit Tafel XXI II. Gegen Igensdorf zu grenzt an das Eichenloh im Westen eine Wiese, auf welcher ein zerstörtes Hügelgrab der gleichen Nekropole sich befand. Der Eigentümer wollte die Steine entfernen und es ergab sich daraus eine zweitägige, von dem Schreiber dieses geleitete Grabung. Vorsichtig wurden die durcheinander geworfenen Steine und alles, was zerstört war, entfernt. Die Anzeichen sprachen dafür, daß der Hügel mit Steinen überdeckt war, s. Tafel XXIII Abb. 47. Die Störungen gingen durch den ganzen Hügel bis zur Grabessohle, welche um beiläufig 35 — 40 cm tiefer lag als der umgebende Boden und nach der Abdeckung frei von Steinen war. Dabei fanden sich Knochen, eine Schädeldecke und die Metallsachen Tafel XXIII Abb. 46. Was am Grund des Hügels angetroffen wurde, zeigt die Tafel XXI II Abb. 48, alles unberührt, so wie die Aufdeckung es freilegte. Die Erde um die Scherben herum ist etwas abgestochen, damit ihre Lagerung auf der Photographie kennbar ist. Der Boden war gegen den Vordergrund, also nach Süden, geneigt, aber auch außerdem nicht völlig eben, sondern an manchen Stellen mehr als 20 cm höher als an anderen. Trotz dieser Un- ebenheiten ist das Scherbenlager unverkennbar ebenerdig ausgebreitet ; kleine Höhenunterschiede, so lange sie den Charakter der Bestattungsweise nicht be- rühren, dürfen unberücksichtigt bleiben. Hinter den Scherben im Mittelgrunde lagen an sekundärer Lagerstätte eine zweite Schädeldecke und noch etliche Knochen. Die meisten Teile der Grabessohle waren zerstört. An einigen Stellen zeigten sich Kohlenflecke; eine durchgehende Brandschicht war hier ebenso wenig, wie in den von Wunder ausgegrabenen Hügeln 6908 und 6909 vorhanden. In der Mitte, unter dem Meßklotz am Boden ausgestreut fanden sich weißgebrannte Knochen. Einige Stückchen derselben sind blaugefärbt, wahrscheinlich von phosphorsaurem Eisenoxyd, eine Vivianitbildung, welche verursacht sein dürfte durch die Ver- gesellschaftung der Knochenteilchen mit Eisen ; es ist in dem hier anstehenden Opalinuston vielfach in eisenschüssigen Schalen und Trümmergestein natürlich vorhanden. Die Grabessohle war frei von Steinen. Aus den Scherben ließ sich nichts wiederherstellen, selbst die Gefäß- formen sind unkennbar; außerdem ist das Material zum Teil so ungenügend gebrannt, daß es beim Waschen zerfällt. Es handelt sich um die üblichen dickbauchigen großen Tonkessel, Schöpftassen, Schalen, Schüsseln. Ornamente sind nicht erkennbar. 60 Der Boden des Hügels war stellenweise mit kleinsten Bronze- resten durchsetzt, Bronzenieten (^ fe', wie sie bei dem Lederschmuck und auf den Holzstangen des Gais- heimer Fürstengrabes (Festschrift 1913 Tafel XXXI 11 Nr. 19, 20, 44) verwendet sind. Da sie häufig und immer in Massen vorkommen (Gaisheimer Fürstengrab, Reitergrab im Hirgast bei Thalmässing), so dürfte ihre Herstellung irgendwo in unseren Landen fabrikmäßig betrieben worden sein. Sie treten zumeist in Verbindung mit Klapperschmuck auf, wie die Bronzezierate Nr. 31, 32 und die Eisenklappern Nr. 31a auf Tafel XXXIl der Festschrift von 1913. In dem hier besprochenen Hügel 7759 bildeten sie augenscheinlich den Besatz oder das Ornament einer Decke, deren Spuren stellenweise den Lehm wie ein Pilzgeflecht über- ziehen, das aber leider noch nicht näher untersucht werden konnte. Einigen Stellen, wo Bruchteile der Decke im Lehm auf den Kopf gestellt sind, darf man vielleicht entnehmen, daß Vorder- und Rückseite beiderseitig das gleiche Muster aufwies, s. Tafel XXII I Abb. 46, das aber nicht mehr kenntlich ist. Die Reste wurden zusamt den Lehmknollen herausgenommen. Eisen- teile, b c d und einige andere, fanden sich ebenfalls dabei, Ringbruchstücke, Gestänge und Bruchteile von Klappern, ähnlich den erwähnten Nr. 31a von Gaisheim, Festschrift Tafel XXXI 1. Zwei Bronzehohlknöpfe, deren einer ab- gebildet s. Tafel XXIII Abb. 46, 25 mm Durchm. bei 12 mm Höhe sind gleicher Art und Größe wie die des benachbarten Walkersbrunn, veröffent- licht in der Festschrift 1901 von L. Wunder, Tafel X unter Nr.' 7. Der Hügel gehört seinem ganzen Inhalt nach der HallstattstufeC an; die Bestattungsform war der Störungen wegen nicht in allen Einzelheiten festzustellen, entspricht aber der für den mittleren Abschnitt dieser Kultur- epoche ermittelten Entwicklungsstufe des religiösen, alteingesessenen Zere- moniells. Ethnographie und Ritus der Hügel 7364, 6908, 6909 und 7759. Die drei Hügel der Eichenloher Nekropole und der des Beckenholzes 7364 weisen so viele gleiche Züge auf, daß sie als kulturell zusammengehörig zu bezeichnen sind und gemeinsam auf ihre Riten untersucht werden können. Der Grabbau war bei dreien der Hügel nachlässig und dürftig, aus verhältnismäßig wenigen, ungleich verteilten Steinen gebildet, ohne Anzeichen irgendwelcher architektonischer Absichten, wie Deckenschutz, Gewölbe, Stein- kranz oder -ring; Hügel 7759 hatte jedoch mehr Steine und schien ganz ein- gedeckt gewesen zu sein. Die bei den Igensdorfer Hügeln konstatierbaren einzelnen Steine am Außenrand (von denen übrigens ungewiß ist, ob sie Be- deutung haben oder nicht) fehlten allen vier Hügeln. Ebenso das ,, Bauopfer" an der Hügelperipherie. Wenn ich unter den von mir ausgegrabenen Hügeln nach Ähnlichkeiten Umschau halte, so ergibt sich der Vergleich mit Hügel 61- 7167 in der Bettelleite bei Holnstein Bez. -Amt Sulzbach i/0., Entfernung beiläufig 35 Kilometer in der Luftlinie. Er gehört der Hallstattstufe A, bezw. dem Anfang von B an. Die Brandschichten. Während in den Hügeln der Igensdorfer Nekropole durchgehende Brandschichten angetroffen wurden, fehlen sie den vier Hügeln. Es ist nur einzelner Brandflecke zu gedenken. Auch dies haben sie mit dem Hügel 7167 in der Bettelleite überein, aber auch mit solchen jüngerer Zeit und dem religiösen Latene-Zeremoniell, bei welchem die Sitte schwankend zu sein scheint >). Der Schluß liegt nahe, daß datin Willkür herrschte; immerhin haben drei der Hügel in der Kammerloh Brandschichten, diese vier aber nicht, folglich lassen sich doch gemeinsame Gepflogenheiten unterscheiden. Die Grabessohle liegt zumeist etwas tiefer als der umgebende, natürlich anstehende Boden. V/enn es aber bis zu einem halben Meter und mehr beträgt, kann man von einer unterirdischen Grabanlage reden. Liegt zudem der Steinbau in die Grabessohle miteingebettet und sind die Gefäße zwischen Steine gestellt, wie bei zweien der Hügel hier, so ergeben sich Vergleiche mit den Urnenfeldern: Henfenfeld 7468 Bronzezeit D (unver- öffentlicht), Altensittenbach 7042 (unveröffentlicht) und Mühlanger 7056 Hall- statt A-); ferner mit dem Hügelgrab der Bettelleite 7167 Hallstatt A—B. Ob darin alte Überlieferungen nachklingen oder Zufall und Willkür walten, ist noch ungewiß; die Untergrundverhältnisse können dafür wohl nicht be- stimmend sein. Unterirdische Grabanlagen waren auch Oberreinbach 7317 Hallstatt C Festschrift 1913 S. 125; Beckenholz 7364 Hallstatt D S. 35 dieser Berichte; aber bei beiden lagen die Steine oberhalb der Grabessohle und nicht darin eingebettet. Die Leichen. Beerdigung und Leichenbrand, einzelne und mehrfache, gleichzeitige und spätere Nachbestattungen in demselben Hügel kommen vor ohne Rücksicht auf die eine oder andere Religionsübung. Hügel 6909 war von nur einem beerdigten Toten bewohnt; den Hügel 6908 teilte der Be- erdigte möglicherweise mit einer Brandleiche. 7759 barg zwei Bestattete; ob auch eine Brandleiche ist zweifelhaft. Die häufig und auch bei diesem vorgefundenen weißgebrannten Knochen sind nur dann als Leichenreste zu betrachten, wenn sie die Form einer regelrechten Beisetzung haben; andern- falls sind es wahrscheinlicher Reste von Tieropfern oder Teilbestattungen verbrannter Gliedmaßen von Toten. Was bei 7759 zutreffend ist. konnte der Zerstörung wegen nicht festgestellt werden. Die Metall- und anderen Funde geben keinen Anlaß zu ethno- graphischen Beobachtungen und typologisch sind sie schon gewürdigt. 1) Hallstatt D durchgehende starke Brandschicht Hügel 7333 in der Hagenreuth bei Creußen Festschrift 1913 S. 136; schütter aufgestreute Kohlen Hügel 7971 Schönberg bei Lauf S. 66 dieses Berichtes, gleichfalls Hallstatt D; Brandflecken ohne Brandschicht wie in der Eichenloh Hügel 7374 Stadelleite, Festschrift 1913 S. 129 Latene A. 2) In Norddeutschland reichen die Urnenfelder bis in die Latenezeit. 4 62 Das keramische Material. Die drei Hügel zeigten in den frischen Bruchrändern des Scherbenmaterials deutlich, daß sie späte Störungen und ihr Inhalt empfindliche Verluste erlitten hatten. Der Anblick der wiederhergestellten Gefäße gibt denn auch kein richtiges, sondern ein Zerrbild von Grabausstattungen. Bei alledem steht jedoch fest, daß sich das Inventar in jedem Hügel landläufigem Hallstattritus gemäß aus Schüsseln, Schalen und dickbauchigen Tonkesseln (Konushals-Urnen) mit Schöpfbecliern (Weiheschalen) zusammensetzte, wozu in einem Fall die für unsere Typologie fremde rote Trinkschale mit Fuß Tafel XXI 1 Abb. i 44 als Vervollständigung der Abteilung Gefäße für Flüssigkeiten hinzukam. Wenn die gegebenen Maße für die Knochen bei 6908 die ursprüngliche Lagerung anzeigen, dann war die Schüssel 8'9 unter dem Ober- körper der Leiche postiert, was völlig dem bei 7704 angetroffenen Brauch entspricht, aber auch schon in früher Hallstattzeit üblich war, s. Grundriß und Profil der Bettelleite 7167 S. 122 der Festschrift 1913. Abseits der Leiche standen in beiden Hügeln die Tonkessel mit den Schöpftassen, was wiederum typisch ist, besonders wenn sie rechts postiert waren. Im allge- meinen sind also die Bedingungen gegeben, welche der Hallstatt C-Ritus ver- langt. Es herrscht aber der Eindruck vor, daß er nicht der Aufmachung entspricht, welche der Typus Oberreinbach 7317 — Igensdorf 7704 mit dem abseits stehenden Büffet fordert, denn nach den Wunder'schen Maßen und dem Querschnitt standen die Gefäße der Hügel 6908 und 6909 in ver- schiedenen Höhen. Mangels photographischer Belege ist darüber eine Ge- wißheit nicht mehr zu erlangen, was sehr bedauerlich ist, denn die daraus zu ziehenden Schlüsse wären chronologisch bedeutsam. Die Verhältnisse in Hügel 7759 waren zu sehr verwischt, als daß sie mehr als das Vorhanden- sein einer Hallstatt C-Ausstattung hätten konstatieren lassen. Ähnlichkeiten mit dem Althallstatttypus Bettelleite 7 1 67 sind demnach vorhanden: a) zum Teil in der Steinlagerung in oder noch unter der Grabessohle, 6908, 6909; b) im Fehlen der durchgehenden Brandschicht bei allen; c) im Fehlen eines ,, Bauopfers" bei allen; d) im Tieferliegen der Grabessohle bei allen; e) zum Teil in der Beisetzung der kalzinierten Knochen in einer Urne 6908 13 (?); 7364 14a, 15; f) zum Teil in der Anordnung der Gefäße, 6908, 6909. Dieser Punkt wäre der wichtigste, ist aber nicht völlig aufgehellt. Übereinstimmung mit dem Hallstatt C-Typus Oberrein- bach-lgensdorf sind vorhanden: g) in der Auswahl, Art und Zahl der Geschirre bei allen; h) zum Teil in ihrer Anordnung um die Leiche. 63 bei Hügel 7759 außerdem noch: i) in den am Boden ausgestreuten kalzinierten Knochen, welche mög- licherweise von Leichenbrand herrühren; und bei 7364, 7759: k) in der Steinüberdeckung, welche die Grabessohle frei läßt. Für den Ritus ist der Umfang und die Mannigfaltigkeit der Wegzehrung ein entscheidendes Kennzeichen; weil sich das aber naturgemäß nicht mehr an den Naturalien, sondern lediglich an der Art, Zahl und Verteilung der Geschirre ablesen läßt, so bestimmt sich danach die Eigenart des Ritus. Art und Zahl der Geschirre aller vier Hügel gehören nach Punkt f, g und h der Hallstatt C an; es handelt sich also um Begräbnisse dieser Stufe. Die übrigen Punkte sind Feststellungen vielleicht von untergeordneter Art, es läßt sich für jetzt noch nicht einmal sagen, ob ihnen mit Recht ein Gewicht " beizulegen ist. Soweit bei einer solchen Voraussetzung von Folgerungen die Rede sein kann, lassen sie sich dahin zusammenfassen: Die unterirdische Grabanlage Punkt d) kennen von der jüngsten Bronze- bis zum Ende der mittleren Hallstattzeit alle Stufen, dann scheint sie zu ver- schwinden. Das läßt auf einen gewissen Zusammenhang, auf ein Nach- und Ausleben alter Sitte schließen. Als ein Merkmal alten Charakters wenigstens bei uns erscheint auch e), die Beisetzung der Brandleiche in einer Urne, während ihre Ausstreuung unter i) dem typischen Ritus der mittleren Zeit von G entspricht. Als Merkmal älterer Zeit käme auch Punkt a), die einzeln in die Grabessohle gestellten oder eingebetteten Steine und dazwischen ge- stellten Gefäße in Betracht, während der die Grabessohle überdeckende Stein- bau jünger anzusetzen ist. Ob und in welcher Hinsicht die Punkte b) und c) verwertbar sind, ist zur Zeit nicht erkennbar. Ergebnis: Die topographischen und rituellen Gesichtspunkte der untergeordneten Merkmale sprechen bei den Hügeln 6908 und 6909 allesamt für die ältere Hälfte der Stufe C; damit stimmt der typologische Befund an Altsachen überein, in Hügel 6908 die rote Fußschale 14, bei 6909 der Bronzering 8. Im Hügel 7759 ist ein Typus von Beisetzungen Mitte der Stufe C wiederzufinden, worauf auch die Bronze- und Eisensachen verweisen. Bei Hügel 7364 leiten die Punkte d) und e) auf Merkmale älterer, Punkt k) und die Bronzen auf solche der jüngeren Zeit hin; die scheinbare Unstimmigkeit führt ebenso wie die Betrachtung der Keramik zu der Annahme eines längeren Nachlebens alter Sitten. Wenn die aus den untergeordneten Merkmalen gezogene Nutzanwendung auch keine volle Zuverlässigkeit garantiert und der Nachprüfung sehr bedarf — als ,, Arbeitshypothese" ist sie oben schon eingeführt — , so scheint doch soviel daraus hervorzugehen, daß eine auf breitere Basis gestellte Beobachtung 4* 64 bei Ausgrabung unserer Hügelgräber selbst dann nutzbringend ist und nicht vernachlässigt werden sollte, wenn sich der Versuch, die Einzelheiten des Ritus chronologisch zu erfassen und zu verwerten, als ein Fehlschlag er- weisen sollte. Hügel 7971 im Heiligenholz bei Schönberg, Bezirksamt Lauf. Ausgrabungvom 26. Mai bis 3. Juni 1915. Mit Tafel XXIV bis XXVIIl. Örtlickkeit: nahe der Straße Schönberg— Röthenbach im Waldrevier ,, Heiligenholz". Es soll darin spuken und es geht die Sage, es habe ein Frauenkloster da gestanden; aber nirgends hier oder benachbart irgend welche erkennbare Reste von Baulichkeiten. In einiger Entfernung noch andere und sehr große Grabhügel. Geologischer Horizont : Grenzschichten zwischen Zanklodon und Rhät im obersten Keuper. Hügelbau: Höhe rund 2 Meter, Durchmesser 16 bezw. 17 Meter; Oberfläche nur wenig verletzt. Nach Freilegung vom Unterholz schien der Hügel wie mit einer Stufe terrassiert, was sich bei der Ausgrabung als vom Steinkranz herrührend erwies. Der gewachsene Boden war eben, leicht geneigt '). Die Steinsetzung von 13, bezw. 12 Meter äußerem Durchmesser, bestand aus einem äußeren Steinkranz und einem inneren Steinkern, beide verbunden in der Weise, daß aus dem Steinkranz bei a in Nord ein Stein- feld nach Ost hervorging, sich nach Innen drehte und höhersteigend den Steinkern erklomm, s. Tafel XXV und XXVI. Innerhalb des Steinringes bildete die Steinsetzung mithin eine hochgeschraubte Spirale. Die Ostseite des Hügels war dementsprechend ausgiebig mit Steinen beschickt s. Abb. 50 und Grundriß, West- und Nordwestseite war dagegen steinfrei auf einen Abstand von rund vier Meter Weite zwischen Steinkern und -kränz W^nMbrcHmiHe m. 0.20 06o O8o! Sud 12o| <6oi 1 180 360° ' 1 ^^ ^ Nord i 0?0 60 Im 140 ^ --- KlO t«fl 180 ^ 1 ~~' ^^^^^iiU *" '"i-'r^ji mni 2- fÜli'U ^ 1 , ' _i 1) Gefälle: von Nord nach Süd etwa 70 cm, von Ost nach West rund 1 Meter auf 16 — 17 Meter Entfernung. 65 WinkcibrettmiHe OlTl . 0,2C 0,1*0- , ' o8o __; VJo'" 1,60 Nord ^i>o a=Beginn der Steinspirale; b, c=Steinhaufen ; d, e = Unterbrechung im Steinkranz; f =gestörte Stelle; g-~k = Standpunkt und Richtung der photogr. Aufnahmen. * eingemessene Punkte. Z — Z vorderer Steinrand weggenommen. s. Abb. 49 und Grundriß. In Nord fiel der Steinigem mit senkrechtem Steilrand 164 Centimeter ab; im Südwesteck waren die Steinhaufen b und c vorgelagert, halb so hoch wie der Steinkern, regel- und anscheinend zwecklos, als hätte ein Steinsturz im Hügel stattgefunden s. Abb. 51. Das könnte 66 aber nur am Ende der Leichenfeier beim Eindecken möglich gewesen sein; denn nachdem der Steinbau mit Sand überdeckt und die Hügelform her- gestellt war, konnten Teile des Steinkerns nicht mehr seitwärts fallen, ohne zugleich auch die Hügelform zu zerreißen. Alle Steinsetzungen waren nur im Grundriß regelmäßig, im Aufbau dagegen mehr hingeworfen als sorgfältig gesetzt, siehe die Abbildungen. Die Steine lagen sämtlich auf und über der Grabessohle, s. die steinfreie Sohle nach der Abgrabung Abb. 56. Der Stein kränz oder -ring, aus 20—30 cm hohen, nicht in den Boden eingelassenen Steinen errichtet, war nicht vollständig geschlossen; bei 160», bei 245" und zwischen 310" bis 330", siehe den Grundriß bei d e f, war er unterbrochen. Öffnung d, einen Meter breit, sah aus wie eine ab- sichtlich offen gelassene Türe, s. Tafel XXVII Abb. 53; es lagen zwei Steine davor, s. den Grundriß, welche auf der Photographie nicht sichtbar sind, da sie bei der Aufnahme bereits weggenommen waren. Die Öffnung e ist sicher nicht als Türe, kaum als eine Unterbrechung des Steinringes zu betrachten, es lag ein Stein darin, s. den Grundriß, und sie galt wohl auch den mit wenig Ordnungssinn arbeitenden Erbauern für geschlossen. Die Öffnung bei f mit Umgebung ist eine durch die Grabung verursachte Störung. Hier hatten die Arbeiter mit Einreißen begonnen und die Steine hin und hergeworfen; die Wiederherstellung wäre zwar möglich gewesen, aber der einmal weggenommene Stein kann nie mehr so hingelegt werden, daß er dem gewissenhaft Ausgrabenden wie vorher als unberührt erscheint. In solchem Fall ziehe ich das ehrliche gestörte Bild dem absichtlich wiederher- gestellten unehrlichen vor. Das Material zu den Steinsetzungen war Rhätsandstein, nach Meinung der Waldarbeiter, welche oft mit gleichem Gestein zu tun haben, Findlinge aus der nahen ,,Nässenau"; hie und da Stücke der harten Zanklodon-Breccie und ganz vereinzelt schalige Weißjuraplatten, sog. ,, Klingelsteine", nächstes Vorkommen am Moritzberg, Luftlinie 3 Kilometer. Füllmaterial: blaßroter, mit groben Quarzit- körnchen gemischter rhätischer Keupersand, der mehlig abfärbt. Im gewachsenen Boden des steinfreien Westteils des Hügels einige mit gleichem Sand ausgefüllte Gruben, 30 — 40 cm tief und 30 cm ". 120 cm Breite. Wahrscheinlich sind sie durch Herausnahme vor der Bestattung hier gelegener Steine entstanden und bei der Zu- richtung des Platzes für den Hügelbau wurden sie zugefüllt. Brandschicht. Im Westteil des Hügels begann schon hinter dem Steinkranz eine lockere Durchsetzung des Bodens am Hügelgrund mit Kohlen- teilchen; weiter innen lagen sie zwar dichter, es war aber nicht der Rück- stand eines Brandes, sondern über eine Fläche von rund 50 qm aufgestreute Kohle. Die Hügelsohle war rund 170 cm tief, an einigen Stellen höher, an anderen tiefer, je nach der natürlichen Bodensenkung. Kleinere, in ihrer Ausdehnung nicht sicher feststellbare gleichartige Kohlenstreuung etwa auf 30 cm Fläche gab es an verschiedenen Stellen, z. B. in 80 cm und selbst in 38 cm Tiefe unter dem Nullmeter. Scherben und Gefäße. Scherben vereinzelt in allen Teilen des Hügels, im ganzen aber wenig; etwa 1 Va Pfund außerhalb des Stein- 67 kernes gefundene sind als „Streuscherben" unter Fundnummer 2 zusammen gefaßt. Innerhalb des Steinkernes auf einem Raum von etwa zwei Metern und in Tiefen zwischen 61 und 148 cm Scherben vereinzelt und beisammen, auch zwei vollständige Gefäße. Iiere rund- +- vA/iederherqeshellte GeFässe in cm N9 61 + 4- ■ 65 1A. KohlenFleck 81 + 5- 88 + 13 . 90 + 9 • 9J 3- 103 16 ■ 131 8 140 + 16 145 146 10 6 ü n ^ersf e'Kohien streu ung •— ......J^^ in^ers^e*■ Kohlen sVr Enrfernung von der Mihfe un^ers^e ' Kohlen Streuung •^- ••-•■— .-.^i^.. -J I I 1 I I I I I I 501-ni 60 70 80 90 10O 110 120 130 140 150 160 170 180 190 200 210 220 230cm Höhentabelle der Funde. Nach Reinigung und Durchsicht des Scherbenmaterials zeigte sich, daß die beisammenliegenden Scherben meist von verschiedenen Gefäßen stammten. Dagegen paßten manchmal weitvoneinander liegende Scherben zusammen und auch solche der Streufunde 2 von außerhalb des Steinkernes zu solchen inner- halb desselben, so daß sich mit Hülfe starker Ergänzungen einige Gefäße wiederherstellen ließen. Die regellose Verteilung der Funde durch die ganze Höhe des Steinkerns ist aus der ,, Höhentabelle" besonders in die Augen springend zu erkennen. 1 drei Scherben neben der Öffnung d des Steinkranzes, s. Grundriß ; sollten den Streuscherben 2 zugezählt werden, wurden aber wegen der ge- nannten Fundstelle von den anderen getrennt gehalten ; sehr roher Ton mit viel Quarzkörnern ; schmutziger, rötlich-semmelfarbener Überzug, viel- fach gerissen; eine Scherbe mit Omphalos. 2 Scherben aus allen Teilen des Hügels außerhalb des Steinkernes, etwa l'i Pfund; die meisten anscheinend zu einem großen Gefäß 2a passend; dickwandig, aus quarzreichem Ton, mit semmelfarbenem Überzug und fast rechtwinkelig umgebogener Randkante. 2b Scherbchen einer kleinen Tasse, grau-semmelfarbener, glatter *) Hier ist das Zeichen + ,, wiederhergestelltes Gefäß" übersehen. 68 Überzug; 2c fünf Scherben Überzug wie vorige. Einige mit glattem, rötlichem Über- Die Lage der folgenden ist Grundriß ersichtlich. anscheinend von einer Schale, Scherben eines größeren Gefäßes zug und einige andere. aus Höhentabelle, Profilen und 3, 4, 5 in situ Tafel XXVIII Abb. 55 gaben mit Hülfe starker Ergänzung eine ganze Schale, Tafel XXVI 52, dickwandig, semmelfarbener Überzug. Durchm. der Schale 18 '/2 cm, Höhe 8 cm. — 4 sonstige Scherben zu 11 passend, 4 a Bruchstück eines großen Topfes, sehr dickwandig, semmelfarbener Überzug mit Glätt- streifen. — 4 b Scherben eines großen Topfes, dick- wandig, rauh, mit vielen Löchern (ausgefallene Quarzit- körner?); semmelfarbener Überzug, gedrehter Rand. 5 noch einige Randstüokchen a, b. 6 auf einem Raum von 70 cm ver- streut neben dem inneren Steinkern einige Scherben, u. a. ein Topfbruchstück 6 b mit rotgelbem, vielfach gesprungenen Überzug und Andeutung eines Henkels, ersichtlich von einem Bronzezeit- Gefäß; ihm gleichen die meisten Streuscherben von 2. 8 Scherben einer großen, dunkel- gelb-rötlich getonten, glatten Schüssel mit grauschwärzlichen Flecken ; hierzu passend einige Streuscherben von 2. 9 mit Ergänzungen wiederhergestellte kleine Tasse, Weiheschale ?, s. Tafel XXVI Abb. 52, gelb-rötlicher Überzug, stark gerissen, dünnwan- dig; Durchm. 13 cm, Höhe 5', cm. 10 einige eines glat- gelben Ge- und andere, ben. Scherben ten , grau- fäßrestes rauheScher- 11 Scherben; mit solchen von 4 '^s^ ergänztzum Bruchstück einer großen, rötlich-grau ' ' getonten Schale oder Schüssel; dazu passend auch einige von 10. 12 Untere Hälfte des Gefäßrestes von 17, s. dieses. 69 1 3 ganz erhaltenes Ge- glatter Überzug mit grauen Durchm. I7,7cm, Höhe 12cm. bares, mit Graphit aufge- mal je drei Speichen in in situ Tafel XXVI I 14 einige Scherben einer semmel- farbenen Schale oder Schüssel; die übrigen bei 16. 16 zusammen mit Scherben von 14 eine Schale, stark ergänzt s. Tafel XXVI Abb. 52; rötlich-semmelfarbener Überzug; Boden flach; Durchm. 17 cm, Höhe 7 cm. 17 Bruchsück eines großen, beiläufig 27 cm hohen, am Bauch vielleicht 20 cm Durchm.' haltenden eimerartigen Topfes; dünnwandig; am Hals eine glatte Wulst; mit röt- lichem, stark gerissenen Ton überzogen ; hierzu gehörig 12 als untere Hälfte und einige Streuscherben von 2. faß, S.Tafel XXVI; semmelfarbener und roten Flecken; Boden flach; Am Hals ein nur schwach sicht- tragenes Sonnenornament von vier- zwei Kreisen. Lage des Gefäßes Abb. 54. 18 wiederhergestell- s. Tafel XXVI Abb. 52; Überzug mit dunklen phit aufgetragenes, nur Ornament mit insgesamt Zacken; Durchm. 19 '■> cm, ÄÄ mm»<,k,vk^ tes Gefäß graugelber Flecken. Am Hals ein mit Gra- noch schwach sichtbares Sonnen- neun unregelmäßig verteilten Höhe 13 cm. Alles in Allem fünf, "K^y.^'^,,,,» zum Teil durch starke Er- gänzungen wiederhergestellte Gefäße und wenn auch wenige Scherben, aber mindestens von fünfzehn Gefäßen. Die sorgfältige Durchsuchung des Hügels erlaubt den sicheren Schluß, daß die fehlenden Gefäßteile nicht mit in den Hügel gelangt sind. Leiche. Von Skelettknochen keine Spur. In der Hügelsohle zwischen die Kohlen gestreut kalzinierte Knochen reichlich, von Meter 1 Ost bis Meter 2 West; desgleichen spärlich auch im oberen Kohlenfleck, 38 cm tief, darunter ein Stückchen Menschenschädel. Metall- und sonstige Funde. Zusammen mit den Scherben 17 Bruchstücke einer Fibel 17, s. nebenstehend, _ im Feuer gelegen und deshalb stark be- schädigt, von allenfallsigen Ornamenten daher nichts mehr zu sehen. Die Fibelreste bestehen aus fünf Trümmern, welche wohl nur als Bestand- teile einer Paukenfibel angesprochen werden können. Die unvollständige und zerbrochene Pauke ist hohl, aus kräftigem Bronzeblech gefertigt. An eine Kahnfibel ist nicht zu denken. — Ein kurzes 70 Toilettestäbchen 17 s. Tafel XXVI Abb. 52, ebenfalls mit Scherben ge- funden, ist aus Bronzeblech geschnitten, keulenförmig verbreitert, aber nicht verdickt und weit durchlocht. — Ein hübscher Jaspisknollen 7, roh und form- los zugeschlagen, ohne sonstige Bearbeitung. Speisebeigabe. Entweder keine oder ohne zurückgebliebene Spuren. Typologie undZeitstellung. Unter den keramischen Funden fehlen die großen Tonkessel der Hallstattstufe C vollständig. Graphitauftrag ist nur als Ornamentierung vorhanden. Die Näpfe oder Schalen 3 — 5, 9, 16 sind Dauerformen von Mitte der Hallstattzeit an und lange darüber hinaus, also zeitlich nicht prägnant. Die Gefäße 13 und 18 sind junghallstätter Vorläufer der zier- lichen kleinen Latenevasen; sie haben ihresgleichen in unserer Sammlung aus der Stöcklach und vom Hirschberg ^), beidemale mit Bogenfibeln der Armbrustkonstruktion, jüngste Hallstattzeit. Hier handelt es sich um die gleiche, außerdem noch durch die im Text abgebildeten Randstücke gekenn- zeichnete Stufe. Für die bronzezeitlichen Scherben und Randstück 6 gibt es keine befriedigende Erklärung. Die spärlichen Bronzereste sind mit der Keramik gleichalterig. Bei der Fibel 17 kann es sich, das ist trotz der mangelhaften Erhaltung er- sichtlich, nur um eine kleine Paukenfibel handeln. Solche sind nach Beltz -) im nordalpinen Gebiet entstanden und häufig in Mittelfranken, Oberfranken und der Oberpfalz, unserem Juragebiet. Wir besitzen eine ähnliche vom Walberla, eine Spitzpaukenfibel von der Hagenreuth bei Creußen ^), eine eben- solche aus der Beckersloh Hügel 11 ■*) und vier Stück mit ausgesprochener Armbrustkonstruktion. — Das kurze Toilettestäbchen 1-7 hat aus anderen, Hallstatt D- und Latene A-Hügeln, sechs Vertreter in unserer Sammlung. Alle Fundmerkmale übereinstimmend Hallstatt D, 700 bis 550 v. Chr. Die Verbrennung anstelle der anderwärts häufigeren Bestattung, ist in unserem Gebiet eine Eigenart dieser Stufe. Ethnographie und Topographie. Die Eigenart dieses Hügels ist ausgedrückt im Steinbau durch die Spirale zwischen Ring und Kern. V/ährend der Grabung glaubte ich es mit Bronzezeitstufe B zu tun zu haben; isolierte Steinkreise (ein solcher erschien es mir anfangs) mit Tor oder Türe kannte ich nur aus den Erfahrungen von Kasing her und die Streuscherben, besonders Randstück 6 b bestärkten mich in diesem Glauben. 1) Festschrift 1901 Tafel 14 Nr. 8 Stöcklach; Tafel 13 II 25, 27 Hirschberg. 2) Bronze- und hallstattzeitliche Fibeln S. 694. 3) Festschrift 1913 S. 138 Abb. 27. 4) Festschrift 1901 Tafel 20 Nr. 1. 71 Der Steinbau des Junghallstatthügels von Langenzenn besaß zwar einen schön gelegten Steinkranz in zwei Meter Abstand vom inneren Steinbau mit einer Lücke im Norden^), er bot aber nach einer in unserer Sammlung vorhandenen Photographie ein ganz anderes Bild. Die Spiralwindung er- kannte ich infolge der oben erwähnten Beschädigung erst bei der Einzeichnung in den Grundriß, der jedesmal nach einer Vermessung an Ort und Stelle an- gesichts der Lagerung und mit Hülfe unseres vorgedruckten Schemas an- gefertigt wird. Mit den Gefäßfunden kam dann zu meiner Überraschung am letzten Tag im Innern der Steinsetzung Hallstattzeit zum Vorschein. Bei den uns geläufigen Hügelbauten ist der Steinrand in der Regel nichts anderes als die äußere Kante der inneren Steinsetzung und mit dem Hügelkern in zusammenhängender Verbindung, s. z. B. den Grundriß des Hügels in der Weid- lach Festschrift 1913 S. 140 Abb. 30. Bei unberührten Hügeln im Wald, wo die Randsteine manchmal aus dem Boden hervorschauen, bilden sie zuweilen ein er- wünschtes Merkmal zur Bestimmung der Hallstatthügel. Steinkränze verschiedener Art beschreibt VioUier aus Hallstatthügeln der Schweiz; sie lagen früher, wie er meint, außerhalb des Hügels, umgrenzten den vom Grab eingenommenen Mittel" räum und wurden im Laufe der Zeit durch die vom Hügel abgerutschte Erde über- deckt 2). Dechelette führt viele an ; er glaubt, daß sie, wenigstens anfänglich in einer weit vor dem Eisenalter liegenden Zeit, nicht die Bestimmung hatten, die Hügel zurückzudämmen, wenngleich die Erbauer bewogen sein konnten, ihnen eine architektonische Wirkung beizulegen. Ursprünglich aber hätten sie eine rituelle und symbolische Bedeutung ausgedrückt und diese habe lange nachgewirkt ^). Naue spricht nur ganz allgemein von kunstreich aufgeführten Steinbauten und Stein- kränzen''). Über Grabhügel mit Steinbauten in Spiral form habe ich nichts in der Literatur finden können. Unter den fünf Hügeln mit Steinringen der erwähnten Kasinger Nekropole, über welche der Bericht noch aussteht, war einer, bei dem ich während der Grabung die gleiche Erscheinung zu erkennen glaubte; aber die Hälfte des Hügels war eingerissen angetroffen worden und deshalb geht es auch aus dem Grundriß nicht mit Sicherheit hervor. Ob den Steinkreisen eine rituelle Absicht zu Grunde liegt, mag zweifelhaft sein; bei dem Spiralbau des Hügels im Heiligenholz scheint mir dies aber außer Zweifel. Vermutlich steht er in irgend einer Bedeutung zu einem Sonnen- kult. Die von Pastor geschilderten Spiralanlagen der sogenannten Trojaburgen sollen derartige Beziehungen' haben ^), doch wage ich keinen Vergleich, da mir die Unterlagen hierfür zu unsicher sind und das Verhältnis zwischen ausgesprochen germanischem Kult dort und vermutlich keltischem hier zu unklar ist. Hahne erwähnt übrigens Irrgärten und Trojaburgen als sehr alt, vermutlich steinzeitlich ^). 1) Festschrift 1901 S. 204 unten. 2) Essai sur les rites funeraires en Suisse S. 44. 3) Manuel d'Arch. II 2 S. 635. 4) Die Hügelgräber zwischen Ammer- und Staffelsee S. 175. 5) Pastor, das Problem der Trojaburgen; Mannus I, S. 306. 6) Das vorgeschichtliche Europa, ein sehr empfehlenswertes Buch mit prachtvollen Abbildungen, Band 30 der Monographien zur^_Weltgeschichte. 72 Die Begleiterscheinungen der Funde sind sehr lehrreich. Zeitlich fällt die Errichtung des Hügels mit einigen der vorbeschriebenen bei Igensdorf so ziemlich zusammen. Wenn damals in der Gegend nur eine Religion be- kannt gewesen wäre, so müßte der Ritus hier und dort wenigstens in groben Umrissen gleichen Charakter haben. Das ist ganz und gar nicht der Fall. Der im Heiligenholz Ruhende ist nicht nach den althergebrachten Hallstatt- gepflogenheiten in den Hügel eingegangen, sondern auf ganz andere Art. Die Grabessohle führte Kohle in spärlicher Verteilung, aber in ziem- licher Ausdehnung, mindestens 50 Quadratmeter; es hat aber kein Feuer darauf gebrannt, denn die aus einer anderswo geloderten Glut gewonnenen Kohlen- und Aschenteilchen waren über die Grabessohle aufgestreut, lagen deshalb nur schütter und der Boden zeigte auch keine Brandspuren ^). An ebenso unbekannt gebliebener Stelle war der Tote verbrannt und seine Reste auf kleinerer Fläche ebenfalls aufgestreut worden. Im übrigen war die Grabes- sohle leer und unmittelbar darauf lagerten die Steine. Die Prozedur mit dem Kohlenstreuen wurde im Vorschreiten des Baues mehrmals wiederholt und in der obersten Lage Kohlen fanden sich auch Knochenreste wieder, darunter einige größere, nur teilweise verbrannte, von sicher menschlicher Abkunft. Die Scherben, Gefäße, Bronzen wurden während der Errichtung des Steinbaues niedergelegt, nichtwiebei RitusCan vorbestimmten Stellen neben oder um die verbrannten Gebeine, sondern willkürlich in der ansteigenden Spirale des Kernes, s. die Höhentabelle und das Profil. Grundsatz scheint, daß alles über den aufgestreuten Knochenteilchen lagerte, denn darüber hinaus fanden sich nur hie und da Streuscherben. Die form- lose Art des Niederlegens selbst ganzer Gefäße beweist der Topf in situ Tafel XXVI 1 Abb. 54, 72 cm über der Grabessohle. Man vergleiche sie mit der Abbildung 38 Seite 143 der Festschrift 1913, das Gefäß 7 in 1,10 Meter über der Grabessohle; die Ähnlichkeit ist in die Augen springend, aber nie- mals habe ich dies bisher bei dem anderen Ritus angetroffen. Aus der Verteilung der Funde, dem Fehlen achtsam gestellter Gefäß- gruppen geht hervor, daß es sich im Heiligenholz nicht um ein Begräbnis nach alter Hallstattsitte, sondern um eine andere handelte und da diese Art in Hallstatt D häufiger und in der Frühlatene all- gemein zu werden scheint, so darf man sie bei uns als Sitte der Leute von Latene bezeichnen. Der Befund dieses Hügels ist bei den auf Seite 10 uf. vorausgegangenen Darlegungen bereits berücksichtigt und der hier gegebenen Beschreibung vorweggenommen. 1) Über Kohlestreuen in Grabhügeln sagt Olshausen: ,, Schon F. Keller glaubte, daß in heidnischen (schweizerischen) Grabhügeln Kohlen (wie auch zerbrochenes Geschirr und kleine Steine) aus religiösen Gründen ausgestreut seien (Mitt. d. antiqu. Ges. Zürich 111, 2 1846 — 1847 S. 65) und Anderson meint diese Sitte noch in christlichen Gräbern Schottlands zu erkennen, wo die unverbrannten Leichen in Kohlen gebettet waren - ein Überlebsal des Leichenbrands wie er annimmt." Ztschr. f. Ethn. 24 S. 134. 73 Aus den zwei verschiedenen Kult ge brauchen schöpfe ich den Beweis, daß sich zur gegebenen Zeit zwei Religionssysteme, ein absterbendes und ein kommendes, nebeneinander finden. Bei dem älteren lag die ganze Wucht der langwierigen Zeremonie in den Vorbereitungen: in der Aufbahrung der Leiche, in der Aufstellung und sorgfältigen Anordnung der Totengaben um ihn herum, alles auf der ■ Grabessohle. Von diesen Vor- gängen läßt sich keine ,, Höhentabelle" geben, denn die Sachen wurden ebenerdig ausgerichtet. Damit war die Aufbahrung beendet; hinterher wölbte man einen Hügel darüber mit beliebig vielen oder wenigen Steinen, um den Ruhenden samt ihren Aussteuern vermeintlichen Schutz und Sicherheit zu geben. Der jüngere Ritus hat keine Spur der Vorbereitung für die Feier hinterlassen, er kannte diese Art der Aufbahrung im Grab nicht und keine Aufstellung von Totengaben um sie herum; ihm begann der noch er- sichtliche Teil der Zeremonie mit der Errichtung des Stein- baues und das war ihm Selbstzweck, denn darin wurde der Tote ein- gebaut. Währenddem wurden die vielleicht zu Trank- und sonstigen Spenden benützten zertrümmerten oder ganzen Gefäße und was sonst dazu gehörte niedergelegt, wo es der Augenblick gerade darbot; dies ist aus der nur für diesen Ritus möglichen Höhentabelle ersichtlich. Das waren die äußeren Rahmen der beiden Riten, soweit ich sie derzeit zu erkennen vermag; der Hallstattritus konzentrierte sich um die Aufbahrung, der late ne ze i 1 1 ich e vollzog sich durch den Einbau in die Steinsetzung. Innerhalb der Rahmen aber blieb genug Raum zu lokalen und zu zeitlichen Varianten, außerdem auch noch für die Launen, die Pietät und den Aufwand der Hügelerbauer, welche in den Gräbern der bei uns ansässigen Bevölkerungen ebenso mannig- faltigen Ausdruck fanden, wie sie für die Hellenen der vorklassischen Zeit aus den Arbeiten von Zehetmaier und Heibig ersichtlich und mit den hier be- schriebenen selbst für unsere Gegend nicht erschöpft sind. Bei den vorausgegangenen Berichten wurde versucht, Einzelerscheinungen im Ritus der Hallstatt C-Gräber entwicklungsgeschichtlich zu erfassen, zu- gleich aber auch die Fragwürdigkeit dieses Unterfangens hervorgehoben. In der Beurteilung der beiden sich gegenüberstehenden Riten braucht keine so große Zurückhaltung geübt zu werden, sie ist begründet und wird noch mehr gefestigt werden, wenn die Berichte über unsere ander- weitigen Grabungen fortgesetzt werden können. Abh. d. Nat. Oes. Nürnberg XXI. Bd. Tafel V. Abb. 1. lO ?pr*?M 1 Abb. 3. Scheiterhaufen ; Text S. Igensdorf 7361. Abb. 2. Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel VI. Abb. 4. Steine am Hügelrand; Text S. IS. Abb. 5. Die Scherben 1 3,6 am Rande der Brandscliiclit; Text S. IQ. Abb. 6. Die Metallfunde: Text S. 22. Igensdorf 7361. Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel VII Abb. 7. Scherbengruppe 7 (ergab vier Tonkessei und vier Schöpftassen) Text S. 19. >v... Abb. 8. Scherben- und Gefäßgruppe 8, 22 28; Text S. 20. Abb. 9. Oefäßgruppe 29— 32; Text S. 20. Igensdorf 7361. Abh. d. Naf. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel VIII. Abb. 10. Scherben- und 34? 34? ^ Gefäßgruppe 34; Text S. 20. 379 Abb. 11. Scherben- und Gefäßgruppe 36—41; Text S. 21 37 a Abb. 12. Aus Streuscherben wiederhergestellt; Text S. 19—21. Igensdorf 7361. Alih. d. Nat. Ges. Niiniberg XXI. Bd. Tafel IX. (D in T— CO g :§ c/ .o -> - • 13 55 ■a c < ■ - n :3 0^ = Igensdorf 7361. Abh. d. Nat. Ges. Nürnber" XXI. Bd. Tafel X. Abb. 14. Scherbengruppe 7, Gefäß 8; Text S. 19, 20; oben die drei Scliädel 13,15, 16; Text S. 22. Abb. 15. Scherben bzw. Gefäße 34 und die Diele in der Brandschicht Text S. 18 und 20. Igensdorf 7361. Abh. d. Nat. Oes. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XI. Abb. 16. Scherben- und üefäß- gruppe 22—28. Text S. 20. Abb. 17. Scherben- und Gefäß- gruppe 29 32. Text S. 20. Igensdorf 7361. Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XII. * 1 Abb. 18. Steinrand und abgedeckte nördliche Hügelhälfle, die Scherben 1; Text S. 31, 32. ^•is^"" Abb. 20. Die vier Steine am Hügelrand; Text S. 31. Abb. 19. Die Scherben 2 außerhalb der Steinsetzung; Text S. 32. Igensdorf 7362. Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XIII. "^-mm^^'' '• ■■^ ^'^Sf ^J^^ ■ Abb. 21. Stellung des photographisehen Apparates bei 270° 4,20 m von der Mitte. Abb. 22. Stellung des photographischen Apparates bei 360°, 3,40 ni von der Mitte. Brandbeisetzung der Hallstattstufe C. Das Feld zwischen Gefäßen und Meterstab, auf welchem das weiße Papier liegt, ist mit Leichenbrand bestreut. Igensdorf 7362. Abli. (.1. Nat. Ges. NiiinbLTg XXI. Bd. Tafel XIV. iBsiiopfer" Abb. 23. Text S. 32. Abb. 24. Die Gefäße der Westgruppe; Te.\t S 32. Abb. 25. Die Gefäße der Ostgruppe; Text S. 32. Igensdorf 7362. Abh. d. Nat. ües. Niirnbci<; XXI. Bd. Tafel XV. Abb. 26. Steinsetzung 7363 und Scherben; Text S. 34. Abb. 27. Aus den Scherben 7363 wiederhergestellt; Text S. 34. '•i- 6,12 Abb. 28. Scherben und Gefäße 3 5, 7364. Abb. 29. Bronzen ; Scherbchen 8. Igensdorf 7363 und 7364. Abh. d. Nat Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XVI. Abb. 30. Scherbengruppe 5 7; Text S. 36. Abb. 31. Das Hügelinnerste, die letzten Steine, Gefäßgruppe 13-^15; Text S. 37. Igensdorf 7364. Abh. d. Nat. Ges. Niirnberff XXI. Bd. Tafel XVII. Abb. S2. Scherben- und Oefäßornppe 3 7; Text S. 36. Abb. 33. Scherben- und QefäRüriippe 13 15; Text S. 37. Igensdorf 7364. Abh. d. Nat. Ges. Nünibcm XXI. Bti. Tafel XVIII. IS E E IS VI < IT) ■a Tf u i- J3 < 10 Igensdorf 7704. Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XIX. Abb. 37. Stellung des pholographischen Apparates in Süd bei 170" 3,40 m von der Mitte. :^^S^ ^*«=-^->^*^- - -^J^i^H^^B jl1mSl£ r ^ K _M1H1^- ^ ':^-.^ ^^ K^a 'ri-A* r^^^^ ] ;mm 1^ ^ "^ -«^'^^^r '/ // ^^«rf^ :f'J- . •- ii f Abb. 38. Stellung des photographischen Apparates in West bei 275", 4,50 m von der Mitte. Die freigelegten Leichen, die Scherbengruppen und die Brandschichten. Text S. 42. Der besseren Sichtbarkeit halber sind die Skeletteile leicht überarbeitet und die Erde daneben ist scharf abgestochen. Igensdorf 7704. Abh. d. Nat. Ges. Niiinberg XXI, Bd. Tafel XX. Abb. 39. Die Gefäße in Brandsciiicht II naeli Wegnaiime der Leiclien; Text S. 43. Abb. 40. Dieselben Gefäße, wiederhergestellt; Text S. 44. Abb. 42. Gefäß neben der Leiche 14. Igensdorf 7704. Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XXI. Abb. 43. Die wiederhergestellten Gefäße des Scherbenhaufens zur rechten Hand der Leichen; Text S. 42. Igensdorf 7704. Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XXII. 14 16-19? Abb. 44. Gefäße aus Hügel 6908; Text S. 51. Abb. 45. Gefäße aus Hügel 6909; Text S. 56. Unterrüsselbach. Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg' XXI. Bd. Tafel XXII ..>! V. Abb. 46. Die Metallfiinde; Text S. 60. Abb. 47. Die Steine nach Abheben der Grasdecke; Text S. 59. Abb. 48. Die Scherbenlager am Grunde des Hügels; Text S. 59. Unterrüsselbach 7759. Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Band. Tafel XXIV. := O r o c Q. < o s -o •S 2 . 'S 3 >9 Q (75 CO J2 < o > >i Q Schönberg 7971. Abb. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XXV. JiÜ/'A. : V ~«>«^. i O I H 0) o C8 C D. s < .2 n o < c > Schönberg 7971. Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Ö o 73 5 6 < = s 55 .^ " 5 in O c 3 T3 C « < Tafel XXVI. tO o > o o o ^ t£ s Q in < Schönberg 7971. Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XXVII Abb. 53. Die Öffnung d im Steinkranz. Standpunkt des photographischen Apparates siehe Orundrili bei o^i, 190"; Text S. 66. Abb. 54. Das Gefäß 13 bei der Aufdeckung. Standpunkt des photographischen Apparates siehe Orundrili bei cjk, 210"; Text S. 69. Schönberg 7971. Abh. il. Nat. Ges. Niimber),' XXI. Barul Tafel XXVIII Abb. 55. Scherben 3— 5 im Steinbau ; Standpunkt des photographischen Apparates bei 210", 4 m von der Mitte. .«>-<« Abb. 56. Die steinfreie Hügelsotiie nach Abtragung des Steinbaues. Standpunkt des photographischen Apparates annähernd bei o'g- Schönberg 7971. Abhandlungen der NATURHISTORISCHEN GESELLSCHAFT zu NÜRNBERG XXI. Band 3. Heft. Grabungsberichte der Anthropologischen Sektion Kasing 7444 mit Grundrissen, Querschnitten und Tafeln. Von Konrad Hörmann. NÜRNBERG 1922. J. L. Stich, Buchdnickerei und Verlag, Grabungsberichte der Anthropologischen Sektion mit Grundrissen, Profilen und Tafeln. KÖSChinger Forst bei Kasing, Bezirksamt Ingolstadt. Einl.-Nr. 7444 mit 94 Unternummern. Von Konrad Hörmann. DREI GROSSHERZIQE FREUNDE UNSERER GESELL- SCHAFT, DIE IMMER SCHON OPFERWILLIG EINEN TEIL IHRER SORGEN MITGETRAGEN HABEN, ER- MÖGLICHTEN DURCH BEZAHLUNG DER DRUCK- KOSTEN DIE HERAUSGABE DIESES BERICHTES. LIBKAKY ^■CW YORK »OTANICAL . '. \ K n .'; N Zeichen er k|l ä r u n g : k Bronvc -^^^' t. t, ^ L '^ Scherben ::■■.■■;-■ „ , ._ ._ ■ Eisen \voov • Fcuarstam ;•.■■".••;■: Hügelgruppe im Waldteil „Auf der Leber".') Köschinger Forst bei Kasing, Bezirksamt Ingolstadt. Literatur; Weber, Die vorgesch. Denkmale d. Kgr. Bayern I S. 70 Köschinger Forst : ,,.... Leber, nördlich von Hellmannsberg. Hügelgruppe von etwa 60 Hügeln, größtenteils angegraben; Funde aus einem: Bronze und Eisenreste, näheres unbekannt. Ein Hügel anscheinend Hallstattzeit. Funde verschollen." Den östlichen Flügel dieser großen Nekropole bilden : Die 27 Hügel im Noldschen Waldanteil. Literatur: Raithel, Hügelgräber-Oeffnung bei Kasing; mit 8 Blatt Zeichnungen, Sammelblatt Histor. Ver. Ingolstadt u. Umgbg. XXXII. 1908. Allgemeines. Frühere Grabungen: Der Graben durch den großen Hügel 19 soll vor Jahren durch einen Generalarzt gelegt worden sein; von Funden nichts bekannt. Den westlichsten Hügel der Gruppe im angrenzenden Waldteil hat Krämer Binder von Kasing angegraben. Er fand: eine Lanzen- ') Hierzu beiuerkt Raithel S. 6 : „ Diese in Siiddeutschland und Oesterreich bei vor- geschichtlichen Hügelnekropolen wiederholt anzutreffende Bezeichnung bedeutet so viel wie , Auf den Grabhügeln ' und ist ebenso wie das gleichbedeutende , Leeberg ' von den ur- germanischen Wörtern hlaiwaz, hiaiwiz = Grabhügel abzuleiten, wobei das z nicht unser z, sondern ein tönender s-Laut ist, der teils abfällt, teils zu r wird und dadurch die Spaltung des Wortes in zwei bewirkt. Eine Weiterbildung davon ist das gotische hlaiwasnös = Gräber. Aus den Grundformen entspringen das gotische hlaiw Grabhügel — urnordisch (runeninschriftlich) hlaiw — altsächsisch hleo — angelsächsisch hläw, hlew — althochdeutsch hleo, leo, auch hlewir, lewir — mittelhochdeutsch le mit Genetiv lewes Bei dem Ausdruck ,Auf der Leber' ist also das b kein wirkliches b, sondern ein w, wie es auch , gesprochen wird; es liegt außerdem eine volksetymologische Umdeutung eines alten unver- ständlich gewordenen „Auf den Lebern" vor". 78 spitze, angeblich jetzt in München, und eine „Münze"; von uns dort auf- gelesene Scherben, Einl. Nr. 7444', haben Latene-, fast römischen Charakter. Grabung 190Q: Im Mai wurden von den 27 Hügeln im Ostteil des Gräberfeldes 10 durch die Anthropologische Sektion und 5 durch den Historischen Verein Ingolstadt abgegraben. Gutsbesitzer Karl Nold auf Erlachhof, Besitzer dieser Waldabteilung und Mitglied der beiden Vereine, überließ die Funde in dankenswerter Weise den Museen in Nürnberg und higolstadt. Geologischer Horizont: Dolomit, äußerster Südrand der Franken- jura-Hochebene, der sog. Eichstätter Alb. Benachbart Nester von Solnhofer Plattenkalken. Der gewachsene Boden ist gelber, grobkörniger Sand, durch den Streifen ziehen, wie Bachbetten, aus kleinen Quarzkörnern bestehend, Rückstände einer tertiären Einschwemmung, die auch sonst auf der Jura- Hochebene häufig zu beobachten ist. Das zum Hügelbau verwendete Steinmaterial sind Dolomitfindlinge z. T. von ansehnlicher Größe. Flurplan. t^nVvKöWchincj ^*.'»Auf dcrl Leber» , Nold'scher Besitz 7 r orst ', » i'\ ' * * 's. * DGi KASinq > • * ' \i 5 ' i 1 >^^^^^£^ A i 4 r Li In W»5f u Südwest \'2fc forhf)jun<)d OrabfelcleSi • ,„1 noch '«0-50S(tione \ qrObäe. durcKwpq fest unbei'uhr>e Huqpl ^4 i.-f — • — • — • Grenze des Noldschen Waldanteils. Hügel 2, 5 a, 7, 8, 9, 14, 17, 20, 21, 22 von der Anthropol. Sektion ausgegraben; — 19, 23 — 26 vom Historischen Verein [ngolstadt ausgegraben; — 6, 10, 12, 18 vom Kgl. Generalkonservatorium für unantastbar erklärt; — 3, 4, 11 von Alters her verschleifte Hügel; — 1, 5, 13, 15, 16 nicht ausgegraben. 79 Einzelbeschreibung. Hügel 2. Fundnummern 35 36 38 bis 42; Tafel 2Q Abb. 1, 2. Grundriß und Profil. HÜ gel bau: Erdaufwurf beinahe rund, 8 Meter Durchm., 50 cm hoch. Ueber der unteren Erdanhäufung eine lückenhafte, ungleiche Steindecke, teilweise bis zu 40 cm Stärke, von unregelmäßiger Ausdehnung. Die Erd- anhäufung ebenso nachlässig wie die Steindecke; zum Teil (gegen Ost) aus weißem, zum Teil (gegen Süd und West) aus gelbem Sand bestehend; im übrigen aus schwarzem Humus bezw. Waldboden. Weder Kohlenschicht noch -flecken, hie und da Kohlenstäubchen; weder Reste von Menschenknochen noch Andeutung von Leichenbrand. Funde: Durch den ganzen Hügel vereinzelte Streuscherben 35, vor- wiegend roher Gattung; bei 39 ihrer mehrere zusammen, doch konnte nur ein Teil der unteren Gefäßhälfte wiederhergestellt werden, Bodendurchm- 7 cm, dabei ein Henkel; verhältnismäßig viele Bodenstücke von massiven Standfüßen 35a— d, welche einen Durchmesser von 9 bis 11 cm annehmen 80 lassen, also von großen rohen Gefäßen herrühren. Ein Knollen 35g von feingeschlemmtem Ton, anscheinend Bruchteil einer massiven Tonkugel ; Bruchkanten verwa- schen. Eine kleine Anzahlstreuscherben gehören einer feine- ren Gattung an, düim- und dickwandig, teil- weise mit Ornament Taf. 29 35 h i. Ein Bronzezierbuckel zer- trümmert,dunkelgrün patiniert, Taf. 29 38. Die beiden Zahnrei- hen eines Rehunter- kiefers; Stücke von Speiche und Elle ei- nes jungen Schwein- chens; Knochenstück aus der Tibia eines jungen Rindes 41; Stück einer Feuersteinklinge 30 Tafel 38. Beurteilung. Das Fehlen von Spuren einer Leiche spricht nicht gegen einen Grab- hügel, da alle sonstigen Anzeigen eines solchen vorhanden waren. Den wenig sorgfältigen Aufbau, die lässig hingeworfenen Steine, das Fund- durcheinander trifft man nicht selten bei Hügeln der ausgehenden Hallstatt- oder der beginnenden Latenezeit. Die Bronzescheibe 38 widerspricht nicht, wie die gleichen Stücke aus der Hagenreuth zeigen (Abb. 27 S. 138 der Festschrift 1913) der jüngsten Hallstattzeit. Die Mehrzahl aller Scherben ist unbestimmbar; die eingezogenen Standfüße 35a -d können frühbronze- zeitlich sein; die ornamentierten Scherben sind es sicher, vielleicht auch die Feuersteinklinge 36. Die Scherben 35 e und 39 sind junghallstattzeitlich. Als Speisereste erscheinen Teile von Reh und Schwein, nicht aber der Rinder- knochen 4-1; er dürfte Rückstand einer Waffe sein. Die Verwendung von Knochen und rohen -splittern zu Waffen und Pfeilspitzen war in der jüng- sten Hallstatt- und Latenezeit den Funden auf der Houbirg und bei Thal- mässing zufolge sehr gebräuchlich. Trotz der Bronzezeitreste ist die Hügelerrichtung also etwa zur jüngsten Hallstattzeit anzusetzen. 81 Hügel 5a. Fundnummern 93 94; Tafel 29 Abb. 3. Grundriß und Profil. 2,90"^- 90 9 Ost Hügel bau: Erdaufwurf nahezu rund, 8 Meter Durchm., 35 cm hoch. Ein rundum geschlossener Steinkreis, beiläufig 6 Meter Durchm., 20 cm mittlere Höhe, unre- gelmäßig und ohne Sorgfalt gesetzt. Füllungsmaterial weißer Sand mit vielen natürlich ge- sprungenen Horn- steinen. Wenige, vereinzelte Kohlen; keine Knochen, kein Leichenbrand. Funde: Streu- scherben roher und feiner Gattung 93. Bei 94 Henkelbruch- stück und einige Scherben eines nicht wiederherstellbaren Gefäßes, wie die ornamentierten 82 Scherben 1 und m Tafel 2Q aus einem von groben Beimischungen freien, mit feinsten Ghmmerteilchen gespici sTxY m) hh 1§^§^ ^" \ ^ 0 i-^i^v \^,^ ~~,^ 1 J^ '^^ .-5.^ j£oS^ — -^"""^ SiJ 1 6 S ö- 3 2 1 Orp -1 2 3 a S 6 7 8 .0.5 Wesr ä g PB iii^ fc TT ^ ^1 Ost ST 5 ^^^äd Ifelk Brandschicht fehlt; gelegentliche Kohlenstückchen; ein Brandfleck von geringer Ausdehnung im Westen 215 cm tief, etwa 30 cm tiefer als die Steine. Leichen: Im zerstörten Teil des Hügels ein menschlicher Calcaneus und auch sonst einige Stückchen anscheinend menschlicher Knochen. Kein Leichenbrand. Tierbeigaben: Auf einem Klumiien 90 bezw. 107 cm unter dem Meßbrett außerhalb der oberen Steinsetzung, s. Abb. 16, ein Hirschschädel 55 mit Atlas und mehreren Halswirbeln, der Länge nach gespalten; darunter vermorschte Rinde, also wahrscheinlich auf Birkenrinde gelegen ; sonstige Funde nicht in der Nähe. An anderen Stellen: Atlas und andere Hirschknochen, ein Schafschädel, ebenfalls auf Rinde liegend, und Schaf- knochen; Fesselbein eines erwachsenen Rindes; Oberarmknochen vom Reh; Dachsknochen von zwei Individuen; Hasenknochen; 13 ein Eberzahn aus dem unteren, W^ desgleichen aus dem oberen Teil des Hügels, s. Abb. 15. 93 Keramik: Scherbenfunde zahlreich, meist unbestimmbares Material. Die Streufunde aus dem unteren Hügel tragen die Nummer 43, solche aus innerhalb der oberen Steinlage 043. 43 a großes Bruchstück eines Tonkessels von etwa 36 cm Höhe, am oberen Rand etwa 22 cm Durchm., Ton mit starkem Quarzzusatz, rötlich- semmelfarbener Ueberzug; auf dem Rücken ornamentiert mit Buckeln, welche der Finger einer kleinen Hand von innen heraus in den weichen Ton gedrückt haben kann ; darüber eine Reihe annähernd viereckiger Ver- tiefungen. — Größere Scherbenfetzen mit verwaschenen Kanten, fast flach, also von einem sehr großen Gefäß herrührend, 14 mm Wandstärke, im Kern dunkelbrauner, feingeschlemmter Ton, außen braungrau überfangen, 94 Gefäßform unkenntlich. — Eine gleichfalls 14 mm dickwandige Scherbe von ziegelsteinartiger Beschaffenheit, im Kern schokoladefarben, außen lebhaft rot überfangen, mit Kies gemischter Ton. — Rauh geriefte Scherben wie 93 k Abb. 3. — Dünnwandige, braune Scherbchen kleiner Gefäße von feinster Tonmischung, darunter 43c, Teil einer halbkugeligen Henkeltasse mit abgesetztem Hals. — Scherbchen mit eingeritzten Dreieck- und Strich- ornamenten 43 k m n, eines mit Fischgräten- oder Koniferenzweig-Ornament 431, S.Abb. 17. — 43 e, Henkel eines großen, rohen Gefäßes, durch und durch mit Quarz versetzter Ton, schwach gebrannt aber steinhart infolge Durchdringung mit Kieselsäure, im Kern braun, von außen rötlich-hellbraun, nach oben geknickt und mit Zäpfchen. — Sodann Gefäßscherben mit stumpfem grauschwarzen Ueberzug und Resten von Qraphitierung, 43 f; ähnlich 43 d. Die getrennt gehaltenen Scherben des oberen Hügelteiles 043 sind ebenso bunt gemischt wie die von 43 aus dem unteren Teil, die Trennung war also überflüssig. Ein Gefäßstück 043 g mit völlig verwaschenen Kanten und ehemals rot überfangener, vielfach abgeblätterter Oberfläche läßt ein- geritzte, schraffierte Dreiecke und darunter ein Strichband erkennen. Ein Randstück von dünnwandigem Gefäß aus feinstem Ton mit schönem, matt- glänzenden, rotbraunem Ueberzug zeigt ebenfalls eingeritzte Dreiecke, 043 i. Sonstige Funde: Eine eiserne Schließe 53 im Schutt des gestörten Teiles; ein Bronzedraht 48 etwa 40 cm lang, zusammengeknüllt, s. Abb. 15. Beurteilung. Auch ohne die ausgiebige Störung hätte der Hügel kein klares Bild hinsichtlich der vermutlich darin beigesetzten Toten gegeben; ein Grabmal war es jedenfalls, dafür sprechen alle Anzeichen. Im Scherbenmaterial über- wiegt die Bronzezeit, welcher auch die Eberzähne angehören dürften, doch ist die jüngste Hallstattstufe gut vertreten, und wahrscheinlich gehört ihr auch die obere Steinsetzung an, in der eine Hügeldecke vermutet werden darf. Von den Tierresten sind Hirsch, Reh, Schaf und Rind als mutmaßliche Totenbeigaben zu betrachten. Die Reste von Dachs und den kleineren Tieren werden den vierbeinigen Bewohnern des Hügels zu verdanken sein. An dem unschön patinierten, im Innern messingglänzenden Draht 48, vermutlich zu H^ gehörig, hat die Untersuchungsanslalt der Firma H. D. Wilke Nachf., Inhaber O. H. Dohne in Letmathe im November 1921 eine Untersuchung vorgenommen, um zu ermitteln, ob er durch Ziehen oder Schmieden hergestellt ist. Ein mit ammoniakalischem Kupferchlorid geätzter Längsschliff ergab nach allen Richtungen gleichmäßig aus- gebildete Kristallite. Daraus ergibt sich, daß der Draht nach der Bearbeitung geglüht worden ist ; Angaben über die Art der vorausgegangenen Bearbeitung lassen sich aber nicht machen. Hügel 17. Fundnummer 58, Ol bis 76; Abb. 19 bis 22. Grundriß und Profil. 95 Qe w-c^c C\^ <2^\^ ts^y~ (j\ ^ odc-vx Hügelbau: 13 Meter Nord-Süd-Durchm., 10 Meter West-Ost-Durchm., 1,40 Meter Höhe, unberührt. Der Waldboden von Nord nach Süd abfallend (Bodentiefe in Nord 150, in Süd 192 cm). Steinsetzung: 10 bis 20 cm über dem gewachsenen Boden in den Erdaufwurf ringförmig gelegte Steine in unregelmäßiger Anordnung ohne Unterbrechung mit je einer Steinbrücke nach den Hügeln 16 in Ost und 18 in West s. die Abb. Tafel XXXV. Inmitten des Erdaufwurfes ein Stein- haufen für sich ohne Verbindung mit dem umgebenden Ring; über dem- selben und etwas seitlich davon eine kleine, obere, unregelmäßige Steindecke s. Abb. 22 und Profil. Außerhalb der Steinsetzungen keine Steine. 96 Brandschicht: An zwei Stellen unter den äußeren Steinen Kohlen- flecke s. Grundriß; Kohlenspuren auch unter dem inneren Steinhaufen, aber keine durchgehende Brandschicht. Leichen: Zwischen den Steinen des Mittelhaufens, zum kleinen Teil auch vor ihnen in 125, 135 bis 149 cm Tiefe unter dem Meßbrett, also 20 bis 25 cm über dem gewachsenen Boden von Nordost nach Südwest gerichtet menschliche Skelettreste. Beigaben nicht in nächster Nähe. Tier beigaben: Von Tieren herrührende Knochen kamen nicht zum Vorschein; indessen fand sich ein Schafzahn unter der inneren Steinsetzung. Keramik: Mit 58 wurden die Streufunde aus dem Erdaufwurf und dem Steinring, mit 66 diejenigen des geschlossenen inneren Steinhaufens numeriert. Wenige Scherben, mit unansehnlichen Ausnahmen s. Abb. 21 ohne Ornamente, keine Randstücke; sie verteilen sich auf beide Arten: grobe, mit viel Quarzkörnern, einmal sogar mit fingernagelgroßem Kiesel und dünnwandige Scherben von feingeschlemmtem Ton, rötlichbraun überfangen. Sonstige Funde: Die Fibel 76, gut erhalten, doch ohne Verschluß- nadel; der hohle Knopf auf dem Fuß enthielt Spuren einer weißen Masse, die aber beim Tränken in heißer Oelatinelösung leider verschwand. Zwei kobaltblaue Perlen mit Einlage 74 und 75; alle drei Funde aus der oberen kleinen Steindecke bezw. der oberen Lage des Steinhaufens seitlich der Mitte. Ein Spiralfingerring von Bronze 67 und Teile von solchen, eine Bronzescheibe 72, ein Bronzeringehen 68 fanden sich im Steinhaufen der Mitte verstreut. Eine Anzahl roh bearbeiteter Feuersteine, bemerkenswert insbesondere a (61) s. Text- Abb. S. 107. Beurteilung. Gleiche Mischung von Jung- und Altsachen wie in den anderen Hügeln Die Fibel ist typisch für H^, auch die Perlen gehören in diese Zeit, ebenso wie ihr auch die obere unregelmäßige Steindecke zugeschrieben werden muß. Bronzezeitlich sind einige der Scherben und die übrigen Bronzen. Es stand zu hoffen, daß die nach ihrer Freilegung sich völlig unversehrt darbietende untere Steinsetzung mitten im Hügel, s. Abb. 22, guten Aufschluß über die Zeit der Errichtung geben würde. In der Tat sind auch alle darin gemachten Funde bronzezeitlich. Hügel 20, 21, 22. Fundnummern 59 60; 2; 29 bis U. Abb. 23 bis 26. Ein Hügel hatte 6, die beiden anderen je S Meter Durchm. Die Höhen betrugen 25, 40 und 55 cm. Der Erdaufwurf deckte in jedem Hügel eine 97 Grundrisse und Profile. Hügel 20 Hügel 21 Hügel 22 98 unregelmäßige Steinlage in Ringform mit je einer Oeffnung in Nordost, s. Abb. 25. Hügel 20 hatte zwischen den Steinen der Oeffnung einige im Boden eingelassene Steinplatten wie eine Andeutung von Pflaster. Brand- schichten waren nicht vorhanden, aber hie und da Klümpchen von Kohlen, An Funden kamen sowohl bronze- als hallstattzeitliche Scherben zum Vor- schein; in Hügel 22 fand sich ein zerbrochener Fingerring der gleichen Art wie 67 Abb. 21. Feuersteine mit Merkmalen der Bearbeitung fanden sich mehrfach, aber keine typischen Formen. Anzeichen von Bestattungen ergaben sich nicht, weder Leichenbrand, noch Knochenreste. 99 Gesamtüberblick. Die Metallfunde geben wenig Anlaß zu Bemerkungen. Die für die ältere Hügelgräberbronze- zeit charakteristischen Fingerringe mit Spiralscheiben waren in einem voll- ständigen Exemplar 67 und außerdem in Bruchteilen von mindestens fünf anderen vertreten. Sie scheinen im nördlichen Bayern nicht selten zu sein; wir besitzen außerdem Bruchstücke solcher von Labersricht und vom Linden- bühl und einige aus der Oberpfalz. Nach Behrens S. 217 finden sie sich in Frauengräbern bisweilen in großer Zahl, meist allerdings nur ein Paar. Ebenso typisch ist für H^ die Fibel 76 mit Fußzier, zu Schema 18 des Beltzschen Fibelkataloges gehörig; die unsrige ist bei ihm erwähnt S. 875 unter Nr. 142. Die Heimat der verschiedenen Abarten dieses Schemas ist Süddeutschland, das Verbreitungsgebiet annähernd dasselbe wie das der Paukenfibeln. Die Fibeln der Kasinger Art scheinen ein Verbreitungszentrum im südlichen Teil des Frankenjuras zwischen Laaber, Altmühl und Donau zu haben : drei von Muttenhofen, zwei von Staufersbuch, drei vom Paradies im Raitenbucher Forst bei Eichstätt'). Eine der letzteren, bei Reinecke ab- gebildet, Altertümer unserer heidnischen Vorzeit, V Tafel 27 Nr. 482 der unsrigen fast genau entsprechend, hat einen Koralleneinsatz im Knopf, und der Rest eines solchen war auch bei unserer Fibel vorhanden. Ein anderes Verbreitungszentrum dieser Art Fibeln mit Schlußknöpfen und Korallen- einlagen führt Naue an nach Salomon Reinach in der Champagne, besonders im Depot der Marne, Präh. Blätter XIV 1902 S. SS^. Raithel gibt S. 4 die Analyse der Bronzemischung einer bronzezeitlichen Gewandnadel aus Hügel 25; es ergaben sich 92,3 "/o Kupfer, 7,2 7o Zinn und 0,3 7o Nickel. Blei und Zink waren nachweislich nicht enthalten. Die fehlenden 0,2 % sind auf Verunreinigung durch Reste von Patina zurück- zuführen. Die Keratnilf. Von den sechs Gefäßen, welche die Grabung ergeben hat, sind fünf bronzezeitlich; sie waren trotz der späteren Wiederbenützung der Hügel ganz erhalten oder leicht wiederherstellbar. Das sechste, ein unbedeutender hallstattzeitlicher Napf 77, wurde mit Hilfe starker Ergänzungen aus Scherben gewonnen. ') Beltz bildet unter Abb. 51 ein Exemplar gleicher Art nach Naue Präh. Blätter XIV Tafel VII 11 ab von Wimpasing, Bezirksamt Beilngries. Die 16 Wimpasing und 3 Wimpassing Bayerns liegen aber nach Orübels statistischem Ortslexikon des Kgr. Bayern alle in Ober- und Niederbayern, keines in der Oberpfalz. Die 3 Fibeln vom Paradies sind abgebildet bei Pickel, „Beschr. versch. Altr., welche in Grabhügeln alter Deutschen nahe bei Eichstätt sind gefunden worden", Nürnberg 1789. Die Skelette in Hügel 2, wo die Fibeln sich fanden, hatten viel Oeschirr bei sich. Es handelte sich also wohl um Bestattungen nach dem alten Ritus von H3 in der Späthallstattzeit. 100 Das übrige keramische Material sind Einzelscherben, Streu- scherben, aus denen die Oefäßform nur ausnahmsweise ersichtlich ist. Viele Randstücke verweisen auf die ausgehende Hallstattzeit. Die große Masse gehört ganz rohem, dickwandigem Geschirr an; die geringe \^Wölbung mancher umfangreicher Scherbenfetzen läßt auf ansehnliche Oi^cße der Gefäße schließen. Häufig ist die Außenseite, zuweilen auch die Innenseite, sandig rauh; sie sind zwar nicht hart gebrannt, aber schwer zu brechen, vermutlich weil sie durch langes Lagern im Boden m.it Kieselsäure verfestigt und gehärtet sind. Vereinzelte Scherben aus verschiedenen Hügeln sind durchaus ziegelrot, wie nachträglich durchgeglüht. Viele haben rundliche, verwitterte oder verwaschene Bruchflächen. Die rohen Scherben sind zeitlich zwar nicht zu bestimmen, sicher aber zumeist bronzezeitlich wie die gleich- gearteten Scherben mit Warzen. Die Scherben des dünnwandigen, hell- oder lederbraunen Geschirres von feingeschlemmtem Ton kennzeichnen die Ornamente als bronzezeitlich. Ueber die Gefäßformen läßt sich kaum etwas sagen; einige gehörten zu kleinen Täßchen. Bronzezeitkeramik. Die überhöhten, plastischen Verzierungen. Eine größere Anzahl Scherben tragen schmale, andere breite Tonwülste mit den bekannten, an keine Zeit gebundenen Fingereindrücken der verschiedensten Art oder sonstige Einkerbungen. Eine glatte, scharfkantige Leiste 4 hat die Scherbe 23a, und die untere Gefäßwand ist künstlich gerauht, wie des öfteren bei Ton- kesseln der jüngeren Hallstattzeit; doch kommt diese Technik auch früher schon vor') und kann also auch der Bronzezeit angehören. Gewiß gehören dahin die Scherben, deren Tonwülste mit kräftigen Warzen ausladen, z. B. 80 op und 93 g. Warzen sind auch sonst vorhanden, 43 b 16, und neolithische Erinnerungen scheinen auch in ihrer Anwendung fortzuleben. Die Scherbe 12 aus Hügel 9 trägt drei pyramidenförmige Buckel von 8 und 10 mm Höhe; sie ist rauh, 13 mm dick und fast flach, hat also zu einem großen Gefäß wahrscheinlich einer rohen Gebrauchsgattung gehört. »Man sollte meinen, daß eine so auffällige Form des Dekors zur Zeit- bestimmung höchst geeignet sein müßte. Das ist aber nicht der Fall. Denn solche Gefäße kommen von der jüngeren Steinzeit ab bis in die römische Zeit hinein vor. Daraus ergibt sich, daß das Vorbild zu dieser Art nicht unbedingt in getriebenen Metallgefäßen gesucht werden muß. Der Vergleich liegt ja allerdings nahe, besonders wenn man an die mit Bronzeknöpfchen besetzten Tongefäße denkt, die gleichsam eine Zwischenstufe zu bilden scheinen 2)." Nach Seger führen Gefäße dieser Art in der Literatur den ') Siehe die Scherbe 1 der Abb. 5 bei Bersu, Tonscherben aus d. spätbronzeztl. Siedig. Mergenthciiii, Fiindberichte aus Schwaben 21.Jhrg. 1913 S. 19 oder das Aunjetitzer Gefäß von Staiikowitz in Nordböhmen nach Weinzierl Mannus I. Bd. S. 200. -) Fuhse, Oräbeifelder der ältesten und älteren Eisenzeit aus der Gegend von Braun- schweig; Mannus VIII 1917 S 1Ö9. Auch unter niykenischen Vasen finden sich solche Igel- gefäße, Furtwängler und Loeschcke, Myk. Vasen Taf. III 22 V zugleich mit Sieblöchern. 101 Namen Igelurnen oder besser Warzenurnen '). In unserer Nähe, Dechsendorf bei Erlangen, wurden zwei ähnliche Scherben, mit rohen, unregelmäßigen Klümpchen besetzt, in einem Hügel von Lj gefunden-). Die Zeitstellung unserer Scherbe ist nach alledem unsicher; ich halte sie jedoch für bronze- zeitlich. In größerer Zahl sind Scherben vorhanden, deren Außenseite roh gestreift ist, wahrscheinlich durch Fingerstriche 59 78 80v93. Sie gehörten ausschließlich Gefäßen mit rauher, quarzreicher Oberfläche an. Ein solches bildet Naue ah^); auch Kiekebusch hat derartige Scherben in dem jung- bronzezeitlichen Dorf bei Buch angetroffen *). Ein wiederherstellbares Gefäß dieser Gattung ist inzwischen aus einem Bronzezeit-Grab, Bj, aus Appen- stetten-Thalmässing in unsere Sammlung gelangt. Henkel haben sich in größerer Anzahl gefunden. Die breite, abge- brochene Handhabe 84 q des Hügels 8 erinnert an ähnliche Vorkommnisse aus der jüngeren Bronzezeit bei Naue. Der Henkel 43 e des Hügels 14 war mittelst eines Zäpfchens der Gefäßwand eingefügt. Ein ganz gleiches Stück bildet Hrodegh aus dem Burgstall von Kronhegg im Loistal ab '■) ; er ver- mutet, daß es steinzeitlich ist. In unserem Hügel zählt es sicher zur Bronze- zeit wie die Mehrzahl der übrigen Henkel. Die Ornamente: Nur ein Teil der Scherben trägt Ornamente und fast nur die dünnwandige feinere Ware. Sie sind geritzt oder eingestochen, eingestempelt, eingeschnitten und hier größtenteils photographisch wieder- gegeben, Taf. 2Q bis 38. Farbige Ausfüllung der Vertiefungen ist nicht feststellbar, bei manchem Ornament jedoch zu vermuten nach Beispielen von anderwärts. Der Motivenschatz besteht mit einer Ausnahme (43 ab) aus Linien, Kreisen, Vierecken und gerstenkornartigen Vertiefungen. Lineare Verzierungen: In Abständen sich folgende wagrechte Linien ohne anderen Schmuck, z. B. 23 59 80 und sonst, sind teils tief eingeschnitten, teils geritzt 59 23 ad. Horizontale, senkrechte und Winkel- Bänder sind gebildet aus je zwei Linien, bald leer, bald mit den gersten- kornartigen Eindrücken gefüllt; breitere Bänder 2 und Dreiecke, sog. Wolfs- zäline, tragen schräge Strichschraffuren 43. In Tiefstich hergestellte, 2 31 59 80 oder flach eingestempelte 78 a Gerstenkörner in zwei Reihen sich gegengestellt ohne begleitendes Linienband, bilden zweigartige Ornamente, einen Blätterkranz, ohne und mit Blattstengel 2. Striche statt der Gersten- körner gegenständig an eine aufsteigende Linie gestellt, 431 geben das sogen. Tannenzweig- oder Fischgrätenmuster. ') Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift VI 3 Seite 182. ^) Erhard, Hügelgrab bei Dechsendorf, Beitr. z. AU. Bayerns IX 1 890 S. 74 u. Taf. X Fig. 5. ') Naue, Bronzezeit in Oberbayern Taf. XXXVI 1 u. im Text Fig. 96 S. 200 ; oder das altbronzezeitliche Nutzgefäß von Stankowitz in Nordböhmen nach Weinzierl, Mannus I S. 205. *) Kiekebusch, Die Ausgrabung eines bronzezeitlichen Dorfes bei Buch ; Präh. Zeitschr. II 1910 Abb. 14 S. 405 unten links. =■) Wiener Präh. Zeitschr. IV 1917 S. 58 Abb. 4 b. 102 Die gleichen Motive und die damit bewirkten Zusammensetzungen bilden einen namhaften Bestandteil des Oberpfälzer und südbayerischen Bronzezeitornamentes; anderwärts sind sie teilweise schon in der Steinzeit üblich, die Linienbänder in der Winkelbandkeramik, das Tannenzweigmotiv in der Schnurkeramik. Das bestätigt die Worte Schumachers: „Wir können uns also schwer der Erkenntnis verschließen, daß zum wenigsten ein Teil der spätneolithischen Bevölkerung in Bayern wie auf der Schwäbischen Alb ruhig sitzen blieb und bis tief in die Bronzezeit hinein die altgewohnten Qefäßformen und Verzierungsmuster herstellte " '). Kerb schnitt ist in zweierlei Anwendung vorhanden. Die Tasse 90 ist mit den bekannten Dreiecken eingeschnitten, die am Grunde durch Ein- stiche gerauht sind, ein Beweis dafür, daß sie mit Farbe, wahrscheinlich mit weißem Kalk eingelegt waren. Diese geometrische Kerbschnittdekoration hat ihr Hauptverbreitungsgebiet in Württemberg, ist aber auch in Bayern nicht selten. Die zweite Anwendung zeigt den Kerbschnitt in Verbindung mit naturalistischer Dekoration, wofür mir anderweitige Beispiele nicht bekannt sind, Taf. 32 23 ab. Das häufige Blätterzv/eigmotiv der vertieften Gerstenkorn- technik ist hier umgekehrt und ins Plastische übersetzt; die Zweige treten erhaben aus dem durch Kerbschnitt vertieften Grund heraus, die Blätter sind frei behandelt, wie mit dem Bossierholz überarbeitet, eine für so frühe Zeit ganz ungewöhnliche Technik. Das Gefäß scheint mit hängenden Zweigen vollständig bedeckt gewesen zu sein. In Gerstenkorntechnik ist das Motiv nicht selten; eine von Naue abgebildete Tasse aus Oberbayern ist ganz mit Blätterzweigen behängt-), und schon in Megalithgräbern im Norden kommen sie vor^). Auch die von Steinmetz im Brandholz bei Laaber gefundenen Gefäße sind hier zu nennen *). Unter frühmittelalterlichen bezw. frühgermanischen Scherben von der „Krottengasse" bei Trimbach- Solothurn ') ist das Motiv der hängenden Zweige in Plastik mehrfach ver- treten, nicht auf ausgekerbtem Grund, sondern in Relieftechnik, vielleicht gepreßt? E. Tatarinoff, dem ich eine Abbildung unserer Scherbe übersandte, hat die Aehnlichkeit gleichfalls festgestellt; er fügt hinzu, daß bei den Scherben aus der Krottengasse Hallstattzeit nicht ganz ausgeschlossen sei. An der Fundstelle war nur ein unklares Schichtenprofil vorhanden, und in unmittelbarer Nähe ist eine hallstättische Wehranlage, Refugium Dicken- bännli. Für unsere Kasinger Scherbe, zu der noch eine stark verwaschene zweite vorhanden ist, halte ich der Kerbschnitt-Technik und der verwaschenen Kanten der Scherben wegen an bronzezeitlicher Abkunft fest; möglich, daß auch hier der vertiefte Grund mit anderer Farbe eingelassen war. ') K. Schuniaclier, Stand und Aufgaben der bronzezeitl. Forschung in Deutschland. X. Bericht der Röm.-germ. Kommission 1917 S. 34. -) Naue Bronzezeit in Oberbayern, Tafel 48, Abb. 1 und la, Text S. 225. ") Topf von Blengow; Beltz, die vorg. Altertümer des Großh. Mecklenburg-Schwerin Tafel 17, 155 Text S. 85. *) Vhdlgn. d. Histor. Ver. in Regensburg LV. Bd. *) Fünfter Jahresber. d. Schweiz. Ges. f. Urgesch. 1912 Abb. 60 S. 217. 103 Buckelkeramik wird erst in der jüngeren Bronzezeit häufig, begeg- net aber nach Schumacher ') in West- und Süddeutschland im allgemeinen überall, wo die Kerbschnittkeramik zu Hause ist. Die Reste des großen Tonkessels 43a haben Buckel am Rücken des Gefäßes; der gerade Hals, die Oefäßform überhaupt erinnern an jüngere Bronzezeit. Aber die darüber befindliche Reihe schwach und etwas undeutlich eingedrückter Vierecke weist auf ein Gefäß der Kerbschnittkeramik hin, wie es Behrens ähnlich aus Oberbayern anführt 2). Möglicherweise besaß das unsere gleichfalls einen Henkel, aber aus dem Bruchstück ist das nicht ersichtlich. H a 1 1 s t a 1 1 k e r a m i k. Bei den als hallstattzeitlich bestimmbaren Scherben fehlen Ornamente ganz, und Graphitierung ist nur in Andeutungen erhalten geblieben. Sicher kenntlich und in H4 unterzubringen ist eine Anzahl Randstücke. Die viel- fach geradlinige Randkante, der Mündungsrand, z. B. 93a, b, d, f, tritt in dieser Häufigkeit eigentlich erst in L, auf, doch fehlen die dieser Stufe außerdem eigentümlichen schönen Randprofile vollständig; von Li ist also abzusehen. Es kann sein, daß in dem außerhalb des Noldschen Grund- stückes gelegenen westlichen Teil der großen Nekropole Latenestufen vor- handen sind, denn im Abraum eines von früher her angebrochenen Hügels fand ich Scherben, welche fast an römische Terra sigillata erinnern, aber unsere Grabungen förderten nichts dergleichen zu Tage. Wie in unserer sonstigen Hi-Keramik üblich, kommen gelegentlich auch ältere Formen vor^); so gleicht der Gefäßrest 8 aus Hügel 9 dem Topf 2 von Oberreinbach 7317 Festschrift 1Q13 S. 126 Abb. 10, welcher dort der zweiten oder jüngeren Hälfte von H.; angehört; das Kasinger Stück weist sich aber durch die geradlinige Oberkante als jünger und zu H4 gehörig aus. Herkunft der Scherben. Chronologisch bestimmbare Bronzezeitreste, Scherben und Bronzen, fanden sich als Streufunde in allen von uns geöffneten Hügeln, auch in denen ohne Steinkränze. Das erklärt sich aus der Wiederverwendung der alten Hügelerde als Füllmaterial. Die eingerissenen Bronzezeithügel wurden nicht alle wieder als Hügel neu aufgebaut. Die Planzeichnung des Noldschen Anteiles an der Kasinger Nekropole S. 78 läßt ersehen, daß auch auseinandergerissene Hügel, Hügel- fragmente, vorhanden sind, 1, 3, 11, links und rechts von 4, neben 3; ich sehe in ihnen niedergerissene Bronzezeithügel, aus denen die Hallstatt- leute Matedal zu ihren Hügeln entnommen haben, und auch dabei geneten unabsichtlich Scherben und Bronzetrümmer in die Neubauten. Das Gleiche habe ich bei dem Hügel 7374 in der Stadelleite beobachtet und in der •) S. 34. ') Tafel VII Fig. 30 S. 113. ') Vergleiche Schönberg 7971 13 18 Tafel XXVI Abb. 52 dieses Bandes. 104 Festschrift 1Q13 S. 135 beschrieben; dort deci %\'i : 78 f Abb. 5. Hügel 7; Text S. 82. 80 V 80 Abb. 6. Hügel 8; Text S. 84 u. 86. Hügel 8. Abb. 7. Bei A die Scherben 84 i und 85 m; Text S. 85. Kaslng 7444. Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XXXI. Abb. 8. Die Skelettrcste 87 auf und zwischen den Steinen; B Schädel 89. Text S. 84. Abb. 9. Grube unter den Steinen; Text S. 84. Hügel 8. A^rsi' Abb. 10. Schale 90. Text S. 85. Die Gefäße. Abb. II, Hügel 9; Text S. 88. Kasing 7444. Abh. d, Nat. Oes. Nürnbercr XXI. Bd. Tafel XXXII 18 I Abb. 12. Streufunde; Text S. 8S 91. 21 Kasing 7444. Abb. 13. Die freigelegten Gefäße 26a und b. Standpunkt des photographisclieii Apparates bei c? B, Mitte, 2,5 ni von der Mitte. Hügel 9; Text S. 8Q. Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XXXIII. a> 'jj C/J , r X aj ._ h- 4> £) o O S S ■H o; -* T3 ^ .^ o F ^ b/l in v r- o nfl o in a> ro u 0) < <*- T, :cÖ r aj C r^ rt ^ ^ < c n u ZJ (/5 'J-i 1- >- 41 C- Q r: Öf, r 0) o u C Wl :3 U X. ■u ^ •rr c ^- 3 J3 -a < c^ J3 X3 < Kasing 7444. Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XXXIV. Abb. 16. Hirschschädel und -Knochen 55. Standpunkt des Apparates: 10"; Entfernung 6 ni. Text S. 92. Hügel 14. Abb. 17. Text S. 94. Abb. 18. Die halbzerstörte obere Steinsetzung im inneren Hügel. Standpunkt des Apparates: 30"; Entfernung 9 ni; Text S. 91. Kasing 7444. Abli. d. Nat. Ges. Nürnberg, XXI. Bd. Tafel XXXV. pl^^^^^^^^l w P .^asl^? \ , \ V^*^ mdim ^^*a^^^^v' iad^^Hoi w. MHfi^; ■''*^-~""- — . ^'^^"'^C^i'^/'y ^af^»* *•!; V'^^mI ^:M - — - :^-ii^- •' .• •' 1 m^ g^n^Säfc^ ^ Abb. 19. Die Ostseite des Steinrandes mit der Steinbrücke zu dem Nachbarhügel 16. Standpunkt des pliot. Apparates 130»; Entfertuing 7 m im Grundriß bei cJ b; Text S. 95. Abb. 20. Die Westseite des Steinrandes mit derSteinbrücke zu dem Nachbarhügel 18. Standpnnl B ~ r. OJ C/J Qj rt Q. a> C o E oJ" V- E JZ OJ _a -u b£ ^ "ÖJ 'D — C u o V CC '5 "C T3 (/5 CQ E 1! qj WJ o ü IE c *t: 1— ' OJ u < c CU '5 Q B OJ (^ > r; in c OJ C/5 o 'ÖJ :3 bj: OJ « -y. a> ^ XI .E CS 'oj ^ "oJ u S (/^ o > T3 O 1! ö OJ CQ ■ö m ^ xi ■— ^ (Ä < o OJ (VI o b£ ^ "^ So 1 < '^ ^ [i •a c Kasing 7444. Abhandlungen der NATURHISTORISCHEN GESELLSCHAFT zu NÜRNBERG XXI. Band 4- Heft Grabungsberichte der Anthropologischen Sektion Die Petershöhle bei Velden in Mittelfranken Mit Tafeln und Plänen Von K. Hörmann. NÜRNBERG 1923 Verlag der Naturhistorischen Gesellschaft, Nürnberg. Für den Buchhandel; Krische & Mencke, Universitätsbuchhandlung, Erlangen-Nürnberg. Grabungsberichte der Anthropologischen Sektion Die Petershöhle bei Velden in Mittelfranken Mit Tafeln und Plänen Von FC. Mörmann. Die Petershöhle. (Eini. Nr. 7806.) In einem Seitental links der Pegnitz bei Velden befindet sich hoch oben in einem Dolomitberg die Petershöhle; sie liegt in einer Einsenkung an der höchsten Erhebung eines von Nordwest nach Südost sich ausdehnenden langen Bergrückens, über die ein paßartiger Fußpfad führt. Südlich neben dem Paß- pfad erhebt sich das Bergmassiv etwa 40, nördlich etwa 20 Meter über den Boden der Höhle. Nach Nord und West fällt der Berg in steilem Winkel nach Ost senkrecht ab; siehe Tafel 41. Die Höhle ist von Trockentälern umgeben. Wasser ist nirgends anzutreffen; nächste Wasserstelle wäre heute der Flußlauf der Pegnitz, 182 m tiefer als die Höhle, Entfernung in der Luftlinie 1 km. Im Jahre 1914 wurde auf Veranlassung der Entdecker der Höhle, Dr. Ing. Peters und Härder, eine Versuchsgrabung unternommen, die zu eingehender Durchforschung ermunterte. Daraufhin wurde durch eine Reihe von Jahren jeweils mehrwöchentlich an der Untersuchung der Höhle gearbeitet. Versuchsgrabung: 1. bis 10. Oktober 1914: Ein Graben in der Längenachse der Höhle und ein solcher quer dazu an ihrer Südwand, ersterer bis 120 cm, letzterer bis 224 cm Tiefe geführt, ohne anstehenden Fels oder ein unteres Ende der Einlagerung zu erreichen; Hauptergebnis : Völlige Unberührtheit der Schichten bei merklichem Dunklerwerden der Ein- lagerung von 100 bis 120 cm Tiefe abwärts. An Funden nur zahlreiche Höhlenbärenreste. Grabungen: I.Grabung 10. September bis 21. Oktober 1916 (Tafel 41 unteres Bild). 2. Grabung 31. Juli bis 23. August 1919. — 3. Arbeitsperiode 4. bis 26. Juni 1920 Stein- sprengungen zur Freilegung des Platzes vor. der Höhle, Beseitigung der Gesteinstrümmer und der Walderde an dieser Stelle. — 4. Grabung vom 28. Juni bis 30. Juli 1921 Abgrabung des Platzes vor der Höhle (Tafel 42 oberes Bild) und der östlichen Nebengrotten. — 5. Grabung 6. Juli bis 12. August 1922 Haupthöhle und anschließende Nebengrotten. Grabungsleiter war immer der Berichterstatter. Die geologische Über- wachung lag bei Oberstudienrat Dr. Kellermann bis zu seinem leider schon 1918 erfolgten Tod. Die Räumungsarbeiten und Sprengungen des Jahres 1920 wurden unter der sachkundigen Leitung der Herren C. F. Schramm Vater und C. E. Schramm Sohn-Hersbruck ausgeführt, die auch in den Jahren vorher und nachher werktätigen Anteil an den Grabungen nahmen. Ihrem historischen Sinn und ihrer Heimatliebe hat die Naturhistorische Gesellschaft viel zu danken. Die volle Ausräumung der Höhle ist noch nicht beendet. Es bleiben noch zu bewältigen: Die hinterste Südkammer und die von der Westwand der Haupt- höhle aus nach der Westseite des Berges führenden Höhlenteile. Vor der Höhle liegt ein Vorplatz in Nordost, dessen Entstehung verhältnis- mäßig jungen Datums sein muß. Ursprünglich war nach dieser Seite, nach dem Abgrund zu, die Höhle durch von Klumpsen und Spalten durchzogene Felsen geschlossen. Das läßt sich daraus entnehmen, daß vor Beginn unserer Arbeiten hier ein wirres Durcheinander gewaltiger Felstrümmer bis zu 3 m hoch über der Höhlensohle lagerte, deren Abbruch von der stehenden Felswand noch ersichtlich ist. Während jetzt die Höhle mit dem Holzgatter endet, durch das wir sie bei Beginn unserer Arbeiten verschließbar machten, gehörte vor. dem Einsturz ein Teil des Vorplatzes noch zur Höhle, bis zu der niederen Felsen- barre, welche 5,80 m vor dem Gatter querüber streicht. Bis hierher reichten 124 war unter rotem Letten nur eine auch die Schichtenbildungen der Höhle; vor der Barre, nach dem Abgrund zu, schwache Decke gelber Lehmsandschicht, Schicht II, entwickelt, die ganz wenige Knochen enthielt, im übrigen von Einschlüssen frei war; darunter ver- witternder Dolomit, teils Sand, teils anstehender Fels. Der Zusammen- bruch fand also statt, während die Bildung der Lehmsandschicht im Gange war. Oberhalb der Felstrümmer auf dem Vorplatz, im Mulm, mit dem sie zugedeckt waren, fanden sich neben den Knochen einer Wildkatze eine Anzahl Scherben: die Hälfte einer Tasse der Hallstattstufe A, also sche- matisch aus den Jahren 1200 bis 1000 V. Chr. Daraus geht hervor, daß sich seit damals bis auf unsere Grabung das Bild vor der Höhle nicht geändert hatte. Q rabu ngstech n i k. Während der Grabung wurden verschiedene Arbeits- systeme durchprobiert. ,'\nfänglich gruben wir mit kleinen Instrumenten und durch- suchten die Fundstelle bei künstlichem Licht. Da die Funde spärlich, die Ein- lagerungen enorm , die Arbeitskräfte un- geschult waren, versprach diese Arbeits- weise wenig Erfolg. Wir richteten uns sodann vor der Höhle im Tageslicht ein, schafften die Funderde heraus und pro- bierten es mit Durchsieben. Höhlenerde ist immer etwas feucht; anstatt zu einer reinlichen Scheidung kam es zu uner- wünschten Neubildungen: Die Sieblöcher setzten sich mit feuchter Erde zu, und an den Gegenständen ballte sie sich durch das Worfeln zu Erdklößen und -wursten, die umso unförmlicher wurden, je länger das Sieben anhielt. Selbst wenn Wasser in hinreichender iVlenge vorhanden ge- wesen wäre, hätte die Methode des be- rühmten Siebens am wenigsten befriedigt. Die Arbeit kam erst richtig in Fluß als Herr Conrad Schramm sen. auf dem Grundriß. Aufgenommen durch die Sektion für Heiniat- forschnng der Naturhist. Ges. Juni 1923 unter Leitung von Herrn R. Spöcker. Vorplatz am Bergrand über dem Abgrund eine Art Hütte konstruierte, mit einem großen Tisch und mit einem Zeltdach überdeckt. Hieher wude die Funderde überführt und konnte annnähernd bequem bis ins Einzelne durchsucht werden. Auf diese Weise ließ sich auch die Arbeitskraft der zahlreichen Besucher in den Dienst der Sache stellen. Die Einrichtung hat sich bis ans Ende vortrefflich bewährt. Es versteht sich aber von selbst, daß die Unter- suchungsmethoden an heiklen Fundstellen den jeweiligen Umständen gemäß wechselten. Die Erdeinlagernngen in den Höhlenräumen lassen erkennen, daß sich verschiedentliche nicht miteinander in Einklang befindliche Episoden während ihrer Bildung abgespielt haben. Dies erschwerte die Beurteilung zeitweise ganz i 125 :tj^ -'•-i-y Horizont 0-M»ter \;, : erheblich und führte zur Aufstellung verschiedener Arbeitshypothesen, die der erlangten Einsicht gemäß nach jeder Grabung sich etwas änderten, allmählich aber klärten und vereinfachten. Was sich nach Beendigung der Grabung von 1Q22 sagen läßt, kann die spätere völlige Abgrabung noch etwas berichtigen, in den allgemeinen Zügen aber kaum mehr ändern. Die Schichten. Die Einlagerungen bestanden aus Erden verschiedener Färbung und aus dolomitischen Gesteinen jeder Größe, die fast durchweg scharfkantig waren, hie _ ^ ._. und da jedoch auch Kantenrollung aufwiesen. Die Erde ist kalkreich und braust in Salzsäure stark auf. Hornsteinknollen, Kiesel, Bohnerz oder Fossilien kamen nicht vor, aber einige- male Butzen von Manganmulmerz und ocker- iger Brauneisenstein, wahrscheinlich Rück- stände aus dem Tertiär der Albüberdeckung. Unter dem S. 137 erwähnten Brandfleck im Innern der Höhle war der Boden verhärtet, ein Konglomerat bildend, dessen Bindemittel gelber, eisenhaltiger Kalk ist. Die sandigen Einlagerungen sind z. T. Verwitterungsprodukte aus der flöhle selbst, z. T. sind sie von außen in die Höhle ge- langt, zu einer Zeit, wo im oberirdischen Einzugsgebiet nur noch ganz \ ereinzelt Reste der tertiären Albüberdeckung vorhanden waren; andernfalls wäre mehr davon in der Höhle angetroffen worden. Im Wesentlichen bestanden die Ein- lagerungen aus drei Schichten über dem QuerprofiF[zwischen den nörd- Liegenden. Es bedarf kaum der Erwähnung, liehen und südlichen Neben- daß ihre Mächtigkeit nicht durchweg gleich grotten (im Grundriß „Profil d"). war. Von den ersten Grabungen an erwähnen die Protokolle nesterweise Einlagerungen in den Schichten, andersfarbige Erde, Anhäufungen von Steinen und Knochensplittern unmittelbar neben fast leeren Längsprofil durch die Haupthöhle (im Grundriß „Profil a"). 126 und andersgearteten Stellen. Einmal bestand der Eindruck, als arbeiteten wir in einem ausgetrockneten Bachbett: die größeren und kleineren Dolomitbrocken waren blank gescheuert, und hinter ihnen lagen geschützt wie im Windschatten Häufchen von Knochen- splittern. Diese Fest- stellungen beschränkten sich jedoch auf gewisse Tiefen; sie wurden kennt- lich etwa von 80 cm un- ter der Oberfläche und reichten nicht bis unten. Als Einheitsmaß wurde die Oberfläche der Ein- lagerung an ihrer höch- sten Stelle angenommen. "^ Obering. Stadtrat Huber : hatte die Güte, die Ver- ; messungspunkte durch ' ; die ganze Höhle festzu- ; I legen. Sie sind in der § Folge als „ Nullmeter- Horizont " bezeichnet. Das Liegende. Während auf dem Vor- Querprofil durch die Haupthöhle (im Grundriß „Proilf b"). platz und in den Neben- grotten der anstehende FelsMem Tiefergraben Einhalt gebot, bildete in der Haupthöhle ein weißer Sand, Rückstand verwitterten und ausgelaugten Dolomits, die untere Grenze unserer Grabung. Im Südeck folgten wir ihm durch Aushebung eines Schachtes bis zur Tiefe von 5,70 m unter Null, ohne den gewachsenen Fels zu erreichen. Er führte nur oben, soweit er in Be- rührung mit der durch ihre dunkle Farbe scharf abgegrenzten Kultur- schicht I stand, einige Tierreste; aber schon in geringer Tiefe war er völlig knochen- und steinleer. Er wurde des- halb überall, wo wir in den übrigen Teilen der Höhle auf ihn stießen, nur oberflächlich angegraben. Schicht I. Der unterste Teil der Einlagerungen, Schicht 1, war in der Farbe dunkelbraun, von verschiedener Mächtigkeit, aber alle Höhlenräume, gleichmäßig durchziehend. Nach unten zu sehr dunkel, fast schwarz anzusehen. Querprofil zwischen Vorplatz und Neben- grotten (im Qriindriß „Profil c".) 127 hellte er sich oben auf ins gelbbraune. Manchmal glaubte ich die Trennungs- stellen zwischen einer dunklen unteren und einer helleren oberen Hälfte unter- scheiden zu können; deshalb habe ich auch beide durchweg getrennt gehalten. Zumeist aber gingen sie kaum merkbar ineinander über. Ihrem Inhalt nach sind beide Hälften als „ Kultur Schicht " zu bezeichnen und zusammengehörig, nur war die untere Hälfte reicher als die obere. Von den erwähnten nester- artigen Einlagerungen war die obere Hälfte stärker, die untere fast gar nicht betroffen. Auf dem Vorplatz vor dem Gatter und vor dem Eingang zur östlichen Neben- grotte, unserer Orabungsstelle 22, waren starke Umlagerungen besonders deutlich erkennbar: Bänder der überlagernden Schicht II kreuzten sich mit solchen von Schicht I, und Gruben, ausgefüllt mit Schicht II, reichten tief in Schicht I hinab. Schicht II. Die Lehmsandschicht, Schicht II, war ausgesprochen gelb und lagerte gleichfalls verschieden stark in allen Höhlenräumen. Im Hauptraum lagen darin und z. T. auch noch in der oberen Kulturschicht I große, von der Decke abgestürzte Felsblöcke, s. Tafel 44 oberes Bild, deren Beseitigung — Sprengung durfte wegen der Gefahr des Nachsturzes von Deckensteinen nicht in Anwendung kommen — durch Zerklopfen geschehen mußte. Die dadurch entstehenden Stein- trümmerfelder, das Aufwühlen der Umgebung, machten an solchen Stellen ein genaues Auseinanderhalten der Schichten unmöglich. Von der Mitte der Haupt- höhle aus nach rückwärts waren Schichtenunterschiede überhaupt nicht mehr wahrnehmbar. Die geringen Farbenunterschiede wechselten, und es konnte nur mehr nach dem Abhub, von oben bis unten sechsmalig, geschieden werden. Außerhalb der heutigen Höhle, vor dem Gatter auf dem Vorplatz, war der obere Teil der gelben Lehmsandschicht zu einem roten Letten verleimt, siehe Profil a in 100c und c in 85 c Tiefe; diese Bildung fehlte im Innern der Höhle, war aber auch in einer der Nebengrotten, siehe Profil d in 173 c Tiefe in geringer Ausdehnung vorhanden; es war dies die schwächste Stelle der Einlagerungen (137 bis 295 cm unter Nullmeter). Der rote Letten auf dem Vorplatz war feucht, fettig, an den Stellen seiner stärksten Mächtigkeit plastisch knetbar und führte im allgemeinen gar keine tierischen Reste, noch weniger Artefakte. Seine untere Grenze hob sich nicht horizontal von der Lehmschicht ab, sondern reichte zungenförmig in sie hinein. An den Verbreitungsrändern keilte er aus bis zum völligen Verschwinden. Zur Zeit seiner Entstehung muß die Höhle schon eingestürzt gewesen sein, sonst hätte er sich nicht über einen Höhlenteil und zugleich über den Vorplatz ver- breiten können. In der Mitte der Haupthöhle und in ihrer vorderen Hälfte, 1,30 m unter Null, ging eine schwärzliche Bodenfärbung horizontal durch die Schicht, wie ein Strich, der nach unten verschwommen und verwaschen ist. Sie entpuppte sich als ein feinverteilter Kohlenbelag; im Westteil an der Felswand häufte er sich zu kleinen Kohlennestern mehrere Zentimeter hoch. Unter dem Kohlenstrich im Vordergrund IV2 m breit bis nahe zum Gatter, war die Erde lebhaft rostrot gefärbt, a bei Profil a; sie bestand fast durchaus aus Höhlenbärenresten in allen Stufen der Verwitterung. Oberflächenschicht III. Die Oberfläche war mit Unmassen scharf- randigen großen Dolomitscherben übersät und durchsetzt, besonders an der Ost- wand und in den anschließenden Nebengrotten. Unter den Steinen war die Erde 128 weißlich gefärbt von aufgelöstem Kalk, oft geradezu wie mit Kalkmilch über- schüttet. Die von den Höhlenwänden abfließenden Sickerwässer hatten hier überdies eine derart starke Verkittung bis tief in Schicht II hinein bewirkt, daß die Grabung überaus mühselig, Felswand und angesintertes Gestein kaum zu unterscheiden möglich war. Der West- und Südteil der Haupthöhle war davon so gut wie gar nicht betroffen, der Boden hier leicht bearbeitbar, staubig und schmutzig von vermodertem Laub. Sinter. Feste Sinterdecken wurden in keinem Teil der Höhle angetroffen, aber Ansätze dazu, pappendeckelstarke Sinterplatten fanden sich an der Westwand. Derbe Trümmer von Plattensinter bis zu 5 cm stark fanden sich nicht selten in den Schichten, sie sind häufig viereckig, wie absichtlich, zugeschlagen. Woher sie stammen, blieb unbekannt. Waldboden auf dem Vorplatz. Die Sprengungen und das Beseitigen der Felstrümmer auf dem Vorplatz erschwerten genaue Beobachtungen. Über der Schicht II sowie zwischen und hinter den Felsblöcken lag eine aus Mulm und Waldboden gebildete Erde, die nahe dem Gatter gewaltige Aschenmengen und Holzkohlenhaufen enthielt. K o n t r 1 1 p r f i 1. In der Haupthöhle ließ ich an der Westwand die Schichteneinlagerung in ganzer Höhe auf eine Strecke von fünf Meter unberührt als Kontrollprofil, s. Tafel 44 oberes Bild, um späteren Nachuntersuchungen ein Bild des Aufbaues zu hinterlassen, vorausgesetzt, daß es den Nachstellungen un- berufener V Höhlenforscher" entgeht, die durch Einbruch sich schon dreimal Eingang in die Höhle verschafften und 1Q21 auch einen Teil des Profiles zerstört haben. Es war nicht vorauszusehen, und wurde erst im Laufe der Arbeit ersichtlich, daß hinter diesem Profil die Höhle nach West sich fortsetzt. Auf der anderen Seite des Berges führt ein verschütteter Gang nach dieser Stelle und somit in die Höhle herein. Dies legt die Annahme nahe, daß hier der ursprüngliche alte Zugang zur Höhle war (s. Grundriß S. 124). Zurzeit mit Steinschutt und Erden zugefüllt, wird seine Erschließung erst möglich sein, wenn solidere wirtschaftliche Grund- lagen die wissenschaftliche Tätigkeit weiterzuführen gestatten. Unausgegraben blieb außerdem noch der Südgang aus der Hauptgrotte zur Südkammer und diese selbst. Hier hatte seinerzeit der erste Bearbeiter der Höhle und mit anderen Gefährten ihr Entdecker, Dr. ing. Peters, viele Teile eines mächtigen Höhlenbären herausgeholt. Für die folgenden Ausführungen kommen in allen Teilen der Höhle im Wesentlichen nur in Betracht: eine Kulturschicht I untere und obere Hälfte; eine gelbe Lehmsandschicht II; die Oberflächenschicht III. Die Kultureinschlüsse. Die Höhle war von altsteinzeitlichen Menschen bewohnt; an Kulturresten haben sie hinterlassen : Flintgeräte, Gegenstände aus Knochen, einige bearbeitete Geweihstücke unbestimmter Form; im übrigen Kohlen und Feuer- stellen. Die Funde waren unterschiedslos aber immer vereinzelt über alle Räume der Höhle verstreut. F li n t g e r ä t e. Es fanden sich 31 bearbeitete Flintgeräte verschiedener Form und ver- schiedenen Materials. Größtenteils ist jurassischer Hornstein des oberen Weißjura verwendet. Die Umgebung der Höhle — durchweg Dolomit — ist arm an 129 diesem Material, es muß aus einigen Stunden Entfernung lierbeigebracht sein, wo es reichlich vorkommt. Ein (nicht abgebildeter) Bandjaspis-Nukleus könnte dem Altmühl-Jura angehören; einmal ist Kreide-Feuerstein vertreten 24, wahr- scheinlich nordischer Herkunft. Wie das Material, sind die Geräte auch der Zahl, der Größe, der Form- gebung und der Bearbeitung nach mit wenigen Ausnahmen dürftig und armselig. Sie lassen sich nicht ohne weiteres in das französische Paläolithschema einreihen ; es sind wechselnde Formen altsteinzeitlichen Charakters, wie sie für mittel- europäische Herkünfte nicht selten sind. Charakteristisch ist u. a. die nachlässige Technik und der Formenwechsel. Die meisten unserer Funde haben beinahe eolithenhaftes Aussehen, sind aber doch als »mousterienartig« zu bezeichnen. Von deutschen Fundstellen kommt vor allem Sirgenstein zum Vergleich in Betracht i); auch Ehringsdorf ist nahestehend. Jedoch möchte ich sie weder der „Weimarer" noch der „ Sirgensteiner " Stufe der Wiegersschen deutsch-paläolithischen Gliederung^) zuteilen, denn damit wäre geologisch das Alter nach Wiegers und typologisch eine französische Paläolithstufe festgelegt; beides möchte ich vermeiden. Eher bin ich geneigt, sie auf das Schema zu beziehen, welches ganz neuer- dings die österreichische Forschung unter Führung Bayers aufgestellt hat 3); sie läßt einigen Spielraum für das geologische Alter, und es ist nicht nötig, sich für eine frühere oder spätere Mousterienstufe zu entscheiden. Ein „ westeuropäischer Kulturkreis ", der sich hauptsächlich auf Frankreich stützt, ist einem „ osteuropäischen Kulturkreis", der vorläufig auf Mitteleuropa beschränkt ist, gegenüber gestellt. Eine solche Unterscheidung ist zweckmäßig, denn die Kulturstufen des ersteren besitzen einen gut umschriebenen Formeninhalt mit ausgesprochenen reifen Typen, und jede ihrer Stufen bietet das Bild einer zeitgemäßen kulturellen Höchstleistung. Die Herkünfte mitteleuropäischer Fundplätze sind dagegen vielfach roher; wollte man mit ihren unentwickelten oder die Eigenart mehrerer Paläolithstufen zeigenden Formen ein Schema aufbauen, so würde es, wenigstens was die Altpaläolithik anbelangt, kulturell niedriger zu werten sein als das französische; es läßt auf Menschen schließen, die vielleicht in größerer Abgeschlossenheit und unter härteren Bedingungen den Kampf ums Dasein führten. Der andere Kulturkreis ist dann eben die Umschreibung für andere Lebensbedingungen. Nach Bayer charakterisiert den westeuropäischen Kulturkreis die „ Faustkeil- kultur ", den osteuropäischen die „ Handspitzenkultur "; unsere Funde gehören demnach der letzteren an. Weiter vermag ich Bayer vorläufig nicht zu folgen, von seinen übrigen Voraussetzungen und Schlüssen sehe ich ab. Unser Gebiet lag zwischen der nördlichen und südlichen Vereisungszone, es stand mehr als Westeuropa unter arktischen Einflüssen, und arktisch ist auch das Geräteinventar der Petershöhle. Obwohl sie vom Lichtenfelser Kosten (Luftlinie 71 km) und der Klausennische bei Neuessing (76 km) für schweifende Jäger nicht allzu entfernt, zwischen beiden in der Mitte liegt, hat sie mit den Mousterienfunden dieser beiden Stationen nichts gemein. Dagegen hat die Mehrzahl unserer Flintgeräte Aehnlichkeit mit den Klein- typen vom Schulerloch*) in der nächsten Nähe der Klausennische und ebenso ') R. R. Schmidt, Die diluviale Vorzeit Deutschlands S. 18. ') Wiegers, Diiuvialprähistorie als geologische Wissenschaft. ') Bayer, Die Ausbreitung des Menschengeschlechtes; Naturw. Wochenschr. XXI 1922,5.693. *) Birkner, Die eiszeitliche Besiedelung des Schulerloches und des unteren Altmühltales 1916. 130 mit den Funden des unteren Horizonts der Gudenushöhle '), die nach Menghin gleichfalls .der Handspitzeiikultur angehören'). Formen wie dort Tafel V 4, 7- VI 2, 3, 5, 8- Vlli 3, 6- IX 1, 2, 6- X 3, 7- sind auch unter den unsrigen vertreten, Spitzen wie unsere drei 16, 18, 19, wurden dort nicht angetroffen; sie allein halten allenfalls einen Vergleich mit besseren Mousterien-Formen aus. Mit einem Teil des Mousterien vom Hohlen Fels bei Happurg^) (Luftlinie 14 km) und mit dem, was Breuil-Obermaier als Aurignacien bezeichnet haben, Flintgeräte aus Schicht I untere Hälfte 1 bis 3 im und beim Feuerherd gefunden. ') Obermaier-Breuil, die Gudenushöhle in Niederösterreich; Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft Wien, 38 1908 Seite 277. ') Urgeschiclite Niederösterreichs, Heimatkunde von Niederösterreich Heft 7 Seite 2. ') Der Hohle Fels bei Happurg; Abhandhuigen der Naturhistorischen Gesellschaft XX. Bd. (Festschrift zum 44. Anthropologen-Kongreß) 1913 S. 21. 131 besteht einige Ähnlichi»TW-''.7o?-"^§ Stelle, für welche eine solche Erklärung nicht ■ ■-'"^äi^L-.«^^ ausreicht. Es ist dies eine wandschrankartige g,j<. ^'^^^^^l Nische in der Felswand mit kleiner Öffnung ■ ^9" ;^^^^§ nach vorn, 120 cm über dem Boden (s. Tafel i. •* "'^-f^w 42 und 43). Darin fanden sich fünf Schädel, '>^^ zwei Oberschenkel- und ein Oberarmknochen, äf alles vom Höhlenbären. Die Schädel waren -W mürbe und zerbrachen beim Herausnehmen. Durch Naturvorgänge konnten diese Skeletteile nicht dahinauf und dahinein gelangt sein, dazu war die Zugangsöffnung zu hoch gelegen und zu klein (s. die Maße an der vorstehenden Abbildung) sie waren hineingelegt, und das konnte nur der Mensch gemacht haben. In den anderen Teilen der Höhle zeigte sich nichts dergleichen. Die Wahrnehmung in der Nische veranlaßte mich, meine Deutung des Knochenhaufens als Einschwemmung nochmal zu prüfen. Ich halte nun dafür, daß er nicht auf die vermutete Weise auf natürlichem Wege zustande gekommen ist. Das wäre möglich gewesen wenn ein ausschließlicher Wassertransport alle großen schweren Teile, Knoclien und Steine, zur seitlichen Ablagerung gebracht hätte. Derartiges beobachtete Abel in der Drachenhöhle bei Mixnitz '•'). Dort hatten sich bei der Einschwemmung die Knochen nach Größe und Gewicht gesondert abgelagert, zuerst die großen, dann die kleineren und kleinsten. Die ') Als Vortraf!; gehalten in der Naturhistorischen Gesellschaft am 20. Dezember 1922. '') Berichte der staatl. Höhlenkomm. Wien I 1920 S. 59. 149 neu erschlossene Tetifelshöhle bei der Schüttersmühle in der Fränkischen Schweiz birgt in einem seitiiclien Gang, der mit stari- unter der Oberfläche. Text S. 136. -ÜL «^'»-■^'' ■ttSbi^aai^ÄUl ä^SSgiä ^^ Osteck der Haupthöhle, teilweise abgegraben. Die vereiste Höhle; 25. März 1918. Text S. 140. r»etershöhre 7806. Abli. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XLV. Kleine Knochengeräte S. 134 und Klingen von Höhlenbärenzähnen S. 135 Petershöhle T806. Abh. d. Nat. Ges. XXI. Bd. Tafel XLVI. Bearbeitete Knochen und Pfeilspitzen a = jung- oder nacheiszeitlich; S. 134; b = Kalksteinspitze S. 132; c = Schädelstück vom Höhlenbären mit Einschnitten S. 135 Abh. d. Nat. Qes. Nürnberg XXI. Bd. Tafel XLVII Versuch 8151. Knochenfrümmer vor und nach der maschinellen Rollung; S. 153 ABHANDLUNGEN DER NATURHISTORISCHEN GESELLSCHAFT zu NÜRNBERG XXI. Band S.Heft Die dritte Hallstattstufe im Gebiet der Anthropologischen Sektion und die Nekropole in der Bediersloh mit 12 Tafeln von K. Hörmann NÜRNBERG 1925 LORENZ SPINDLER VERLAG DIE DRITTE HALLSTATTSTUFE IM GEBIET DER ANTHROPOLOGISCHEN SEKTION UND DIE NEKROPOLE IN DER BECKERSLOH VON K. HÖRMANN 1925 NATURHISTORISCHE GESELLSCHAFT NÜRNBERG Diese Arbeit erscheint gleichzeitig unter dem Titel Hörmann, Aus der Vorgeschichte der Heimat im Verlag von Lorenz Spindler Nürnberg C. H. Beck'sche Buchdruckerei in Nördlingen NEW YORK BOTAMCAL ÖAKüEN I Die Jurahöhen im Nürnberger Hinterland waren in den frühesten Vor- geschichtsepochen nicht bewohnt und auch die übrigen Landschaften um Nürnberg waren es nicht. Abgesehen von zwei urzeitlichen Höhlensiediungen, welche dem alten Abschnitt der geologischen Gegenwart, ihrer eiszeitlichen Hälfte, angehören und ungezählteJahrtausende zurückliegen, ist dielangwährende jüngere Steinzeit, die Neoiithik, gar nicht vertreten und ebenso fehlen die An- fangsjahrhunderte der Metalle, der Anfang der Bronzezeit, den man zwischen 2500-2000 v.Chr. ansetzt. Die Besiedlungsgeschichte beginnt mit einem Einzelgrab und Funden aus dem 18. vorchristlichen Jahrhundert; vom 16. an mehren sich die Fundstellen, sind aber immerhin dünn gesät und bleiben es, so lange die Bronze herrscht. Nicht viel anders ist es mit dem ersten Auftreten des Eisens, das von 1200 v.Chr. an, zunächst nur als Schmuckmetall, Eingang fand. Mit diesem Zeitpunkt be- ginnt, nach Prof. Dr. Reineckes Chronologie der Vorgeschichte, die für Süd- deutschland sich allgemeiner Anerkennung erfreut, die „ältere Eisenzeit" oder die Hallstattzeit, so benannt nach einer besonders ergiebigen Fundstelle oberhalb Hallstatt am gleichnamigen See in Oberösterreich. Sie ist nach Unter- schieden in den Formen der Keramik und der Metallgeräte in vier Stufen A bis D gegliedert, mit Hj H^ Hj H^ bezeichnet sie der Fachmann. Aber weder von den Zeiten der Stufe A noch der von B, welche bis 850 v. Chr. reicht, kann man sagen, daß unsere Heimat „besiedelt" war, wenngleich Menschen zu jenen Zeiten hier gelebt und einiges aus ihrer Hinterlassenschaft uns ver- erbt haben. Die wirkliche Besiedlung unseres Landes hat um 850 v.Chr. eingesetzt mit Beginn der Hallstattstufe C, die jüngere Hallstattzeit nennt man sie ge- wöhnlich. Da zeigt es sich als Teilgebiet einer ausgedehnten Bevölkerung, die westwärts bis über den Rhein und diesen hinab gegen Holland, östlich bis Westungarn reichte, deren kultureller Einfluß aber noch darüber hinaus bis Bosnien und der Herzegowina sich geltend machte und auf der anderen Seife sich mit der Zeit selbst auf die iberische Halbinsel erstreckte. Die Alpen bil- deten die Süd-, der Thüringer Wald die ungefähre Nordgrenze; aber auch über diese beiden Grenzen hinaus verloren sich die Kulturwellen der soweit ver- breiteten, ganz Mitteleuropa beherrschenden Bevölkerung. Die Hallstattleute waren ein in Stämme unterteiltes Volk, dessen Einzelgebiete Verschiedenheiten ausweisen in der Industrie, den Gebräuchen und dem Be- 158 Stattungswesen, IndogermanenderAbkunft nach, wahrscheinlich Illyrer- Raeter, örtlich wohl auch mit älteren Anwohnern oder Angrenzern gemischt. Rund 150 Jahre, von 850 bis 700, herrschte eine einheitliche Kultur im ge- schlossenen Gebiet dieser Landmasse. Von 700 an treten stilistische Unter- schiede so merkbar hervor, daß die folgenden Jahre bis 550 v. Chr. als Stufe D (HJ typologisch unterschieden werden können. In manchen Gegenden ist letztere sehr reich und von der vorhergehenden recht verschieden entwickelt; an anderen Orten, beispielsweise bei uns zu Lande, wächst ersichtlicherweise Stufe C in D allmählich hinein und die Unterschiede sind gar nicht groß, im Totenkult über- haupt kaum angedeutet: die Bevölkerung gleichen Schlages hat nur einige neue Moden aufgenommen. Im Verlauf der Stufe D schob sich eine wenig zahlreiche Bevölkerung anderer, sicher keltischen Abstammung von Westen ein, die erwähnten typologisch neuen Formen und ein anderer Totenkult macht sie kenntlich. Gegen Ablauf der Stufe D sind unsere Illyrer verschwunden, die Kelten aber blieben. Inzwischen war weit im Westen unter südlichem Einfluß eine neue Kultur herangereift, der es bestimmt sein sollte, die hallstättische zu ersetzen. Man nennt sie nach einer Untiefe im Neuenburger See in der Westschweiz, die im dortigen Dialekt la Tene heißt und sehr viele Funde dieser Epoche geliefert hat, die Latenekultur oder die jüngere Eisenzeit. Sie ist gleichfalls in vier Stilgruppen gegliedert und reicht bis um die Zeit von Christi Geburt. Die bei uns wohnen gebliebenen Hallstatt-D-Kelten übernahmen noch die Anfänge der Latenekultur. Aber nur schwache, wenige Zeugnisse besitzen wir von diesen Vorgängen, trotzdem der mächtige Ringwall auf der Houbirg in diesen Zeiten entstanden sein muß. Schon bald nach dem ersten Auftreten der Lat^neformen verlieren sich für Jahrhunderte fast alle Anzeichen menschlicher Bewohnung und nur verschwindend wenige Spuren deuten an, daß die Gegend, sei es von streifenden Jagdtrupps oder durchziehendem Volk, wenigstens nicht ganz unberührt geblieben ist. Die folgenden Ausführungen beschäftigen sich nur mit den mutmaßlichen Illyrern der Hallstattstufe C (H,), die ein eigenartiger, komplizierter Totenkult bestimmt kennzeichnet. Er erlischt bei uns nicht mit Beginn der Stufe D wie anderwärts das typologische Schema der Geräteformen, sondern besteht fort vielleicht während deren ganzer Dauer. Die geringen Unterschiede in den Geräte- typen beider Hallstattstufen C und D bei uns zu Lande lassen es angängig er- scheinen sie zusammenzufassen und bis gegen das Jahr 550 v.Chr. fortzuführen. Die oben erwähnten gleichzeitigen nichtillyrischen, sondern keltischen Siedler der Stufe D, gering an Zahl im Arbeitsgebiet der Anthropologischen Sektion der Naturhistorischen Gesellschaft, aber anderswo, an der Donau z. B., zahlreicher in wahrscheinlich geschlossener Volksmasse sitzend, schließe ich aus. Das Be- stattungswesen liefert die Anhaltspunkte zu der bestimmenden Trennungslinie. 159 Die Jahrtausende haben die Männer jener Zeit unseren Blicken entschwinden lassen, sie sind nicht unsere Ahnen und nicht unseres Blutes, ob sie gleich derselben Wurzel lichtfarbener Nordlandvölker entsprossen sind. Sie bewohnten jahrhundertelang die gleiche Scholle wie wir, unsere Berge, Wälder, Auen bildeten die Bühne auch ihres Tuns, ihres Lebens, Leidens, Hoffens und Wollens und so ist eine Schilderung dieser fernen illyrischen Epoche heimatkundlich doch wohl berechtigt und möglich ist sie auch. Denn sie stellten nicht nur eine zahlreiche Volksgruppe von einheitlicher Abstammung dar, sondern besaßen eine leicht kennbare ansehnliche, in sich geschlossene Kultur, die weder vorher noch nachher gleich war. Ein Kulturanfang, der Beginn einer „Neuzeit" war es indessen doch nicht. Ihr Kulturabschnitt ist die zeitlich-lineare Fortsetzung und der Abschluß einer ähnlichen, vorausgegangenen Lebenshaltung und Lebens- führung, nur auf etwas anderer ökonomischer Grundlage. Die Kunde von Vorgängen, die vor Beginn der Geschichtsschreibung liegen, läßt sich ausschließlich den Bodenfunden entnehmen und diese sind entweder durch Zufall oder aus Nachlässigkeit oder mit Absicht in die Erde gelangt. Durch Zufall: verlorene Gegenstände, die als Einzelfunde an den Tag kommen oder versteckte Gegenstände, mitunter ganze Warenlager, die der Eigentümer nicht wieder an sich nehmen konnte, sog. Depotfunde. Aus Nachlässigkeit: die Leute hausten in ihren Wohnstellen über dem oder mitten im Unrat, der durch Häu- fung von Abfällen der Nahrung, der Arbeits- und der Lebensweise entsteht, „Kulturschichten" bildend und diesem unhygienischen Verhalten sind viele wichtige Aufschlüsse über das tägliche Leben zu verdanken. Die weitaus er- giebigste Quelle unserer Kenntnis vom vorgeschichtlichen Menschen aber bilden die absichtlich hinterlegten Gegenstände, welche den Verstorbenen ins Grab mitgegeben, seltener an Stätten der Verehrung, z.B. Quellen, hinterlegt wurden. Von all den auf verschiedene Art in die Erde gelangten Dingen konnte sich nur das behaupten und ist auf uns gelangt, was dem Verderben widerstand, also Gegenstände aus unorganischen Stoffen und selbst diese nicht immer; Eisensachen z.B. zehrt mit der Zeit der Rost auf. Nur unter besonders gün- stigen Umständen ist ausnahmsweise Vergängliches erhalten geblieben, aber doch verdorben, in einem Zustand des Verfalles, der bei der Aufdeckung und Bergung die größte Vorsicht nötig macht und eine sorgfähige Konservierung erfordert. Den ganzen materiellen Besitz des vorgeschichtlichen Menschen, den vollen Umfang seiner Kultur, alles was er aus Holz und sonstigen pflanzlichen oder tierischen Stoffen wie Leder, Wolle u.dgl. geschaffen hat und was naturgemäß den größeren Teil seines Besitzes ausmachte, die mehr oder mindere Kunst- fertigkeit, die er dabei entwickelte, lernen wir gar nicht oder nur hie und da andeutungsweise kennen. Eine Sammlung prähistorischer Altertümer gibt des- halb immer nur einen schwachen Begriff vom Leben und Können des Vor- 160 zeitmenschen, besonders in unseren Breiten, wo die Natur mehr auf Zerstörung als auf Erhaltung hinarbeitet. Das ergibt sich in die Augen springend aus dem Vergleich mit ethnographischen Sammlungen selbst kulturell weit niedriger stehender Naturvölker der Gegenwart, deren Besitz und Können wir vollständig vor Augen haben. Rein äußerlich betrachtet, scheinen sie höher zu stehen und reicher zu sein, als die überlegeneren alten Vorläufer unserer Kultur es waren. Prähistorische Sammlungen sind daher ohne ergänzende Worte eher unver- dauliche als leicht zu genießende Schaustellungen. Sie illustrieren den Werde- gang der Kultur und bergen das Beweismaterial für die Lehrsätze, welche die wissenschaftliche Forschung aufgestellt hat. Dies ist ihr hauptsächlichster Zweck, der noch über dem Lehrwert steht, aber nur dann erreicht werden kann, wenn sie die Sammelbecken eines größeren Gebietes sind. Nur als solche kommt die Bedeutung zur Geltung, ganz abgesehen von der besseren Gewähr für sach- gemäße Behandlung der oft in äußerst fragwürdigem Erhaltungszustand anfallen- den Gegenstände, Trümmer und Scherben. Ganz zu verwerfen ist das Sammeln dieser ehrwürdigen Reste in Privathänden und auch die Unterbringung in kleinen Ortsmuseen empfiehlt sich nicht; nach wenigen Jahren tritt der Verfall ein und bald gerät Fund und Fundstelle in Vergessenheit, wenn auch das Gesetz und dessen Hüterin, das Landesamt für Denkmalpflege dem entgegenarbeiten. Gerade so, wie man wertvolle geschriebene Urkunden aus geschichtlicher Vergangen- heit in Kreisarchive zu retten trachtet, dürfen auch die Zeugen aus den Zeiten ungeschriebener Geschichte nicht einem zufällig und momentan daran Inter- essierten überlassen bleiben; denn jedes einzelne Stück ist ein unersetzlicher und nicht wie Naturobjekte wieder nachwachsender Gegenstand, auf den nur allein Volksgemeinschaft und die Wissenschaft ein Anrecht haben sollte. Für das Nürnberger Heimatgebiet ist die Anthropologische Sektion der Natur- historischen Gesellschaft die staatlicher- und städtischerseits autorisierte Stelle, anscheinend die Besitzerin, in Wirklichkeit aber den gesetzlichen Bestim- mungen und der eigenen Einsicht gemäß nur die Bewahrerin und Pflegerin der Gegenstände, welche die vorgeschichtlichen Zustände unseres Heimatlandes widerspiegeln und diesem als eigentlichen Besitzer erhalten bleiben müssen. Vor allem wichtig ist das Verhältnis des Menschen zur Umwelt; jene waren in weit höherem Grade als heutzutage von der Landschaftsgestaltung abhängig, die in unserem Gebiet bekanntlich nicht durch eine einheitliche geologische Grundlage bedingt ist, sondern durch die Keuperformation im Westen und im Osten vom Juragebirg. Die mit Sandsteinhügeln und kleinen Flußläufen gleichmäßig und etwas ein- tönig sich ausbreitende, flachwellige Keuperlandschaft charakterisiert in Nürn- bergs Nähe das in Süd-Nordrichtung zwischen flachen Flußterrassen breit- gedehnte Talgelände der Rednitz-Regnitz. Im Ostteil greift mit dem unteren 161 Tal der Pegnitz der Keuper weit in den Jura hinein, der mit 150—200 m Höhe darüber liegt, ein Tafelhochland bildend, dem zahlreiche Höhenrücken und Bergkegel aufsitzen; der Oberlauf der Pegnitz durchschneidet, viele Bäche und Trockentäler durchsetzen und queren das vom Zahn der Zeit stark benagte Gelände. 1 Diese zweifache Bodengestaltung verstärkt sich zu ausgesprochenem Gegen- satz durch die Pflanzendecke: der Keuper überwiegend Waldland, die Juratafel, soweit sie nicht von sandigen und tonigen Bildungen überlagert ist, über- wiegend waldfrei. Die dichte Bevölkerung der Neuzeit hat im Keuperland von ihrer Ellen- bogenfreiheit gegen den Wald reichlich Gebrauch gemacht; der Gegensatz ist da- durch gemildert. Ehedem machte er sich wuchtig geltend. Noch die Römer fanden dem Jura ein westliches Urwaldgebiet vorgelagert, dem sie ausweichen und ihren Limes in einem Knie an seinem Westrand von Gunzenhausen nach Walldürn und Miltenberg führen mußten, obwohl das eine um 20 Stunden längere Grenzlinie zu befestigen und zu besetzen nötig machte. - Zwischen Römer- und Hallstattzeit liegt zwar eine gewaltige Spanne Zeit; da aber währenddem stets die gleichen klimatologischen Verhältnisse herrschten, so ist das Gesagte auch für die rückliegende Zeit gültig. Hieran hätte keines Menschen Hand, nur die höhere Gewalt der Natur etwas zu ändern vermocht. Ein solches Land ist sehr unwirtlich und über alle Maßen menschenfeindlich ist der Urwald. Ich hatte in Mittelschweden Gelegenheit, den Rand eines solchen zu betreten. Das ist nicht, was wir so obenhin unter „Urwald" verstehen, ein besonders üppiger, dichter Wald, ein Bild gesundheitstrotzenden Lebens, nein, hier herrscht der Eindruck des Todes vor, der Armut, der Verkommenheit. Kümmerliches Stangen-, kränkelndes Jungholz neben vereinzelten Baumriesen, der Boden eine schwankende Decke von Moos und vermoderten Baumleichen, in die man knietief einsinkt und unter der gurgelnd ein Wasser rauscht. Riesige Ameisenhügel dazwischen, verdorrter Äste Gewirr und Gestrüpp, nirgend eine Stelle, der sich der Fuß sicher anvertrauen kann und ringsum trostloses Schweigen. Ebenso schildert Prof. Grad mann die vorgeschichtliche Waldlandschaft, beson- ders den Nadelholzwald. Dazu Flußwildnisse mit Altwassern und Tümpeln, Röhricht, Moor und Brüche; Gestrüpp von Weiden, Erlen, Eschen, Pappeln, Eichen: Auenwald und Eschenbruch an Bächen und Flußläufen. ^ Die Richtigkeit dieser aus Vergleichen gewonnenen hypothetischen Bilder wurde durch die umfassenden, unlängst zu einem vorläufigen Abschluß ge- brachten Arbeiten der Klima- und Bodenforschung bestätigt. Die von schwedi- ' Näheres hierüber bei H. Scherzer, Erd- und pflanzengeschichlliche Wanderungen durchs Franlienland. Lorenz Spindler Verlag Nürnberg. " R. Qradmann, Der obergerm.-rät. Limes u. d. fränk. Waldgebiet; Petermanns Mitteilungen 45 1899 S. 57. ' Derselbe, Das mitteleurop. Landschaftsbild nach seiner geschichtl. Entwicklung; Hettner, Qeogr. Zeitschr. 7. Jahrg. 1901 5.361. 162 sehen Forschern im Norden begonnenen, von Ganis und Nordhagen in Mittel- europa weitergeführten Untersuchungen setzen sogar in den Stand, eine chrono- logische Gliederung des mehrfachen Klimawechsels und der Pflanzenverbreitung während der vorgeschichtlichen Zeiträume durchzuführen.' Danach ist ein Klima- sturz konstatierbar, der mit Beginn der Hallstattstufe C, also um das Jahr 850 V. Chr. in Mitteleuropa mit feuchtem und besonders zu Anfang kaltem Klima einsetzte. Es ist die von den Schweden Blytt und Sernander „subatlantische Zeit" benannte Klimaperiode, die bis weit in die geschichtliche Zeit anhielt. Sie äußerte sich in erneutem Vorrücken der Gletscher, vermehrter Wasserführung aller Orten, Ansteigen der Seen, Moorbildung mit Sphagnetumtorf, Rückgang der Nord- und Höhengrenze vieler Pflanzen und Tiere und was sonst noch mit einer klimatologischen Verschlechterung zusammenhängt. Das war in der vorausgegangenen Bronzezeit und noch früher einmal anders und besser gewesen; da waren die der Nacheiszeit entstammenden Moore aus- getrocknet, mit Föhrenwäldern und Heiden bedeckt, die Seespiegel gesenkt, die Waldgrenzen in größere Höhen gerückt, auf der Juratafel herrschte die Steppe, ein Klimaoptimum allerwegen, das einen Gürtel von ständigem Hochdruck über Mitteleuropa anzunehmen zwingt; „subboreale Zeit" nennen sie Blytt und Sernander. Unter den Gesichtspunkten wechselnder klimatischer Verhältnisse ist die Be- siedlung zu betrachten. Soweit archäologisch beglaubigte Funde vorliegen, stehen sie im Einklang mit Resultaten der postglazialen Geologie und Pflanzengeschichte, gestatten nun aber auch, die kleinen lokalen Schattierungen in den hypothetisch gewonnenen Überblick einzutragen. Dazu sind genaue Fundortsangaben und chronologisch gut bestimmte Funde notwendig; aber diese beiden Bedingungen bleiben leider recht häufig ein frommer Wunsch. In der Westhälfte des Gebietes, zwischen Ansbach und Neustadt a/Aisch, liegen und lagen viele Nekropolen. Man kann vermuten, daß sie zu einem großen Teil der Hallstattzeit angehören, aber feststellbar ist es nicht mehr. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts hatte sich ihrer ein ganz unmethodischer Forschungstrieb bemächtigt und sie des Inhalts beraubt; er ist verschollen und verloren. Noch weitgehender als dort aus Unkenntnis wurden in der Fränkischen Schweiz die Bodenaltertümer zerstört. Es besteht Grund zu der Annahme, daß dort zur Hallstattzeit und auch vorher schon eine dichte Bevölkerung saß; aber ihre Hinterlassenschaft wurde des geringfügigen Erlöses wegen gewerbsmäßig ge- plündert, und das hat fortgedauert, bis kein unversehrter Hügel, keine un- berührte Höhle noch Felsvorsprung übrig blieb; das 1908 erlassene Denkmal- schutzgesetz kam ein Menschenalter zu spät. Organisator des blühenden, von den Kurgästen angeregten Handels mit Bodenaltertümern war der bekannte, ' Garns u. Nordliagen, Postglaziale Klimaänderiingen u. Erdkrustenbewegungen in Mittel- europa; Mitteilungen d. Qeogr. Qesellsch. München 16 1923 2. Heft. 163 originelle Hans Hösch auf der Neumühle bei Rabenstein; die Bronzen, welche er nach und nach oft für wenig Geld nach auswärts verlcaufte, sollen sich, wie es heißt, im Lauf der Zeit auf Zentner belaufen haben. Und in der Oberpfalz war es nicht besser; man lese nur die durchaus nicht übertriebene offizielle Darstellung des Historischen Vereins in Regensburg, i In diesem Zusammenhang — um auch dies zu erwähnen — darf gleich auch auf den Schaden hingewiesen werden, welcher der Wissenschaft durch den Pflug und die bessere Ausnützung des Bodens seitens der Landwirtschaft un- beabsichtigt erwächst. Bestenfalls gelangen Bruchteile, in ihrer Vereinzelung nahezu wertlose Bronzeringe, ein vom Rost entstelltes Stückchen Eisen in ein Museum; die für die Zeitbestimmung unter Umständen besonders wichtigen Scherben gehen in der Regel ganz verloren. Nicht selten sind gerade solche vom Zufall der Vernichtung überantworteten Hügel überreich an Funden. Das berühmte „Reitergrab im Hirgast" bei Thalmässing z. B., das nach der Ver- sicherung des in Fachkreisen bekannten Prähistorikers Bader EUinger in Alfers- hausen Unmengen von Bronze enthielt. Die Kleinsachen, Geschirrbeschläge, Nägel, Knöpfe warf der über so viel Unrat in seinem Acker ärgerliche Bauer korbweise in die Dungstätte; später fischte man sie so gut man konnte wieder heraus und es ist einiges davon in Museen gelangt. Prof. Mehlis erwähnt nach Hörensagen vom Reiter aus diesem Grab Helm, Pferdeknochen, prächtige Ge- hänge, Panzerhemd (?), Lederkoller (?).2 Welche Fülle von Beobachtungen über die oft noch rätselhafte Bestimmung der Gegenstände, die Bestattungsform, vielleicht auch über die Tracht ist damit verloren gegangen! Nach alledem kann es nicht wundernehmen, wenn das Wissen selbst von der Zeit der stärksten Besiedlung unserer Heimat so sehr lückenhaft ist und es auch immer bleiben wird. Die spärliche Besiedlung während der älteren Bronzezeit im Ostteil unseres Gebietes — und nur über dieses sind wir aus den dargelegten Gründen einiger- maßen unterrichtet — hat ihren Gräbern nach zu urteilen die Höhen der Jura- tafel aufgesucht, die unter dem Einfluß des damaligen Klimas eine Steppe bil- dete und wildreich gewesen sein muß; die Annahme, daß in der Nähe dieser Gräber und der dazugehörigen Siedlungen gute Jagdgründe gelegen waren, ist berechtigt. Zur jüngeren Bronzezeit (1400— 1200 v.Chr.) dagegen und in der frühen Hallstattzeit (1200—1000, bezw. bis 850 v.Chr.) lagen die Siedlungen im Tal: in der Ebene bei Henfenfeld, im Hirschbühl bei Altensittenbach-Hersbruck, in der Mögeldorfer Sandgrube, im Nürnberger Racknizgarten, in Fürth an der Lehmus-Hardtstraße; mit Ausnahme des Racknizgartens alle in den niedersten > Zum Schutze der prähistor. Altertümer in d. Oberpfalz LlV.Bd. d. Verhandlungen d. histor. Ver. 1903. 2 Archiv für Anthropologie 1884 15. Bd. S. 305. 164 Flußterrassen unmittelbar am Ufer, recht eigentlich im Hochwassergebiet. Es war dies, wie wir jetzt wissen, die Hochperiode der Trockenheit, und da wird es verständlich, daß die wenig zahlreiche Bevölkerung, die nicht ausschließlich von der Jagd lebte, sondern aus Bauern bestand, die unmittelbare Nachbar- schaft des Wassers vorziehen lernte. Dann folgt die Besiedlung mit dem Volk der Hallstattstufe C, ebenfalls Bauern, ob Nachkommen der vorigen oder neuzugewanderte, das läßt sich noch nicht unterscheiden; wahrscheinlicher ist das Letztere. Der Klimawechsel setzt ein und wieder steigen die Leute auf die Höhen, wo eine gute Schafhut winkt und die Äcker nicht im Grundwasser ersaufen. Die Talsiedlungen verschwinden größtenteils; aber die Bevölkerung ist zahlreich, nicht alle haben Platz auf dem nicht sehr fruchtbaren Tafelland, und sie sieht sich genötigt, auch die wald- freien Oasen aufzusuchen, die in den Urwäldern eingestreut sind. Man könnte an Rodungen denken, und es ist nicht ausgeschlossen, daß mancher besiedelte Fleck damals dem Wald abgetrotzt wurde. ' Eine solche, mit den Hilfsmitteln jener Zeit schwer zu bewältigende Arbeit war aber wahrscheinlich gar nicht nötig; das Studium der postglazialen Geologie lehrt, daß die Natur selbst dem Wald Schranken setzt, vor denen er haltmachen muß. Die Staubstürme der nacheiszeitlichen Steppenperiode haben manchenorts eine Bodenart zur Ablagerung gebracht, die sich als Löß verfestigt hat. Sie ernährt eine eigenartige Vegetation, die als „Steppenflora" ihre Selbständigkeit bis zur Gegenwart behauptet. Dem Löß weicht der Wald aus; er findet sich im Windsheimer Gau,^ bei Weinzierlein im Bibertgrund, bei Marioffstein, bei Heroldsberg, und alle diese Gelände waren von jeher waldfrei, boten demgemäß Siedlungsmöglichkeiten, die sich z.T. auch ausgenutzt finden. Wüßten wir, welcher Zeit die ausgeraubten Hügel im Keuperland angehört haben, ob der Bronze-, Hallstatt- oder Latenezeit, dann ließe sich auch fest- stellen, was jeweils Wald und was offenes Land gewesen ist. Denn auch andere Umstände, über welche wir heute noch nicht unterrichtet sind, haben an manchen Orten den geschlossenen Wald gelichtet. Kalk- und Lehmböden z. B. begün- stigten während der trockenwarmen Periode eine Steppenbildung, in der sich „die sonnenliebende Steppenheide ausbreiten konnte". Von diesen Waldlücken hat der Mensch Besitz ergriffen, „in diesen offenen Landschaften hat er sich festgesetzt und seine Kulturflächen gegen den wieder vordringenden Wald be- hauptet", so daß die vorgeschichtliche Waldverteilung manchenorts der heutigen nahegekommen sein wird.' ' Den vorgeschichtlichen Menschen hält man für gewöhnlich mangels geeigneter Werkzeuge außerstand zu größeren Rodungen. Und docli haben die Pfahlbauern Großes geleistet! Nur allein der Pfahlrost der Station Bodmann im Bodenscc bestand aus nicht weniger als 61500 Pfählen, d. h. ausgewählten Baumstämmen und andere der Hunderte von Pfahldörfern waren noch größer. Reinerth, Pfahlbauten am Bodenscc S. 17. ' Hierzu s. Scherzer, Erd- u. pflanzengeschichtl. Wanderungen durchs Frankenland I. Teil S.69. Der BotanischeVerein Nürnberg hat dort ein kleines Pflanzenschutzgebiet errichtet. ^ R. Gradmann, Die postglazialen Klimaschwankungen Mitteleuropas; Hettner Qeogr. Ztschr. 30 1924 S.248. 165 Die Hallstatfkultur hat bei uns keine tieferen Eingriffe im Landschaftsbild hinterlassen, keine Ruinen größerer Bauwerke, keine Reste von Verkehrs- oder umfangreichen Wehranlagen, wie einige Jahrhunderte später die Lat^neleute auf der Houbirg, dem Walberla, dem Staffelberg. Sie hat noch Teil am Unvermögen aller Jugendvölker, die nicht in der Lage sind, der Natur irgendwie einen Stempel aufzudrücken. Aber schon neigt die völlig geschichtslose Zeit Europas ihrem Ausgang zu, eine Menschheitsentwicklung von ungeheuerer Dauer zum Ab- schluß bringend. In diesem Sinne ist die Hallstattperiode eine Art kultureller Alterserscheinung, eine Zeit des Stillstands und der Reife, eine Episode ster- benden Völkerlebens, der nach langen Zeiträumen ein neuer Völkerfrühling, das Jugendstadium einer anderen Menschheitsseele folgt. Nur die Gräber geben Aufschluß über die Siedlungsdichte sowohl, als über die ungefähren Sitze der Bewohner. Wo die dazu gehörigen Dorfschaften belegen waren, ist daraus nicht zu entnehmen. Ebensowenig sind bisher Wohn- stätten angetroffen worden, obwohl viele Fundstellen in der Fränkischen Schweiz, den Gegenden von Sulzbach und Thalmässing als Andeutungen solcher zu be- trachten sind. Darin war Dr. Frickhinger in der Umgebung Nördlingens glück- licher. ' Von dort und anderwärts ist bekannt, daß verschiedene Haustypen vor- handen waren : rundliche und viereckige Hütten, viereckige und kreisrunde Wohn- gruben. Letztere mögen in unserem Gebiet wohl auch vertreten sein, zahlreich z.B. bei Heuchling-Birtl; aber es ist schwierig. Genaueres festzustellen, denn selten nur hat eine Grabung in den Gruben irgendeinen Erfolg. Wahrschein- lich sind die heutigen Ortschaften auf den alten Siedlungen angelegt, so daß deren Spuren längst verwischt sind. Nicht überall werden die Gehöfte der Hallstattleute so geräumig und statt- lich gewesen sein, wie Prof. Schumacher eines von Neuhäusl im Westerwald schildert: „Es hatte in seinem erweiterten Umbau 30 >; 28 m und besteht aus mehreren Wohn- und Wirtschaftsgebäuden um einen Wirtschaftshof, ganz nach italischer Art, mit Vorhallen, Herd- und Kellergruben, Zisternen usw. Die Dächer waren mit leicht vergänglichem Material, Stroh, Ginster usw. abgedeckt. Die Pfostenlöcher lassen auf große und sorgfältig bearbeitete Balken schließen; die Lehmbrocken mit Ruteneindrücken beweisen Riegelwände mit Lehmfachwerk, ihr teilweises Fehlen Spaltholzwände. Der Wandverputz ist geglättet, die Tennen sind aus feinem Bimssand hergestellt. Die langen Hallen, Ställe, Scheunen und Remise lassen keinen Zweifel, daß es ein richtiger Bauernhof war", der inmitten eines größeren Dorfes lag. Das Römisch-Germanische Zentral-Museum in Mainz, dessen Direktor diese anschauliche Beschreibung gibt,^ fertigt kleine Modelle des Gehöftes, die sehr lehrreich sind; aber die Nürnberger Sammlung ist leider nicht im Besitz eines solchen. ' Eine Wohnstätte d. früli. Hallstatizeit auf dem Spitzberg b. Appetstiofen, 5. Jalirb. d. Histor. Ver. f. Nördlingen u. Umgebung 1916 S. 11. ^ Schumacher, Siedelungs- u. Kulturgesch. d. Rheinlande I S. 110. 166 Vereinzelt waren Gehöfte dieser Art keineswegs, denn auch das in der Wasser- burg Buchau im Federseemoor bei Schussenried aufgedeclc 11,7 cm Randdurchm. — 9 x 7 cm Bodendurchm. 2 ' M. Hoernes, Die Hallstattperiode, Arcli.f. Anth. NF. III 1905 S. 275. ' Ahnlich Pldlenicer Typus Pic, Die Urnengräber Böhmens, Tafel 35 Fig. 10, u. Scheidemandel, Hügelgräberfunde bei Parsberg 1886 Tafel VII 2. 189 c Täßchen in Brustwarzenform aus den Scherben Nr. 4 u. 5, innen und außen semmel- farben 4,7 cm lioch — Randdurchm. 7 cm. d kugeliges Gefäß — Fund Nr. 22, graphitiert 14,8 cm fioch — 14,7 cm Randdurchm. — 23,5 Bauchdurchm. — 7 cm Bodendurclim. e Fund Nr. 29 ergab zwei gleiche Näpfe, außen stumpfdunkelgraubraun, innen graphitiert; 5 cm hoch — 20,5 cm Randdurchm. — 10 cm Bodendurchm. f Tasse Fund Nr. 2, braimgrau; 6,5 cm hoch — 12,7 cm Randdurchm. —6 cm Boden- durchmesser. g Tonl